Fabian Cancellara: «Manchmal muss man stürzen, um gestärkt daraus hervorzugehen»

Fabian Cancellara: «Manchmal muss man stürzen, um gestärkt daraus hervorzugehen»

Vom Sportler zum Unternehmer: Wie sich das Leben, die Prioritäten und Ziele verändern.

Der Ausnahmesportler Fabian Cancellara gewann im Laufe seiner Karriere von 2001 bis 2016 zwei olympische Goldmedaillen, vier Mal Gold bei den Weltmeisterschaften, das Radrennen Mailand-Sanremo, je dreimal die Flandern-Rundfahrt und Parigi-Roubaix, einmal Tirreno-Adriatico und eine Tour de Suisse und erhielt darüber hinaus zahlreiche weitere Auszeichnungen. Heute hat sich Fabian Cancellara von den Rennen zurückgezogen und ist Unternehmer geworden. Ausserdem ist er Botschafter der Laureus Stiftung Schweiz und arbeitet in Sportprojekten zur Unterstützung benachteiligter Jugendlicher in der Schweiz mit. Anlässlich des von der Credit Suisse organisierten Anlasses zur Bekanntmachung der Gründung des Unternehmerclubs «Club per imprenditori» im Tessin haben wir uns mit ihm unterhalten und seine unternehmerischen Seiten entdeckt.

Fabian, du bildest dich grad vom Sportler zum Manager weiter, was hat sich in deinem Leben verändert?

Fabian Cancellara: Die letzten Jahre habe ich eng an der Seite meines Managers verbracht, von dem ich viel gelernt habe. Dennoch stelle ich jeden Tag aufs Neue fest, dass ich noch viel zu lernen habe. Deshalb absolviere ich momentan einen Studiengang zum Thema Sportmarketing und -management an der Universität St. Gallen. Nach 16 Jahren Sportkarriere habe ich mich dazu entschlossen, meine Erfahrungen mit Sponsoren, Freunden und Fans zu teilen und einen Beitrag zur Welt des Sports zu leisten, zum Beispiel im Rahmen eines Triathlon-Projekts, das ich begleite. Heute führe ich ein geregelteres Leben und kann der Familie mehr Zeit widmen, auch wenn meine Weiterbildung und mein Unternehmen mich gut auslasten und viel Zeit beanspruchen. Wie im Sport bedarf es Einsatz, Durchhaltevermögen und Hingabe, damit es einem gelingt, seine Ziele zu erreichen.

Welcher Faktor spielt in deiner neuen Funktion als Unternehmer die grösste Rolle?

Auch im unternehmerischen Bereich – neben dem sportlichen – hat die Sicherheit für mich eine grundlegende Bedeutung. Heutzutage bedeutet Sicherheit, auf zuverlässige Mitarbeitende und Partner zählen zu können, die dich im Bedarfsfall unterstützen. Alleine erreicht man gar nichts: Nur wenn wir zusammenarbeiten, gelingt es uns, Projekte zu realisieren und Ziele zu erreichen.

Das gilt auch für eine Bank. Was erwartest du dir von deiner Bank?

Mit Sicherheit erwarte ich keine Renditen von 6, 7 oder 8 %! Auch wenn nichts unmöglich ist, muss man das Risiko einkalkulieren. Da ich auf Sicherheit setze, finde ich es wichtig, einen kompetenten, hilfsbereiten und zuverlässigen Ansprechpartner in der Bank zu haben, mit dem ich meine Projekte offen besprechen kann, der mir zuhört und mich zu Bankfragen berät. Ausserdem organisiert die Bank häufig Anlässe, die ich für das Networking und die Schaffung neuer Kontakte für sehr wertvoll halte.

Trotz sorgfältiger Vorbereitung können unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Wie gehst du damit um?

Im Laufe meiner sportlichen Karriere ist es vorgekommen, dass mir ein Sieg nicht gelang, wie beispielsweise in Mendrisio, dass ich Fehler gemacht habe oder gestürzt bin. Das lag an einem Übermass an Sicherheit, ich war mir meiner Sache zu sicher. Und tatsächlich, immer wenn ich mich nicht 100-prozentig sicher fühlte, bemühte ich mich umso mehr und erzielte bessere Resultate. So gesehen ist der Sport eine Schule fürs Leben, die dir dabei hilft, auch andere Tätigkeiten anzugehen. Als Unternehmer muss ich mir immer der Tatsache bewusst sein, dass unvorhergesehene Dinge eintreten – häufig, wenn du sie am wenigsten erwartest. Und dann musst du dich noch mehr ins Zeug legen. Fehler dienen auch dazu, daraus zu lernen und ständig besser zu werden. Manchmal muss man stürzen, um gestärkt daraus hervorzugehen.

Spürst du den gleichen Adrenalinspiegel wie im Sport?

Es ist eine andere Art von Adrenalin. Heute beziehe ich den Antrieb und die Energie dafür, jede neue Situation anzugehen, aus einer hohen Motivation. Es gibt noch keine konkreten Ergebnisse, aber ich sehe positive Entwicklungen, die mich dazu bringen, weiterzumachen. Im Sport sind natürlich der Instinkt und die Emotionen ausgesprochen wichtig. Im Unternehmen hingegen zählen die Zahlen: Es gilt, einen Geschäftsplan einzuhalten und im Bedarfsfall anzupassen. Aber man kann sich eben nicht nur auf seinen Instinkt verlassen, sondern muss sich vielmehr auf Daten, Analysen und konkrete Entwicklungen stützen.

Wie lautet dein Rezept für den Erfolg?

Man muss bereit sein, sich einzubringen und Opfer zu leisten. Im Sport habe ich viele Opfer gebracht, von der Ernährung bis hin zu der Tatsache, dass ich meine Familie über längere Zeit nicht sehen konnte. Im Unternehmen muss ich bereit sein, viel Zeit zu investieren, kontinuierlich dazuzulernen und mich zu verbessern, zuzuhören und am Ball zu bleiben. Ohne Einsatz und Opfer erreicht man nichts.