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Ein neuer Helfer bei der Feuerwehr. Leben retten mit Drohnen.

Eine fliegende Kamera für die Feuerwehr? Warum nicht, meint das Team von Fotokite. Erfahren Sie, woher das Unternehmen seine Inspiration für Produktinnovationen bekommt und wie das Start-up die Finanzierung sicherstellt – CEO Christopher McCall zu Unternehmertum und Start-up-Ideen.

Christopher McCall, Sie sind CEO von Fotokite. Was ist Fotokite? 

Christopher McCall*: Fotokite ist ein Start-up-Unternehmen mit Sitz in der Schweiz und den USA, das angebundene Luftbildkamerasysteme entwickelt, fertigt und unterstützt, die von Notfallteams verwendet werden. 

Können Sie etwas näher auf die Produkte eingehen, die Fotokite anbietet?

Unser Schwerpunkt liegt auf Tools zum Situationsbewusstsein für den Bereich der öffentlichen Sicherheit. Derzeit bieten wir die Produktlinie Fotokite Sigma an, ein in Fahrzeugen integriertes System, das von Rettungskräften eingesetzt werden kann und mit deren Fahrzeugen vernetzt ist. Sobald das System in der Luft ist, streamt es Wärmebilder und reguläres Videomaterial zum Boden, sodass beispielsweise Feuerwehrleute Gefahrenherde lokalisieren und Überlebende sehen können, die gerettet werden müssen. 

Das Besondere an der Fotokite-Drohne ist also, dass diese angebunden ist?

Nicht nur angebunden. Angebundene Systeme gibt es im Grunde schon seit längerem. Was unser Produkt auszeichnet, ist die Tatsache, dass Systeme von Fotokite vollständig autonom sind. Fotokite Sigma startet auf Knopfdruck, fliegt selbst und landet auch wieder auf Knopfdruck.

Faszinierend! Woraus nehmen Sie Ihre Inspiration für die Produktentwicklung?

Wesentlicher Ansporn ist für uns die Wirkung. Fotokite entwickelt Produkte, um Rettungskräfte in ihrer Mission zu unterstützen, Leben zu retten und Eigentum zu schützen. Dieses gemeinsame Ziel motiviert das ganze Team, ein wirkungsvolles Produkt zu schaffen und zu unterstützen, das einen sinnvollen Zweck erfüllt. Nachdem das «Warum» definiert war, konzentrierten wir uns auf das «Was».

Zunächst sahen wir uns den Markt für die öffentliche Sicherheit genau an, um die Bedürfnisse und die verfügbaren Lösungen zu ermitteln. Anschliessend suchten wir nach einer einzigartigen Methode, mit der wir Probleme anhand unserer Fähigkeiten als Team lösen konnten. Die Produktfeature-Entwicklung wird folglich häufig durch unsere Kunden bestimmt.

Doch wie entstand diese Idee der angebundenen Drohne? Warum überhaupt eine Drohne an der «Leine»?

Im Rahmen seiner Doktorarbeit an der ETH Zürich fand Sergei Lupashin heraus, dass ein Multikopter an einer festgebundenen Leine ziehen und dabei in einem geschlossenen Regelkreis seine eigene Position abschätzen kann. Dadurch benötigt die Drohne keinen Piloten mehr zum Fliegen, was den Zugang zu diesem Gerät gegenüber frei fliegenden Drohnen erleichtert. Das ist ein wichtiger Aspekt, durch den sich erhebliche technologische Barrieren in bestimmten Märkten überwinden lassen.

Von welchen Barrieren sprechen Sie?

Sicherheit ist bei jeder Art von Technologie entscheidend, die in Alltagsumgebungen eingesetzt werden soll. Wir haben dafür ein sehr sensibles Gespür. Aktiv angebundene Systeme können wesentlich sicherer gestaltet werden als herkömmliche Drohnen, da sie weder von Piloten noch von GPS-Signalen oder sonstigen nach aussen gerichteten Sensoren abhängig sind, die in komplexen und hochdynamischen Umgebungen ausfallen können.

Es bestehen auch einige grundsätzliche Einschränkungen in physikalischer Hinsicht, die sich mit intelligent angebundenen Systemen überwinden lassen, beispielsweise in Bezug auf die Flugdauer. Da das Gerät stets physisch an die Basisstation angebunden ist, kann es über die Kabelverbindung mit Strom versorgt werden. 

Ihre ersten Produkte verkauften Sie vor allem an Nachrichtendienste wie CNN in den USA oder BBC in Grossbritannien. Wie schafft es ein Schweizer Start-up, internationale Kunden anzusprechen? 

Wir hörten dem Kunden sehr diszipliniert zu, um alles vom Moment seiner Ankunft an einem Auftragsort bis zur Erledigung des Jobs zu erfahren. Wir befassten uns ausgiebig mit den Bedürfnissen der Kunden. Wenn man ein System entwickelt, das bei der Lösung eines fundamentalen Problems – eines Schmerzpunkts auf Kundenseite – wirklich hilfreich ist, dann spielt es keine Rolle, ob man ein kleines Schweizer Start-up oder ein grosser Konzern ist. Die grossen Player, egal ob international oder nicht, hören zu. 

