Globalisierung stellt Schweizer Industrie vor Herausforderungen

Globalisierung setzt Schweizer Industrie unter Druck

Der Überschuss im Schweizer Warenhandel nimmt seit 2008 fast stetig zu – trotz der starken und teilweise sprunghaften Aufwertung des Schweizer Frankens. Besonders die Pharmabranche kann Vorteile aus dem Boom im Welthandel und der zunehmen­den Globalisierung ziehen. Die Schweizer Industrie hingegen hat darunter gelitten. Und die Zukunftsprognosen der MEM-Branche bleiben durchwachsen.

Schweizer Exporte wachsen im Zuge der Globalisierung

Die Globalisierung hat die Wirtschaft und die Welt insgesamt stark und in einem rasanten Tempo verändert. Das zeigt sich auch an den Schweizer Warenexporten, die seit 1998 um 122 Prozent zugenommen und sich damit mehr als verdoppelt haben. Und der Handel aus der Schweiz wird immer globaler: Gingen vor der Jahrtausendwende noch über 44 Prozent aller Warenexporte in die vier Nachbarländer, sind es heute lediglich noch 32 Prozent. Destinationen wie Kanada, China, Russland oder die USA – mittlerweile der zweitgrösste Handelspartner der Schweiz – sind immer wichtiger geworden.

Exporte in entfernte Märkte steigen im Zuge der Globalisierung an

Globalisierung verändert die Exportlandschaft für Schweizer Unternehmen

Anteil an Schweizer Warenexporten nach Land und Entwicklung seit 1998
Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung

Exporte der Schweizer Industrie verlieren an Bedeutung

Die Pharmabranche hat stark vom Wachstum in den USA und China seit 1998 profitiert. Der Anteil der Pharma-Ausfuhren an den gesamten Schweizer Exporten stieg seither beinahe um das Dreifache und beläuft sich nun auf fast 40 Prozent. Handkehrum haben der Chemiesektor und vor allem auch die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), die intensiv im europäischen Markt präsent ist, stark an Anteilen eingebüsst. Das hat Folgen für die Arbeitsmarktsituation: Waren 1998 noch fast 8 Prozent aller Beschäftigen in der Schweiz in der MEM-Branche tätig, sind es derzeit nur noch weniger als 6 Prozent.

Exporte der Schweizer Industrie verlieren seit 1998 an Wichtigkeit

Exportanteil der Schweizer Industrie sinkt kontinuierlich

Balken: Warenexport-Anteil der Branchen, Punkte: Beschäftigten-Anteil (r. Achse)
* Inkl. Medizinaltechnik, Elektronik sowie Mess- und Kontrollgeräte.
Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, BFS

Globalisierung macht Schweizer MEM-Industrie zu schaffen

Ein Grund für diese Entwicklungen ist, dass sich international orientierte Schweizer Unternehmen auf einen verstärkten globalen Wettbewerbsdruck einstellen mussten. Besonders die MEM-Branche, die sich hauptsächlich über hohe Qualität am Markt positioniert, leidet unter kurzfristigen Schwankungen in der Nachfrage. Die Entwicklung ihrer Exporte reagiert empfindlich auf Veränderungen im BIP-Wachstum der Abnehmerländer, wie Berechnungen der Credit Suisse zeigen. Gleiches gilt auch für die Uhrenbranche.

Ein etwas anderes Bild zeigt sich für die Ausfuhren von Pharmagütern. Sie sind resistent gegen kurzfristige Konjunkturschwankungen in den Abnehmerländern. Auf lange Frist hingegen führen steigende gesamtwirtschaftliche Leistungen in anderen Ländern tendenziell zu mehr Importen von Schweizer Pharmagütern, da sich die Qualität der Gesundheitsversorgung mit steigendem Wohlstand und zunehmendem BIP erhöht.

Exporte der Schweizer Industrie reagieren sensibel auf Konjunkturschwankungen

Hohe BIP-Elastizität der Nachfrage fordert Schweizer Industrie

BIP-Export-Elastizitäten der MEM-Branchen (2004–2019)
Exportanteil der MEM-Ausfuhren im jeweiligen Land, 2019
Eingefärbte Koeffizienten sind signifikant
Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Datastream, Credit Suisse

Frankenstärke ist langfristig für die Schweizer Industrie problematisch

Auch unter Berücksichtigung der Wechselkurse ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Pharmaexporte zeigen sich gegenüber kurzfristigen Wechselkursentwicklungen robust. Ähnliches gilt für die Ausfuhren der Uhren- und Chemiebranche. Für die MEM-Industrie ist die Situation allerdings etwas schwieriger. Die strukturelle Aufwertung des Schweizer Frankens beeinflusst das langfristige Niveau der Exporte dieser Branche negativ und hat auch kurzfristig Auswirkungen.

Insgesamt stützt vor allem die stabile Entwicklung der Pharma-Ausfuhren die gesamten Exporte auch in volatilen Zeiten und während Konjunkturflauten im Ausland. Doch diese Abhängigkeit birgt auch Risiken: Gesundheitsreformen im wichtigsten Absatzmarkt USA oder eine geringere Nachfrage aus den Schwellenländern könnten die Lage in Zukunft beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es daher, dass sich der Schweizer Export nach Möglichkeit noch weiter regional diversifiziert. Auch Dienstleistungsexporte könnten die Dominanz der Exportgüterindustrie und nicht zuletzt des Pharmasektors reduzieren.

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