Weshalb der Negativzins in der Corona-Krise wichtig ist

Fluch oder Segen? Die Rolle des Negativzinses in der Corona-Krise.

Dem globalen Tiefzinsumfeld, das sich während der COVID-19-Pandemie akzentuiert hat, kann sich auch die hiesige Wirtschaft nicht entziehen. Im Jahr 2015 hat die Schweizerische Nationalbank den Leitzins in den negativen Bereich gesenkt, um den Druck auf den Franken zu verringern. Dies ist im Moment auch für die meisten Schweizer KMU sehr wichtig.

Negativzins ist seit der Einführung umstritten

Als die Schweizerische Nationalbank vor fünf Jahren den Negativzins einführte, war die Kritik gross: Unternehmen und Anleger waren unzufrieden, da sie – vormals undenkbar – auf grössere Cashbestände Zinsen zahlen mussten. Banken wurden ebenfalls vor grosse Herausforderungen gestellt. Welche Rolle der Negativzins auch während der Corona-Krise spielt, war eines der Themen am 3. Unternehmerkongress 2020 der Credit Suisse*.

Negative Zinsen – Licht am Ende des Tunnels?

Die Experten* Andréa Maechler, Hans Baumgartner und Oliver Adler diskutierten unter der Leitung von Sibylle Salzmann Ciarrocchi am Unternehmerkongress darüber, weshalb der Negativzins in diesem Umfeld unvermeidbar ist. Die Antwort scheint einfach: «Ohne Negativzins wären wir in einer viel schlechteren Wirtschaftslage», ist sich Andréa Maechler sicher.

Die Unsicherheiten an den Märkten haben durch den Ausbruch der Corona-Krise neue Dimensionen angenommen. Das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) fiel im zweiten Quartal so stark und rasch wie nie zuvor. Obwohl in einigen Sektoren seit dem Frühjahr eine Erholung stattgefunden hat, bleibt die Wirtschaft geschwächt und viele KMU kämpfen weiterhin mit einer geringen Nachfrage.

Die Wahrnehmung des Negativzinses ändert sich in der Corona-Krise

Der Negativzins hat laut Andréa Maechler mit dazu beigetragen, dass der BIP Einbruch in der Schweiz im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie Italien, Grossbritannien oder Spanien verhältnismässig gering war. So bietet er für die Schweizer KMU auch konkrete Vorteile. «Der Negativzins sorgt für günstige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen», erklärt Andréa Maechler.

Tatsächlich scheint bei einigen Unternehmen während der Corona-Krise ein Umdenken in Bezug auf den Negativzins stattgefunden zu haben. «Die Mehrheit hat mittlerweile verstanden, dass die Massnahme notwendig ist», so Hans Baumgartner.

Schweizerische Nationalbank hält an Effektivität des Negativzinses fest

Auch SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler stellt fest, dass die Kritik am Nega­tivzins in letzter Zeit abgenommen hat. Die Nationalbank tue alles dafür, dass die Effek­tivität des Negativzinses weiterhin so hoch und die Last für Banken und Unter­nehmen so tief wie möglich bleibt. Daher gewährt die SNB den Banken einen mass­geb­lichen Frei­betrag, damit ein möglichst grosser Teil ihrer Sichtguthaben vom Negativzins aus­ge­nommen ist. Auf diese Weise haben Banken weniger Druck, die Kosten des Nega­tiv­­zinses auf ihre Kunden zu überwälzen.

Die Schweiz kann sich nicht vom Tiefzinsumfeld abkoppeln

Dass der Negativzins in der Schweiz notwendig ist, um die Wirtschaft zu stützen, war für Oliver Adler schon immer klar. «In der Schweiz hängt ein grosser Teil der Wirtschaft vom Export in die Eurozone ab. Sind die Margen eng und die Wirtschaftslage eher schwach, ist es gut, wenn der Schweizer Franken nicht zu stark wird», sagt er. Und solange die Wirtschaftslage unsicher bleibt, dürfte die SNB am Negativzins festhalten. Denn laut Andréa Maechler stellt das globale Tiefzinsumfeld die eigentliche Herausforderung dar. Davon könne sich die Schweiz nicht einfach abkoppeln.

Die Experten sind sich deshalb einig: Minuszinsen werden die Schweizer Wirtschaft noch lange beschäftigen. Dennoch sind die Zukunftsaussichten positiv: Hans Baumgartner: «Die Wirtschaft wird sich anpassen und man wird eine Form finden, wie unter diesen Bedingungen effektiv gewirtschaftet werden kann.»

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