Businessstrategie über Wertschöpfungskette und E-Commerce optimieren

Gut vorbereitet auch in Krisenzeiten. Tipps für eine gesunde Businessstrategie.

Die Corona-Krise erwischte viele Schweizer KMU auf kaltem Fuss. Diese sind nun gefordert, die eigene Businessstrategie zu überdenken und sich auf ebensolche Ernstfälle vorzubereiten. Das gelingt insbesondere mit dem Fokus auf Digitalisierung, E-Commerce und dem Optimieren der Wertschöpfungsketten.

COVID-19-Pandemie stellt Businessstrategie von Unternehmen infrage

«Das Jahr 2020 dürfte wahrhaftig als historisches Jahr in die Geschichtsbücher eingehen», eröffnete Burkhard Varnholt, Chief Investment Officer der Credit Suisse Schweiz, seine Rede an den diesjährigen GoGlobal Days von Switzerland Global Enterprise (S-GE)*. Insbesondere die wirtschaftliche Landschaft hat grosse Volatilität und Unsicherheit erfahren.

Das stellte viele international tätige KMU vor Herausforderungen. Die Umsätze der Schweizer Exportindustrie liegen heute einige Milliarden Schweizer Franken unter dem Niveau von vor der Krise. Das Coronavirus habe für Schweizer Unternehmen neben unerwarteten Risiken aber auch einzigartige Chancen geschaffen, berichtet Burkhard Varnholt. Dabei sticht die Digitalisierung in der Businessstrategie besonders heraus. Aus Sicht des Experten dürfte auch die Glokalisierung die Art und Weise prägen, wie Unternehmen zusammenarbeiten, Werte schaffen und Wertschöpfungsketten gestalten.

Optimieren und planen: Wertschöpfungskette und E-Commerce

Wie Unternehmen ihre Wertschöpfungskette optimieren und sich auf die nächste Krise vorbereiten können, das wissen die Experten Christoph Wilhelm*, Urs Häusler* und Botschafter Dr. Eric Jakob*. In einer spannenden Podiumsdiskussion gaben sie Antworten auf brennende Fragen und Tipps für eine gesunde Businessstrategie.

Zahlreiche Schweizer Unternehmen verschärfen angesichts des Wiederanstiegs der Ansteckungen erneut ihre Schutzkonzepte. Sind die Schweizer Unternehmen auf eine zweite Welle vorbereitet?

Christoph Wilhelm: Wenn ich auf das zurückblicke, was während der Krise passiert ist, würde ich sagen, dass die Schweizer Unternehmen noch nicht bereit sind. COVID-19 hat die Schwäche der globalen, teils sogar lokalen und nationalen Lieferketten der Schweizer KMU aufgezeigt. Hier bedarf es eindeutig an Optimierung.

Urs Häusler: Einige Unternehmen sind besser vorbereitet, andere weniger gut. COVID-19 und der Verlust aller physischen Lager zeigten aber, dass viele Unternehmen zu Beginn der Krise noch nicht bereit waren.

Botschafter Dr. Eric Jakob: Um eine nächste Krise überstehen zu können, wird es wichtig sein, den kontinuierlichen Austausch zwischen der Wirtschaft, den verschiedenen Branchen, der Verwaltung und der Bevölkerung weiterzuführen. Ich halte maximale Transparenz für das Wichtigste. Der Bund befasst sich laufend mit den zentralen Fragen und Massnahmen. Heute wissen wir mehr als zu Beginn der Pandemie: Wir wissen, was funktioniert und was nicht funktioniert. Und niemand will einen zweiten Lockdown.

Wo soll ein KMU bei der Optimierung einer Wertschöpfungskette ansetzen?

Christoph Wilhelm: Viele Unternehmen setzen bei der Verbesserung des Kostenmanagements an. Davon rate ich vorerst ab. Das Kostenmanagement ist eine mittelfristige Aufgabe und bindet zu viele Ressourcen. Viel wichtiger ist, dass die Firmen in der Lage sind, ihren Auftragseingang so schnell wie möglich in Umsatz umzuwandeln. Denn mangelnde Liquidität ist der schlimmste Fall für jedes Unternehmen.

