Währungsabsicherung: wie ein Unternehmen mit Währungsrisiken umgeht

Flexibel auf Währungsrisiken reagieren. Geschäftserfolg erzielen.

Turbulenzen am Devisenmarkt können das Seilbahngeschäft ins Wanken bringen. Die Bartholet Maschinenbau AG weiss, wie viel Risiko sie tragen kann und wann sie lieber zur Währungsabsicherung greift – Verwaltungsratspräsident Roland Bartholet im Interview.

Im Jahr 1962 eröffnete Anton Bartholet in Flums eine kleine Werkstatt und tätigte in der Umgebung Reparaturen und Revisionen landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte. Schweizer Qualität, Innovation und Design führten das Unternehmen zu kontinuierlichem Wachstum. Heute setzt die Bartholet Maschinenbau AG Projekte weltweit um, darunter in China, Südkorea, Russland, Frankreich und Norwegen. Die Firma sieht sich infolgedessen mit zahlreichen Währungsrisiken konfrontiert.

Herr Bartholet, Ihr Vater hat damals den Einmannbetrieb gegründet. Heute beschäftigt die Bartholet Maschinenbau AG insgesamt über 300 Mitarbeitende und vertreibt ihre Produkte weltweit. Was ist das Erfolgsrezept Ihres Unternehmens?

Roland Bartholet*: Die stetige Weiterentwicklung der Produkte. Der wichtigste Faktor ist aber, dass wir hier sehr gute Fachleute vor Ort haben und motivierte Mitarbeitende beschäftigen können, die Veränderung unterstützen.

Ihre Sessel- und Seilbahnen sind sogar in Südkorea zu finden. Was war besonders spannend an diesen Projekten?

Südkorea ist eines der fortschrittlichsten Länder Asiens, etwa auf gleicher Höhe wie die Schweiz. Wir trafen hier auf sehr korrekte und gute Geschäftspartner. Genau deshalb ist es spannend, mit Südkorea zu arbeiten. Zudem entspricht das dortige Preisniveau etwa dem in der Schweiz. Das macht es umso attraktiver für uns, nach Südkorea zu exportieren.

Trotz der zahlreichen Auslandsprojekte wahren Sie den Hauptsitz in Flums. Was macht die Schweiz als Standort für Ihr Unternehmen attraktiv?

Die Marke «Swissness» ist weltweit der grösste Treiber für ausländische Kunden, etwas aus der Schweiz zu kaufen. Mit «Swissness» tragen wir den Ruf, dass wir präzise sind, sowohl in puncto Qualität wie auch bezüglich Lieferzeit. Von diesem guten Namen können wir zehren und diese Auszeichnung überwiegt dabei selbst den Nachteil, dass wir auf dem Markt eher teuer sind.

Haben Sie je daran gedacht, einen Teil Ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern?

Wir betreiben einige Produktionsstandorte in Polen, Frankreich und natürlich in China. Diese Standorte brauchen wir, um Handarbeiten zu fertigen, deren Ausführung in der Schweiz zu teuer wäre und sich so in Flums nicht rechnen würde.

Welche Bedeutung schreiben Sie den Auslandsprojekten gegenüber dem gesamten Geschäft der Firma zu?

Die Schweiz allein wäre für uns kein Markt, von dem wir leben könnten. Denn hier gibt es schlichtweg zu wenig Neuprojekte. Daher müssen wir uns auf dem Weltmarkt bewegen und schauen, wo gerade Hochkonjunktur ist. Wir wollen dort verkaufen, wo unsere Produkte gebraucht werden. Derzeit trifft das auf Asien zu.

In welchen Währungen agiert Ihr Unternehmen folglich am meisten?

Am liebsten in Schweizer Franken. Oder in Euro, da wir viel im Euroraum tätig sind. Es gibt aber auch öffentliche Ausschreibungen, die ihre Landeswährung fokussieren. Wir agieren deshalb oft auch in lokalen Währungen und müssen damit umzugehen wissen. Dementsprechend versuchen wir, die möglichen Währungsrisiken abzusichern.

Wie stark ist Ihr Unternehmen denn von Währungsrisiken betroffen?

Grundsätzlich möchten wir möglichst wenig Risiko eingehen. Das Mass der Währungs­risiken hängt bei unseren Projekten davon ab, in welcher Zeit wir das Geld erhalten. Bei einem Projekt von drei Monaten Dauer ist das einfacher einzuschätzen. Zieht sich ein Projekt über zwei bis drei Jahre, ist das Risiko hingegen relativ gross. Und zwar so gross, dass wir die Geschäfte teils auch ablehnen müssen. Währungsrisiken spielen also eine bedeutende Rolle beim Entscheid über die Umsetzung eines Projekts.

