«KMU sollen sich von Handelshemmnissen nicht abschrecken lassen»

Trotz zunehmender Globalisierung werden Unternehmen immer stärker mit Handelshemmnissen konfrontiert. Zölle und Vorschriften erschweren den Handel. Daniel Küng, CEO von Switzerland Global Enterprise, macht Mut, den Schritt in den Export dennoch zu wagen.

Herr Küng, welche Erklärung haben Sie dafür, dass der Protektionismus derzeit in vielen Ländern zunimmt?

* Daniel Küng: Mit der Globalisierung ist in vielen Ländern der Wohlstand gestiegen. Viele Menschen, die zuvor in Armut lebten, sind in den Mittelstand aufgestiegen. Das ist die Helikoptersicht. Auf tieferer Ebene sieht man, dass nicht alle von der Globalisierung profitiert haben. Das äussert sich in populistischen politischen Bewegungen. Es ist Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass die Gewinne aus der Globalisierung gerecht verteilt werden.

Wie ernst muss man diesen neuen Protektionismus nehmen?

Vom Handelsstreit zwischen den USA und China sind wir in der Schweiz wenig betroffen. Vielmehr müssen wir uns um die indirekten Folgen sorgen. In Asien werden beispielsweise immer mehr multilaterale Handelsabkommen abgeschlossen. Dadurch werden Länder, die nicht Mitglied sind, ausgeschlossen.

Ausgeschlossen wird auch die Schweiz. Wie gefährlich ist das?

Länder mit vielen Freihandelsabkommen stehen vergleichsweise gut da. Die Schweiz verfügt über ein Netz von 30 bilateralen Handelsabkommen mit 40 Partnern ausserhalb der EU, insbesondere auch mit China und Japan. Das ist ein enormer Vorteil. Allerdings muss dieses Netz zwingend weiter ausgebaut werden. Wichtig wäre es, wenn das Freihandelsabkommen mit Indien unterzeichnet würde. Mit Indonesien, Vietnam, Thailand und Malaysia sind wir ebenfalls in Verhandlungen. Indonesien allein eröffnet Schweizer Unternehmen Zugang zu einem Markt mit 260 Millionen Einwohnern. Zentral ist zudem auch ein Freihandelsabkommen mit Mercosur, dem Länderzusammenschluss von Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela – ein Markt mit über 250 Millionen Einwohnern. Mit dieser Organisation will die EU bald ein Freihandelsabkommen abschliessen. Auch die Schweiz ist in Verhandlungen. Es ist sehr wichtig, dass wir den Anschluss nicht verlieren.

Wie können Schweizer KMU auf den Protektionismus reagieren?

Wichtig ist, zu sehen, dass nicht die tarifären Handelshemmnisse wie die Zölle die grösste Hürde darstellen, sondern die nichttarifären Hindernisse. Dies können beispielsweise unverhältnismässig hohe Verwaltungsgebühren, komplizierte technische Vorschriften, Mindestquoten beim Anteil inländischer Arbeitnehmer oder Verpflichtungen zum Technologietransfer sein. Bisweilen müssen Unternehmen einen ganzen Wulst an Vorschriften erfüllen. Weil diese aber weniger gut erfassbar sind als Zölle, sind sie einschränkender für KMU. Unternehmern rate ich, sich gut zu informieren, sich aber nicht von den Handelshemmnissen abschrecken zu lassen. Hilfreich sind Checklisten, die systematisch abgearbeitet werden.

Gehen Sie jetzt in die Schwellenländer, um sich heute zu positionieren – und in 20 Jahren davon zu profitieren.

Daniel Küng, CEO Switzerland Global Enterprise

Die Schwellenländer erhalten ein immer stärkeres Gewicht. Wie wichtig sind sie für Schweizer KMU?

Die wachsende Mittelschicht in den Schwellenländern bietet eine riesige Chance. Heute gibt es in den Schwellenländern rund 2,5 Milliarden Mittelstandskonsumenten. 2030 werden es doppelt so viele sein. Die Bevölkerung wächst stark, gleichzeitig gelingt vielen Menschen der Schritt heraus aus der Armut. Dabei wird die Musik vor allem in Asien spielen. Heute erfolgen wertmässig zwei Drittel des Konsums in Nordamerika und in Europa. 2030 werden zwei Drittel der Güter in Asien und zum Teil in Lateinamerika konsumiert werden.