Fokussieren sollten sich Unternehmer und Unternehmerinnen primär auf ihr Risikomanagement. Das beinhaltet für mich die folgenden drei Schwerpunkte:

  1. Transparenz: Sie können potenzielle Lieferrisiken nur dann frühzeitig erkennen, wenn Sie genau darüber Bescheid wissen: wer liefert was und an wen. Schaffen Sie interne Transparenz, ist es einfacher zu definieren, wer entlang der Lieferkette die Verantwortung zur Risikominimierung trägt.
  2. Sourcing-Strategie und smarte Lagerhaltung: Analysieren Sie, wo die kritischen Stellen in der Lieferkette liegen – falls notwendig bis zum Rohmaterial. Versuchen Sie Risiken zu mindern, beispielsweise mittels «Multiple Sourcing». Schaffen Sie einen Vorrat an Artikeln, die schwer zu beschaffen sind oder bei denen sehr lange Lieferzeiten üblich sind.
  3. Trainieren von Notfallszenarien: Seien Sie bereit für den Notfall, indem Sie Notfallszenarien regelmässig durchspielen. Damit ist im Ernstfall das Funktionieren wichtiger Prozesse sichergestellt.

Die COVID-19-Pandemie hat die Digitalisierung in allen Bereichen vorangetrieben. Wie kann ein KMU bei der digitalen Optimierung am meisten Wirkung erzielen?

Urs Häusler: COVID-19 hat gezeigt: Es ist wichtig, dass Unternehmen ihren Verkauf auf den Fall vorbereiten, dass keine physischen Geschäfte möglich sind. Unternehmen brauchen heute einen Omnikanal oder besser gesagt einen Hybridkanal. Nebst den physischen Geschäften muss der Verkauf auch digital stattfinden können – das ist zentral!

Zudem sind die Abwicklung der internen Arbeitsabläufe und die Organisation der Mitarbeitenden ein wichtiger Punkt. Infolge des Lockdowns wurden viele Mitarbeitende ins Home-Office geschickt. Die meisten Schweizer Unternehmen waren darauf nicht vorbereitet. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, entsprechende Massnahmen zu treffen.

Was sollten KMU im elektronischen Handel beachten?

Urs Häusler: Ein Unternehmer oder eine Unternehmerin sollte eine klare Vision für die nächsten sieben bis zehn Jahre haben. Wohin geht mein Geschäft? Wie verkaufe ich? Woher kommen meine Kunden? Wer ist meine Konkurrenz? Dabei verliert die Strategie gegenüber anderen Schwerpunkten an Wichtigkeit. Heute muss man flexibel sein. Meine drei Tipps für Schweizer KMU:

  1. Seien Sie agil und reagieren Sie auf Krisen genauso wie auf neue Technologien.
  2. Unterteilen Sie Ihre Vision in Schritte. So können Sie Schritt für Schritt vorgehen und regelmässig neue Ergebnisse präsentieren und evaluieren.
  3. Arbeiten Sie mit Experten zusammen. Diese haben Erfahrung in der Entwicklung digitaler Produkte und E-Commerce-Lösungen.

Wie ist die Lage für die Schweizer Unternehmenslandschaft heute und morgen einzuschätzen?

Botschafter Dr. Eric Jakob: Wir wissen, dass der weltweite Rückgang des Handels eine historische Dimension hat. Wir freuen uns aber, dass sich der Schweizer Export in den Monaten Juni und Juli leicht erholt hat. Das ist ein Indikator für die internationale Konsumentenstimmung und so sehen wir doch auch Licht am Ende des Tunnels.

Es wird weiterhin Branchen und Unternehmen geben, denen noch harte Zeiten bevorstehen. Der Bund hat in der Krise stark mit Krediten und Kurzarbeit agiert. Die Verantwortung für weitere Unterstützung sehen wir nun auch bei den Kantonen. Ausserdem entscheidet das Parlament über zusätzliche Massnahmen. Wir hoffen, dass diese Massnahmen zur schnellen und nachhaltigen Erholung der Schweizer Wirtschaft beitragen werden – und nicht zum Strukturerhalt. Zudem sind Wirtschaftsdepartement und SECO bemüht, weitere Freihandelsabkommen mit Ländern aus diversen Weltregionen voranzutreiben, um den Zugang der exportorientierten Schweizer Wirtschaft zu diesen Märkten zu erleichtern.

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