Handelshemmnisse: Trotz Protektionismus expandiert Thermoplan

Handelshemmnissen zum Trotz. Thermoplan zeigt sich krisenresistent.

Die KMU-Studie der Credit Suisse zeigt: Handelshemmnisse nehmen zu. Das spürt auch Thermoplan. Der Kaffeemaschinenproduzent exportiert 98 Prozent seiner heimischen Produktion. Ein Grossteil davon in die USA und nach China. Welche Auswirkungen Handelsstreit und Protektionismus auf das KMU haben.

Internationaler Export trotz des zunehmenden Protektionismus

Thermoplan mit Sitz im luzernischen Weggis gelang in den letzten 20 Jahren ein rasanter Aufstieg: von der Entwicklung der ersten Kaffeemaschine für den Gastro­bereich 1995 hin zu einem in 75 Ländern präsenten Familienunternehmen mit rund 390 Mitarbeitenden. Und dies, obwohl die Handelsschranken seit der Finanzkrise zugenommen haben. Gemäss der KMU-Studie der Credit Suisse wird seit 2009 weltweit jedes Jahr eine Vielzahl an protektionistischen, staatlichen Massnahmen implementiert.

Dennoch setzte Thermoplan von Anfang an auf Internationalisierung. «Wir sind sehr spät in die Kaffeemaschinenbranche eingestiegen. Als Newcomer wollen wir den Schweizer Markt nicht konkurrenzieren», begründet Adrian Steiner, CEO von Thermo­plan, den eingeschlagenen Weg. Diesen will er trotz der Handelshemmnisse weiter­verfolgen.

Dank der Produktion in der neutralen Schweiz und der zahlreichen Handelsabkommen haben wir vielerorts einen Wettbewerbsvorteil.

Adrian Steiner, CEO Thermoplan

Handelshemmnisse haben positive wie auch negative Auswirkungen

Heute exportiert Thermoplan 98 Prozent der in der Schweiz produzierten Kaffee­maschi­nen. Die meisten gehen in die USA, unter anderem an den Grosskunden Starbucks. Erst danach folgt Europa, an dritter Stelle China. Damit steckt das Schweizer KMU mitten im Handelsstreit zwischen Donald Trump und China. Denn einerseits leidet Starbucks unter den in den USA auf 25 Prozent erhöhten Zollgebühren auf Kaffee. Das spürt der Zulieferer Thermoplan.

Andererseits profitiert das Familienunternehmen von den Problemen der anderen, so etwa in China. «Dank der Produktion in der neutralen Schweiz und der zahlreichen Handelsabkommen haben wir vielerorts einen Wettbewerbsvorteil», sagt Adrian Steiner. Dadurch floriert das Geschäft mit kleineren Direktkunden über Distributoren. Dies erst recht, da andere Firmen durch Handelsschranken im Markteintritt beeinträchtigt werden.

Länderspezifische Anforderungen sind ein Hemmnis

Ganz kalt lässt der zunehmende Protektionismus Thermoplan aber nicht. Wie über die Hälfte der in der KMU-Studie befragten Unternehmen empfindet auch Thermoplan den mit länderspezifischen Anforderungen und Zertifikaten verbundenen Aufwand als ex­porthemmend. Davon abschrecken lässt sich der CEO von Thermoplan jedoch nicht: «Als Familienunternehmen müssen wir uns an die Rahmenbedingungen anpassen. Denn ändern können wir diese nicht.»

Besonders hoch seien die Anforderungen in China und Russland. So verlange China sämtliche Angaben über die Kaffeemaschinen. Diese gibt die Schweizer Firma ungern heraus. Denn damit macht sich Thermoplan abhängig von der chinesischen Regierung. China ist aber bekannt dafür, dass es geistiges Eigentum schlecht schützt. Erfolgreiche Produkte aus dem Westen werden gerne kopiert.

Grosses Potenzial in China trotz Protektionismus

Doch trotz dieser Gefahr möchte Adrian Steiner nicht auf den Export nach China verzichten. «In China haben wir wahnsinniges Potenzial. Die Chinesen entdecken gerade die Kaffeekultur», betont er. Gefragt sind vor allem Cappuccino und andere Milchkaffeevariationen. In diesem Segment ist Thermoplan stark.

«Wir verkaufen mehr Milchmaschinen als Kaffeemaschinen», erklärt der CEO. Die Milchzubereitung und die damit zusammenhängende Hygiene sei die eigentliche DNA von Thermoplan. Schliesslich war das erste Produkt des 1974 gegründeten Unter­nehmens ein Rahmgerät, mit dem Schlagrahm per Knopfdruck geschlagen werden konnte.

Asiatische Märkte werden anspruchsvoller

Diese Kernkompetenz half Thermoplan auch, als China von einem Tag auf den anderen strengere Regeln im Bereich Lebensmittelsicherheit einführte. «Da galt es, schnell eine Lösung zu finden», so Adrian Steiner. Zentral war diesbezüglich der Partner vor Ort. «Dieser kennt sich aus. Er weiss, was dringend ist und was unnötig. Wir sind dort erfolgreich, wo wir einen guten Partner haben», begründet er dieses Vorgehen. Und die KMU-Umfrage zeigt: Auch andere Unternehmen erachten diese Massnahme als zentral im Umgang mit Handelshemmnissen.

Massnahmen im Umgang mit Handelshemmnissen

Was und wer im Umgang mit Handelshemmnissen helfen kann

Anteil der befragten KMU, denen die genannte Massnahme im Umgang mit Handelshemmnissen geholfen hat.

Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2019 

Etwas umständlicher gestaltete sich dagegen die Digitalisierung. Hier spürte Thermoplan die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China ganz direkt: Denn die Kaffeemaschinen sind an ein Cloud-System angeschlossen. Dafür setzte das Schweizer Unternehmen auf einen Partner in den USA. China akzeptierte diesen jedoch nicht. Also musste Thermoplan das ganze Cloud-System nochmals einkaufen. Das kostete Ressourcen, Zeit und Geld.

Kaffeekonsum trotzt den Handelshemmnissen

Ein erhebliches Risiko stellen für Schweizer Unternehmen gemäss der KMU-Studie zudem Wechselkurse dar. Deshalb verkauft Thermoplan – wo möglich – ausschliesslich in Schweizer Franken. Doch mit der Frankenaufwertung ist auch das nicht unproblema­tisch. So sah sich das Unternehmen gezwungen, Rabatte zu gewähren, um konkurrenz­fähig zu bleiben. «Für uns heisst das gleichzeitig, dass wir effizienter werden und die Beschaffungskosten senken müssen», so Adrian Steiner. Etwa mit der sich im Bau befindenden neuen Halle, in der Komponenten für die Kaffeemaschinen vollautoma­tisiert gelagert und bei Bedarf bereitgestellt werden.

Ein weiteres Rezept gegen die schwierigeren Rahmenbedingungen ist für Thermoplan Innovation. 20 Prozent der Belegschaft arbeiten im Bereich Forschung und Entwicklung. Erst kürzlich konnte das Unternehmen seine neue Kaffeemaschine «Black&White4» mit der auf dem Markt einzigartigen Innovation «Latte Art» präsen­tieren. Daher zeigt sich der CEO des Kaffeemaschinenherstellers für die Zukunft zuversichtlich. Nicht zuletzt auch, weil er aus früheren Krisen weiss: «Der Kaffee­konsum ist atypisch. Den täglichen Luxus eines Kaffees gönnt man sich auch in schwierigen Zeiten.»