Negativzinsen: SNB behält expansive Geldpolitik bei

Kein Ende in Sicht. SNB setzt weiter auf Negativzinsen.

Seit bald fünf Jahren setzt die Schweizerische Nationalbank auf Negativzinsen. Und bis auf Weiteres dürfte sie diese expansive Geldpolitik weiterführen. Denn bislang ist kein Ende der Minuszinsen in Sicht.

Negativzinsen stehen am Ende eines jahrzehntelangen Trends

Im Januar 2015 passierte es: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) konnte den starken Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken nicht mehr in Schach halten. Sie gab den Mindestkurs gegenüber dem Euro auf und führte gleichzeitig Negativzinsen ein. Die Minuszinsen sind allerdings nicht nur eine Folge der Finanzkrise, sondern auch eines globalen Trends. Denn seit den 1990er-Jahren sinken sowohl die langfristigen, als auch die kurzfristigen Zinsen in weiten Teilen der Welt kontinuierlich. Eine Entwicklung, die sich auch in der Schweiz vollzogen hat.

Die zentralen Ursachen für den Rückgang der Langfristzinsen ist die erfolgreiche Bekämpfung der Inflation sowie die Tatsache, dass die Realzinskomponente seit der Finanzkrise stark gesunken ist. Die kurzfristigen Zinsen, die von den Notenbanken bestimmt werden, entwickeln sich in der Tendenz in die gleiche Richtung. Wenn auch mit starken Abweichungen im Verlauf des Konjunkturzyklus.

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Minuszinsen sind das Ergebnis einer langen Entwicklung

Quelle: Datastream, Credit Suisse

Geldpolitik der SNB ist weiterhin neutral

Mit der Senkung des Leitzinses in den Minusbereich und der auch ansonsten sehr lockeren Geldpolitik sorgt die SNB hierzulande für immer wieder für Debatten, ob sie zu expansiv agiere. Ein Indiz dafür ist, dass das Kreditwachstum in der Schweiz in den letzten Jahren deutlich über dem Wirtschaftswachstum lag. Allerdings deutet die gegenwärtige konjunkturelle Entwicklung nicht auf eine Überhitzung der Schweizer Wirtschaft hin.

Zudem lassen andere Indikatoren eher darauf schliessen. dass die Nationalbank derzeit eine restriktive Geldpolitik betreibt. So ist die Zinskurve, also die Differenz zwischen den lang- und den kurzfristigen Zinsen, in der Schweiz nach wie vor eher flach. Und auch der Monetary Conditions Index, der die Abweichungen des Wechselkurses und der kurzfristigen Zinsen von ihren jeweiligen Fair Values abbildet, deutet auf eine straffe Geldpolitik der SNB hin. Über alle Indikatoren hinweg betrachtet, erscheint die Politik der SNB derzeit neutral..

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Geldpolitik der SNB ist gemäss Monetary Conditions Index eher restriktiv

Positiver Wert: straffere monetäre Bedingungen
Negativer Wert: lockerere monetäre Bedingungen

Quelle: Credit Suisse

Negativzinsen schwächen den Franken

Gleichzeitig bewirken die Negativzinsen eine Schwächung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro. Ein gewollter Effekt. Denn seit der Finanzkrise fokussiert sich die Nationalbank neben der Preisstabilität primär auch auf die Stabilisierung des Wechselkurses. Die Methode funktioniert gut, wie sich zeigt, wenn man man neben den Veränderungen der Zinsspreads auch die derzeitigen Unsicherheiten an den globalen und europäischen Finanzmärkten berücksichtigt.

Unter diesen Umständen zeigen Untersuchungen der Credit Suisse, dass Ausweitungen der Zinsunterschiede zum Euroraum durchaus ein probates Mittel sind, um den Franken gegenüber dem Euro weiter zu schwächen. Das ist nötig, denn laut Schätzungen der Credit Suisse ist der Schweizer Franken immer noch um etwa zehn Prozent überbewertet.

Noch ist kein Ende der Negativzinsen absehbar

Es zeigt sich, ein Ausstieg aus der Negativzinspolitik wäre daher derzeit, insbesondere in einem global unsicheren Umfeld, nicht möglich. Denn eine Verengung der Zinsdifferenz könnte eine erneute Frankenaufwertung auslösen, was der Schweizer Wirtschaft zu schaffen machen würde. Möglich wäre eine Zinserhöhung der SNB erst dann, wenn die Zinsen an den internationalen Kapitalmärkten wieder ansteigen und die US-Notenbank (Fed) oder die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen erhöhen. Beides erscheint bis auf Weiteres unwahrscheinlich.

So bleibt derzeit kaum ein Ende der Negativzinspolitik der SNB erkennbar. Doch der Spielraum ist begrenzt. Die Nationalbank hat daher den Freibetrag für Einlagen von Banken bei ihr per 1. November 2019 erhöht. So dürften die Negativzinsenausgaben inländischer Banken um rund 850 Millionen Franken tiefer ausfallen als bisher. Und die SNB hat wieder etwas mehr Luft, falls erneute Zinssenkungen nötig werden sollten.

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Die SNB befreite einen Grossteil der Einlagen vom Negativzins

Quelle: SNB, Credit Suisse