Flexible Retail: mit Pop-up-Stores gegen den Strukturwandel

«Flexible Retail» und Pop-up-Stores sind im Detailhandel Trumpf

«Flexible Retail» liegt bei Schweizer Händlern im Trend. Als Reaktion auf den Struktur­wandel im Detailhandel werden flexible Ladenkonzepte wie Pop-up-Stores immer beliebter. Erfahren Sie, welche Vor- und Nachteile diese haben.

Strukturwandel im Detailhandel ist in vollem Gange

Der Schweizer Detailhandel steckt mitten in einer tiefgehenden Veränderung. Gab es 2013 in etwa 53’000 Verkaufsstellen, waren es 2017 nur noch knapp 50’000. Im Wan­del befindet sich auch die Entwicklung des Verkaufsflächenangebots. Das bewilligte Neubauvolumen liegt seit Jahren unter dem langfristigen Mittel. Gleichzeitig standen Ende 2018 rund 330’000 Quadratmeter Verkaufsflächen leer.

Aufgrund der hohen Leerstände drängt sich an vielen Orten eine Umnutzung auf. So wurden 2017 lediglich 20 Prozent der ausgeschriebenen Parterreflächen bei Misch­nutzung wieder an Detailhändler vermietet. Stattdessen ziehen vor allem Restaurants und Dienstleister ein – oder die Verkaufsflächen werden als Büros vermietet. Die Umnutzung bringt den Vermietern allerdings auch Nachteile: Sie müssen mit erhöhten Kosten für den Umbau und einer zumeist niedrigeren Zahlungsbereitschaft der bran­chen­fremden Neumieter rechnen.

Flexible Verkaufskonzepte wie Pop-up-Stores liegen im Trend

Doch auch der Detailhandel muss reagieren, um aus dem Teufelskreis von leeren Verkaufsflächen, rückläufiger Kundenfrequenz und abnehmenden Umsätzen aus­zubrechen. Diese Entwicklung erfordert neue Point-of-Sale-Konzepte, damit Flächen effizient genutzt und der Kundschaft ein Einkaufserlebnis geboten werden kann. Einen Ausweg bieten flexible und innovative Verkaufsflächenformen. Diese können unter­schiedlich gestaltet sein: von Shop-in-Shop-Konzepten, bei denen eine Teilfläche eines Ladens untervermietet wird, über befristete oder kurzfristige Vermietung bis hin zu Event-Spaces und Pop-up-Läden.

Solche alternativen Verkaufskonzepte liegen derzeit stark im Trend. In den letzten drei Jahren hat sich die Inserierung von flexiblen Verkaufsflächen mehr als verdoppelt, während die Zahl der insgesamt neu aufgeschalteten Inserate nur leicht gestiegen ist. Dies deutet darauf hin, dass immer mehr Flächen als Pop-up oder in Form anderer flexibler Verkaufsflächen ausgeschrieben werden.

Anteil flexibler verkaufsflaechen und pop up stores steigt stark

Anteil flexibler Verkaufsflächen und Pop-up-Stores steigt stark

Neuausschreibungen nach Inseratstyp, gleitender Durchschnitt über vier Quartale, indexiert: 100 = 4. Quartal 2015
Quelle: Meta-Sys AG, Credit Suisse

Pop-up-Stores haben besonders in Zentren Potenzial

Auch bei den Detaillisten besteht gemäss einer Umfrage des Beratungsunternehmens Fuhrer & Hotz starker Bedarf an einer Flexibilisierung der Retail-Flächen, insbesondere bezüglich der Mietkonditionen. Gerade dafür bietet sich der verstärkte Einsatz von Pop-up-Stores an. Wichtige Vorteile sind dabei die Möglichkeit, neue Sortimente beziehungsweise Konzepte auszuprobieren, das Point-of-Sale-Marketing zu erweitern und vor allem auch sinnvolle Zwischennutzungen zu finden.

Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten zeigt, dass Pop-up-Konzepte als wertvolle Ergän­zung angesehen werden können – in gewissen Fällen sogar als Alternative zu traditio­nellen Verkaufsflächen. Und das gilt nicht nur für traditionelle Detailhändler, sondern auch für sogenannte «Digital Native»-Marken, wie etwa Zalando oder BRACK.ch, die im Sinne einer Omni-Channel-Strategie auch stationär Fuss fassen möchten.

Händler sehen auch Nachteile von Pop-up-Stores

Diesen Vorteilen von Pop-up-Läden stehen aber auch gewichtige Nachteile gegenüber. So gab mehr als die Hälfte der befragten Händler an, dass die Pop-up-Stores keine nachhaltige Lösung darstellen und ihr hohes Kosten-Nutzen-Verhältnis ein Problem ist. Zwar sind die Mietkonditionen flexibler, dafür steigt jedoch der Koordinationsaufwand. Zudem sind Pop-ups überproportional in Stadtzentren und stark frequentierten Zonen anzutreffen. Auf dem Land oder in Aussenquartieren ist ihr Potenzial viel geringer. Dies deutet darauf hin, dass auch Pop-up-Läden nicht das Allheilmittel gegen leer stehende Verkaufsflächen sind.

Welche vor und nachteile haendler bei pop up stores sehen

Welche Vor- und Nachteile Händler bei Pop-up-Stores sehen

Anteile der Antworten in %, Mehrfachnennungen möglich
Quelle: Umfrage Fuhrer & Hotz

Wollen Sie mehr über die Lage im Schweizer Detailhandel erfahren?

Beratung vereinbaren This link target opens in a new window