Welche Risiken müssen KMU beim Export in Schwellenländer beachten?

Ein grosses Risiko birgt das Bevölkerungswachstum. Denn damit steigt nicht nur die Zahl der Konsumenten. Die Leute brauchen auch Arbeitsplätze – dadurch entsteht mehr Konkurrenz. Der zunehmende Wettbewerb wird sich ebenfalls in den traditionellen Absatzmärkten bemerkbar machen. Zudem werden die Länder mehr untereinander handeln. Vor Ort sind die Transportwege kürzer, sie sind agiler und schneller. Für uns wird es schwieriger, in diese Märkte einzutreten. Wir raten KMU deshalb: Gehen Sie jetzt in diese Länder, um sich heute zu positionieren – und in 20 Jahren davon zu profitieren.

Bringt «Swiss Made» in Zeiten der Handelshemmnisse noch etwas?

Ja. Die Frankenstärke hat gezeigt, dass es viel bringt, auf «Swiss Made» zu setzen. So konnten sich Unternehmen im Preiskampf abheben. Es gibt viele Studien dazu, die zeigen, wie stark Schweizer Produkte mit positiven Aspekten wie Qualität und Nachhaltigkeit assoziiert werden. Die Schweiz ist ein starker Brand und hilft, auch in Zeiten von Handelshemmnissen. Ich denke, kein anderes Land verfügt über einen so starken Gesamtbrand wie die Schweiz.

Ein weiterer Aspekt ist die Technologisierung. Welche Bedeutung hat diese für Schweizer Exporteure?

Sie verändert die Wirtschaft und die soziale Welt. Durch die digitale Transformation wird die Globalisierung weiter vorangetrieben. Grenzen verschwinden. Das lässt sich nicht aufhalten, auch nicht von einem Donald Trump. Handelshemmnisse haben zwar eine bremsende Wirkung. Gleichzeitig eröffnen digitale Tools aber unerkannte Möglichkeiten. Früher musste man einen weiten Weg gehen, um einen neuen Markt zu erschliessen. Heute ist es viel einfacher, mit Partnern vor Ort zusammenzuarbeiten. Sie können heute eine Website erstellen und morgen Ihr Produkt in China verkaufen. Die digitalen Tools entschärfen die Handelshemmnisse.

Das Netz von Freihandelsabkommen gibt uns einen guten Startvorsprung. Dennoch dürfen wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen.

Daniel Küng, CEO Switzerland Global Enterprise

Welche Unterstützung bietet S-GE, um neue Märkte zu erschliessen?

Wir bieten Informationen über die Märkte, insbesondere bezüglich Opportunitäten. Ein Beispiel: Brasilien entwickelt neue Pässe – das ist eine grosse Chance für Schweizer Sicherheitsfirmen. Gleichzeitig zeigen wir Handelshemmnisse auf. Zentral ist die Beratung. Wir haben erfahrene Länderberater in Zürich, Renens und Lugano. In unseren Swiss Business Hubs und Trade Points in 27 Ländern vermitteln wir Kontakte und helfen KMU, sich zu vernetzen.

Vor Kurzem fand in Zürich das Aussenwirtschaftsforum statt, das von S-GE organisiert wird. Der Slogan war «International wachsen – zwischen Globalisierung und Protektionismus». Welche Erkenntnisse geben Sie Schweizer KMU mit auf den Weg?

Trotz verstärkter Tendenz der Politik, die Globalisierung unter Kontrolle zu bekommen, ist diese nicht mehr wegzudenken. KMU sollen sich nicht abschrecken lassen, sondern prüfen, wie sie Handelshemmnisse überwinden können. Die Schweiz ist als kleines Land global gut aufgestellt. In den letzten 30 Jahren haben wir unsere Auslandspräsenz massiv verstärkt. So befindet sich heute jeder dritte Arbeitsplatz von Schweizer Unternehmen im Ausland. Das Netz von Freihandelsabkommen gibt uns zudem einen guten Startvorsprung. Dennoch dürfen wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern müssen proaktiv handeln und uns mit Themen wie der Digitalisierung gut positionieren.

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