Steuervorlage 17: Kantone planen Senkung der Unternehmenssteuer

Kantone möchten Unternehmenssteuer senken. Blick auf die «Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF)».

Die Schweizer Stimmberechtigten entscheiden am 19. Mai 2019 über die «Steuerreform und AHV-Finanzierung» (STAF). Wird die Vorlage angenommen, planen die Kantone die Unternehmenssteuer zu senken. Dabei gibt es grosse kantonale Unterschiede.

STAF soll Steuersystem der Schweiz erneuern

Auf die Unternehmenssteuerreform III von 2017, welche von den Stimmbürgern deutlich abgelehnt worden war, folgt nun ein modifiziertes Reformpaket: Die Vorlage zur «Steuerreform und AHV-Finanzierung» (STAF) liegt am 19. Mai 2019 dem Volk zur Abstimmung vor. Die Neuauflage der ursprünglichen «Steuervorlage 17» setzt sich aus den zwei Teilbereichen zusammen:

  • Reform der Unternehmenssteuer
  • ausgleichende Zusatzfinanzierung der AHV

Der Bund verspricht sich von der Vorlage ein den internationalen Regeln konformes und gleichzeitig wettbewerbsfähiges Steuersystem. Dieses soll die Standortattraktivität der Schweiz erhalten. Im aktuellen Steuersystem profitieren in der Schweiz ansässige Holding- und Verwaltungsgesellschaften, die ihren Umsatz und ihre Kosten im Ausland generieren, von reduzierten Steuersätzen oder gar einer Steuerbefreiung. Das soll sich mit der neuen Vorlage ändern. Die Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF)sieht vor, die privilegierte Besteuerung solcher Statusgesellschaften aufzuheben. So soll ein Ausgleich zwischen den Statusgesellschaften und den hiesigen KMU geschaffen werden.

Statusgesellschaften zahlen nach der Steuerreform in der Schweiz mehr 

Konkret bedeute dies, dass Statusgesellschaften nach Umsetzung der Vorlage mehr Steuern zahlen werden. Für ordentlich besteuerte Unternehmen hingegen würden weniger Abgaben anfallen. Es darf jedoch nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Statusgesellschaften für die Schweiz von zentraler Bedeutung sind. Mit einem Beitrag von etwa 3,6 Milliarden pro Jahr liefern die Statusgesellschaften derzeit rund die Hälfte der Gewinnsteuereinnahmen des Bundes. Auch auf Kantons- und Gemeindeebene ist deren Anteil an der Steuerleistung hoch. Die Statusgesellschaften prägen zudem den Bereich Forschung und Entwicklung: Fast die Hälfte der Ausgaben von privaten Unternehmen stammen von ihnen. 

Steuerreform Schweiz: Statusgesellschaften sind von wirtschaftlicher Bedeutung

Statusgesellschaften sind bedeutend für die Schweizer Wirtschaft

Relevanz privilegiert besteuerter Statusgesellschaften gemessen an ihrem Anteil an den Gewinnsteuereinnahmen 2012–2014, ordentlicher Gewinnsteuersatz 2018

* Stufe Kanton und Gemeinde, inklusive Anteil an der direkten Bundessteuer

Quelle: Eidgenössische Steuerverwaltung, KPMG, Credit Suisse

Kantone möchten die Unternehmenssteuer senken

Bei Annahme der Vorlage zur Steuerreform und AHV-Finanzierung unterliegen künftig alle juristischen Personen, sowohl Statusgesellschaften wie auch KMU, denselben Besteuerungsregeln. Spielraum versprechen allerdings neue Privilegien auf Kantonsebene: Diese ermöglichen die Förderung von innovativen Tätigkeiten in der Schweiz und sollen die Attraktivität der Schweiz als Wirtschaftsstandort erhalten.

So bieten die Kantone den Unternehmen beispielsweise durch obligatorische Patentboxen steuerliche Entlastungsmöglichkeiten. Gewinne aus Patenten müssen dabei privilegiert besteuert werden. Fakultativ sind Abzüge für Aufwendungen im Bereich der Forschung und Entwicklung möglich. Hingegen sind durch die Reform die Möglichkeiten begrenzt, die Bemessungsgrundlagen der Steuern zu verringern. Deswegen planen zahlreiche Kantone als Ausgleich, die Unternehmenssteuer zu reduzieren. Der Umfang der Reduktion variiert dabei von Kanton zu Kanton stark.

Die ordentlichen Sätze sinken auf breiter Front, doch heutige Statusgesellschaften zahlen in Zukunft etwas mehr

Die ordentlichen Sätze sinken auf breiter Front, doch heutige Statusgesellschaften zahlen in Zukunft etwas mehr

Effektive Gewinnsteuersätze für ordentlich sowie privilegiert besteuerte Unternehmen sowie Mittelwert für alle juristischen Personen, geplanter ordentlicher Satz nach Steuerreform sowie Bereich der Entlastungsbegrenzung gemäss kantonalen Behörden

Quelle: Eidgenössische Steuerverwaltung, KPMG, Kantone, Credit Suisse

Unternehmenssteuern beeinflussen kantonale Standortattraktivität

Die kantonalen Anpassungen der Unternehmenssteuern würden das Ranking der Kantone nach Standortqualität deutlich verschieben. Denn die Senkung der Unternehmenssteuern könnte einzelne Kantone als Standort attraktiver werden lassen. Kantone mit aktuell hohen Gewinnsteuersätzen und vielen Statusgesellschaften stehen besonders unter Druck. Ohne eine deutliche Reduktion des ordentlichen Gewinnsteuersatzes besteht die Gefahr, dass diese Gesellschaften abwandern.

«Steuervorlage 17» führt zu neuem Ranking nach Standortqualitätsindikator

Senkung der Unternehmenssteuer mischt Ranking der Standortqualität auf

Standortqualitätsindikator (SQI), synthetischer Index, CH = 0, 2018 und bei Neuberechnung der Teilindikatoren der Erreichbarkeit sowie der Steuerbelastung für juristische Personen (Stand 13.03.2019)

Quelle: Credit Suisse

Steuerreform hat wirtschaftspolitische Folgen

Wird die Vorlage zur «Steuerreform und AHV-Finanzierung» vom Stimmvolk abgelehnt, haben die Kantone deutlich weniger Spielraum bei der Reduktion der Unternehmenssteuern. Zudem droht der Standort Schweiz für internationale Unternehmen angesichts der derzeitigen Planungsunsicherheit an Attraktivität zu verlieren. Aus wirtschaftspolitischer Sicht hätte ein überwiegendes «Nein» für die Schweiz weitgreifende Folgen. Denn aufgrund der privilegierten Besteuerung der Statusgesellschaften steht die Schweiz bei der EU und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) bereits unter Beobachtung. Wird die Vorlage abgelehnt, läuft die Schweiz Gefahr, auf die Schwarze Liste resp. mittlerweile graue Liste der Ecofin (Rat der EU Finanzminister) der Organisation zu rücken.

Im Falle einer Annahme der Steuerreform können hingegen erste Massnahmen gleich nach der Volksabstimmung in die Umsetzung gehen. Die Hauptmassnahmen würden voraussichtlich im Januar 2020, alle weiteren Auflagen bis 2025 umgesetzt.