Corona-Krise: Wie sich Wirtschaft und Export aufs Danach vorbereiten

Die Welt wird volatiler. KMU müssen diversifizieren. 

Die Corona-Krise belastet die Schweizer Wirtschaft. Besonders stark trifft es KMU, die vom Export abhängig sind. Simone Wyss Fedele, CEO von Switzerland Global Enterprise (S-GE), spricht im Interview über die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen und die Welt nach COVID-19. 

Im Oktober haben Sie die Leitung bei S-GE übernommen und werden mit der Corona-Pandemie gleich auf die Probe gestellt. Waren Sie darauf vorbereitet?

Simone Wyss Fedele: Natürlich war es eine Herausforderung, nach nur drei Monaten in der neuen Funktion gleich eine solche Jahrhundertkrise angehen zu müssen. Meine Erfahrungen aus der Zeit bei Novartis, wo ich die Eurokrise managen durfte, und die Fähigkeiten meines Führungsteams ermöglichten uns als Organisation jedoch, die richtigen Entscheidungen zu treffen. So konnte S-GE die Krise als Chance nutzen, noch näher an die Kunden zu rücken, noch enger mit den Partnern zusammenzuarbeiten und die Krise gemeinsam als Team zu bewältigen. Es ist schön zu sehen, dass wir unseren Kunden in diesen herausfordernden Zeiten gemeinsam mit unseren Partnern einen Mehrwert bieten können.

Wie hat sich die Arbeit von S-GE seither verändert?

Die Arbeit hat sich in der Essenz nicht verändert: Nach wie vor unterstützen wir Schweizer KMU bei ihrem internationalen Geschäft und innovationsstarke aus­län­dische Unternehmen bei ihrer Ansiedlung in der Schweiz. Zudem richten wir weiterhin alle unsere Aktivitäten konsequent auf die Kundenbedürfnisse aus. Was sich infolge der Krise stark verändert hat, sind die Kundenbedürfnisse. Deshalb haben wir seit Krisenausbruch unsere Dienstleistungen, wo möglich, auf digitale und virtuelle Kanäle verlegt.

Welche Kundenbedürfnisse standen und stehen denn zurzeit im Vordergrund?

Am Anfang der Krise stand das akute Krisenmanagement im Zentrum. Liquidität und die Stabilisierung der Wertschöpfungsketten mussten sichergestellt werden. In der Zwischenzeit konnten viele Firmen in eine Aufholphase übergehen, in der sie sich neu orientieren: Wie sieht die Welt nach Covid-19 aus? Wie kann wieder Wachstum generiert und die Wertschöpfungskette optimiert werden? Entsprechend ist unser derzeitiger Fokus, KMU in dieser Aufholphase gemeinsam mit unseren Partnern möglichst effektiv zu unterstützen.

Sie sagen es: Zu Beginn der Krise war Liquidität entscheidend. Wie wichtig war diesbezüglich die Partnerschaft von S-GE mit der Credit Suisse?

Die Partnerschaft war und ist äusserst wertvoll. Im Rahmen der Covid-19-Überbrückungskredite war die Credit Suisse bei der Entwicklung einer unglaublich innovativen und effektiven Lösung beteiligt, die gerade auch für die Aussenwirtschaft sehr wichtig war. Für S-GE war es optimal, dass wir unsere Kunden bei den zahlreichen Anfragen, die wir zum Thema Liquidität erhielten, an einen kompetenten Partner weitervermitteln konnten. Das gilt auch für den Bereich der Absicherungsinstrumente, beispielsweise gegen Währungsrisiken, dessen Bedeutung infolge der Krise weiter zunehmen wird.

Die Welt nach Covid-19 wird in geschäftlicher Hinsicht eine völlig andere sein als jene, die wir vor der Krise kannten. 

Simone Wyss Fedele, CEO S-GE 

Verändern sich durch die Corona-Krise die Wertschöpfungsketten?

Um als Schweizer Firma konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die einzelnen Schritte in der Wertschöpfungskette dort erfolgen, wo sie am effektivsten umgesetzt werden können. Deshalb werden Wertschöpfungsketten global bleiben. Eine Lehre aus der Corona-Pandemie ist jedoch, dass Wertschöpfungsketten diversifizierter sein müssen. Die Firmen brauchen Ausweichmöglichkeiten. Grössere Firmen haben das schon länger umgesetzt. Für KMU kann das Thema Diversifikation hingegen eine Herausforderung sein. Deshalb begleiten wir unsere Kunden mit unserem Aussennetz in 31 Zielmärkten eng bei der Standortevaluation. 