Wir haben eine Kultur geschaffen, in der wir stolz hinter dem von uns entwickelten Produkt stehen. 

Christopher McCall, CEO von Fotokite

Was raten Sie anderen Jungunternehmern, die ihre Produkte im Markt bekannt machen möchten?

Eine Strategie zur Produktverbreitung basiert zum einen auf einer Entscheidung entsprechend der Unternehmenskultur und ist zum anderen branchenabhängig. Viele Unternehmer haben beispielsweise zu viel versprochen und konnten dann aufgrund der Komplexität der Produkte, die sie entwickeln wollten, nicht entsprechend liefern. Wir haben daraus gelernt und eine Kultur geschaffen, in der wir stolz hinter dem von uns entwickelten Produkt stehen.

Ansonsten kann ich nur raten, sich mehr damit zu befassen, an welchen Veranstaltungen und Ausstellungen die Kunden tatsächlich teilnehmen. Gelegenheiten zur Kontaktaufnahme sollten so wahrgenommen werden, dass nicht zu viel der eigenen Zeit verschenkt wird. 

Mit Fotokite Sigma fokussieren Sie nun eine neue Zielgruppe: und zwar Ersthelfer, wie Sie bereits erwähnt haben. Zu Beginn dieses Jahres sind Sie sogar eine Partnerschaft mit Pierce Manufacturing, dem weltweit grössten Löschfahrzeughersteller, eingegangen. Warum gerade dieses Kundensegment?

Einfach ausgedrückt: Mit dieser Anwendung kann eine grosse Wirkung erzielt werden, die wir im Rahmen einer Art alltagstauglichem System bereitstellen können. Wenn Feuerwehrleute und Ersthelfer während ihrer täglichen Einsätze Zugang zu Videoaufnahmen aus der Luft haben, erhöht dies dank verbessertem Situationsbewusstsein ihre Sicherheit vor Ort.

Zudem können sie im Nachhinein durch die Analyse von Schulungsaufnahmen ihre Weiterentwicklung und Zusammenarbeit beschleunigen. Das gibt einer ganzen Branche einen Schubs in die richtige Richtung, und wir freuen uns ausserordentlich, daran Anteil zu haben. Wenn möglich, sollte die Frage meiner Ansicht nach eher «Warum nicht?» lauten.

Ihr Unternehmen ist enorm gewachsen und sucht derzeit nach weiteren Mitarbeitenden. Wie haben Sie sich als Schweizer Start-up zu Beginn finanziert?

Fotokite sicherte sich den ersten Spin Fund Grant von NCCR überhaupt. Diese Förderung hat uns ganz am Anfang sehr geholfen. Kurz darauf erhielten wir Unterstützung von Sponsoren und Venture-Capital-Anlegern, die früh mit an Bord kamen. Seither haben wir immer wieder einige grossartige Investoren gewinnen können, die uns massgeblich dabei unterstützt haben, dahin zu kommen, wo wir jetzt sind. Dazu gehört auch die Credit Suisse Entrepreneur Capital AG unter der Leitung der Helvetica Capital AG. 

Die Frage, die sich Unternehmer meist stellen, lautet eher «Warum nicht?» als «Warum?».

Ich halte es für förderlich, Vorgehensweisen regelmässig zur Verbesserung oder Bewertung zu hinterfragen. Dank diesem Ansatz habe ich ein gutes Gefühl im Hinblick auf die Entscheidungen, die wir bezüglich der Entwicklung von vollständig zweckorientieren Produkten sowie kreativer Lösungen für neue und alte Probleme treffen. 

Der Wert liegt nicht nur in der Finanzinvestition selbst, sondern auch in den wertvollen Diskussionen, den Ideen, dem Netzwerk und den Beziehungen, die wir im Rahmen der Partnerschaft aufbauen. 

Christopher McCall, CEO von Fotokite

Wie wichtig sind Investoren wie die Credit Suisse Entrepreneur Capital AG für ein Start-up?

Sie sind äusserst wichtig. Der Wert liegt nicht nur in der Finanzinvestition selbst, sondern auch in den wertvollen Diskussionen, den Ideen, dem Netzwerk und den Beziehungen, die wir im Rahmen der Partnerschaft aufbauen. Start-ups unterscheiden sich anhand der Fähigkeiten ihres Teams, ihrer Vision und ihres einzigartigen Angebots. Bei den Investoren ist das nicht anders. Sie unterscheiden sich durch ihr Team und das, was sie bieten können, um Start-ups voranzubringen. 

Arbeitet das Team von Fotokite bereits an weiteren Innovationen?

Immer. In den nächsten Monaten stehen einige Ankündigungen an, und wir freuen uns schon sehr darauf, zeigen zu können, woran wir gearbeitet haben. 

Sie haben grosse Pläne für Ihr Unternehmen und möchten mehr Informationen zu Finanzierungslösungen? 

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