Vorausgesetzt, Sie nehmen einen Auftrag an, wie sichern Sie Ihre Auslandsgeschäfte ab?

Sofern wir ein Risiko feststellen, versuchen wir, dieses Risiko mittels Kompensations­geschäften im Land selbst abzudecken. So zum Beispiel in China, wo wir unsere Produkte in Renminbi Yuan verkaufen und gleichzeitig andere Produkte in Renminbi einkaufen. Das ist aber nicht immer möglich. Russland beispielsweise ist ein Land, das derzeit floriert, aber nicht bereit ist, in Euro zu zahlen. Wenn wir die Risiken beim russischen Rubel abdecken möchten, käme uns das endlos teuer. Zudem sind dies reelle Risiken, die schwierig zu kompensieren sind, da Russland für uns keine Produkte anbietet, mit denen wir ein Kompensationsgeschäft aufbauen könnten.

Wie haben Sie sich denn beim Russlandgeschäft entschieden?

Das Risiko zu tragen – und zwar als Unternehmen. Wir haben bei Russland keinerlei Währungsrisiken abgedeckt. Denn kurzfristig ist das kaum möglich. Jedenfalls nicht über die Zeitspanne, in der wir den Auftrag umsetzen sollten.

Weshalb nicht?

Das Projekt sollte innerhalb von sechs bis acht Monaten umgesetzt werden. Wenn wir für die Abklärungen und die Finanzierung allein aber schon zwei bis drei Monate brauchen, ist es zu spät, denn dann ist die Konkurrenz schneller. Daher mussten wir das Risiko als Unternehmen tragen. Es gibt aber durchaus Projekte und Währungen, bei denen wir auf die Dienstleistungen und Instrumente der Bank zurückgreifen.

Und wie unterstützt Sie die Credit Suisse in diesen Fällen bei der Währungs­absicherung?

Bei Geschäften in Euro sichern wir viel über die Bank ab. Beispielsweise so, dass wir Euro und Franken flexibel wechseln können und uns auf diese Weise die Liquidität nicht ausgeht. Bei den exotischen Währungen ist es hingegen schwieriger. Hier unter­stützt uns die Credit Suisse, indem wir Wechselkurse und Termingeschäfte anfragen können, bevor wir verbindliche Verträge unterschreiben. Teils können wir dann die Marge absichern, teils tragen wir das Risiko selbst.

Welche Instrumente der Bank nutzen Sie am häufigsten?

Wenn wir über die Bank absichern, dann nur mittels Termingeschäften.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit der Credit Suisse?

Unsere Ansprechpartner in der Beratung. Die Zusammenarbeit mit unserem Kunden­berater und den Spezialisten im Devisenhandel funktioniert sehr unkompliziert. Wir haben einen laufenden Austausch, denn unser CFO steht mit der Credit Suisse prak­tisch wöchentlich in Kontakt. Haben wir Fragen, erhalten wir zeitnah eine fundierte Antwort. Wir spüren so, dass die Bank sehr stabil unterwegs ist und Risiken stets prüft. Auf diese Erfahrung der Credit Suisse zählen wir gerne.

Das Seilbahngeschäft ist weltweit hart umkämpft. Wie schafft es Ihr Unternehmen, international wettbewerbsfähig zu bleiben?

Dank unseren Mitarbeitenden: Sie sind gewillt, für die Firma da zu sein, und erkennen, wie wichtig es ist, alles zu geben, damit die Produkte zeitgerecht und in hoher Qualität auf den Markt kommen. Man spürt, dass sie mit Herzblut dabei sind. Zudem arbeiten wir 43 Stunden anstatt der 36, die bei unseren nördlichen Nachbarn üblich sind. Das ist eine um 20 Prozent höhere Arbeitsleistung.

Welche Ziele verfolgt die Bartholet Maschinenbau AG für die Zukunft?

Wir fokussieren stark den urbanen Transport und wünschen uns, dass unsere Seil­bahnsysteme auch in dieser Sparte als wettbewerbsfähiges Produkt erkannt werden. Gerade in den Städten eignen sich Seilbahnen als Transportmittel besonders gut, da wir den Luftraum uneingeschränkt nutzen und so die Strassen entlasten können. Auch hinsichtlich der Investitionskosten sind Seilbahnsysteme durchaus konkurrenzfähig. Es liegt nun an der Politik, Seilbahnen auch neben der U-Bahn oder einer teuren Strassen­bahn als urbanes Transportmittel in Betracht zu ziehen.