Was denken Sie, wie wird die Welt nach Covid-19 aussehen?

Da eine vollständig freie Reisetätigkeit erst mit der Einführung eines Impfstoffs möglich sein wird, werden wir frühestens im Jahr 2021 wieder in eine normale Wachstumsphase eintreten. Die Welt nach Covid-19 wird in geschäftlicher Hinsicht eine völlig andere sein als jene, die wir vor der Krise kannten. Wertschöpfungsketten, Partnerstrukturen und Kundenbedürfnisse werden sich fundamental verändern. Viele Firmenkunden, aber auch Konkurrenten werden nicht mehr im Markt sein. Als Firma sollte man sich möglichst frühzeitig auf diese neue Welt vorbereiten. Unternehmen müssen sich überlegen, in welchen Märkten sie künftig aktiv sein möchten, mit welchen Partnern sie zusammenarbeiten wollen, welche Konkurrenten sie haben könnten und wie sie das eigene Geschäftsmodell auf die neuen Kundenbedürfnisse anpassen können. E-Commerce sowie digitale und virtuelle Dienstleistungen und Formate werden künftig sicherlich eine noch grössere Rolle spielen.

 

Wie wird sich die Corona-Pandemie auf die Globalisierung auswirken? Rückt die Welt zusammen oder noch stärker auseinander?

Kurzfristig erwarte ich, dass sich insbesondere der Trend zu mehr Protektionismus weiter verstärken wird. Dies vor allem in Form von nichttarifären Handelshürden, wie Exportsubventionen, die den Marktzutritt erschweren. Unternehmen müssen lernen, damit umzugehen, wobei S-GE unterstützen kann. Mittelfristig wäre ein Schub in Richtung einer engeren wirtschaftlichen Vernetzung für die Schweiz, die vom globalen Handel enorm profitiert, sehr zu begrüssen. Die Zukunft bleibt allerdings offen.

Wie gut haben Schweizer Unternehmen in der Krise reagiert?

Diese Frage können wir erst in einem Jahr beantworten. Denn Konkurse zeigen sich üblicherweise erst verzögert. Die Vergangenheit zeigt aber: Schweizer Firmen können gut mit Krisen umgehen und sind sehr agil. International erfolgreiche Schweizer KMU sind meist in einer Nische hoch spezialisiert und haben ein klares Alleinstellungs­merkmal. Ein solcher USP ist in Zeiten, die zunehmend von Protektionismus geprägt sind, noch wichtiger. Die Schweiz ist dank ihren Forschungsstätten und Unternehmen die innovativste Nation weltweit, wie unser Spitzenplatz im Global Innovation Index seit Jahren zeigt. Das stimmt mich zuversichtlich. 

Die Welt wird unsicherer und volatiler. Deshalb müssen KMU diversifizieren, um von verschiedenen Wachstumstrends zu profitieren. 

Simone Wyss Fedele, CEO S-GE 

Corona-Pandemie, Eurokrise, Finanzkrise – wir erleben volatile Zeiten. Was heisst das für KMU?

Dass Krisen zyklisch immer wieder auftreten, ist grundsätzlich normal. Seit einigen Jahren erleben wir jedoch zusätzlich zu den grösseren Krisen immer wieder Zwischenkrisen. Mit anderen Worten: Die Welt wird unsicherer und volatiler. Damit fehlt es den Unternehmen an Planungssicherheit. Deshalb müssen KMU in Szenarien denken, um jene Agilität zu gewinnen, die für einen Erfolg in unterschiedlichen Welten nötig ist. Und sie müssen diversifizieren, also in mehreren Märkten tätig sein, um von verschiedenen Wachstumstrends und unterschiedlichen Währungseinflüssen zu profitieren. Während grosse Firmen meistens Abteilungen haben, die sich mit Zukunftsszenarien und dem Thema Diversifikation beschäftigen, fehlen bei KMU oft Zeit und Ressourcen. Genau deshalb gibt es Partner wie S-GE, die KMU dabei unterstützen, in einer volatilen Welt international erfolgreich geschäften zu können.

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