Detailhandel Schweiz: Wachstumspotenzial im Online-Handel

Die Umsätze im Detailhandel stagnieren. Chancen bietet der Online-Handel.

Stagnierende Umsätze setzen dem Detailhandel in der Schweiz zu. Vor allem für stationäre Händler ist die Lage schwierig. Bessere Perspektiven bieten sich für Unternehmen, die stark auf E-Commerce setzen. Denn der Online-Handel bietet auch 2020 weiterhin gute Chancen für Wachstum.

Detailhandel in der Schweiz stagnierte 2019

2019 war insgesamt ein durchzogenes Jahr für den Schweizer Detailhandel. Die Konkurrenz durch den Online-Handel sowie die erhöhte Attraktivität des Einkaufstourismus belasteten das Geschäft. Zudem verharrte die Kaufkraft von Schweizer Konsumenten trotz einer stabilen Arbeitsmarktsituation in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Gestützt wurde der stationäre Detailhandel einzig durch das Bevölkerungswachstum.

Während der Food- und Near-Food-Bereich im vergangenen Jahr immerhin noch um 0,5 Prozent wachsen konnte, sanken die Umsätze im Non-Food-Bereich um 0,3 Prozent. Besonders das Bekleidungssegment leidet unter den schwierigen Marktbedingungen. Stationäre Modehändler verloren bedeutende Marktanteile an Online-Händler, in erster Linie an Zalando, und mussten einen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent hinnehmen. Sie leiden derzeit überaus stark unter dem fortschreitenden Strukturwandel im Detailhandel. Im Endeffekt resultierten daraus über die gesamte Branche stagnierende nominale Umsätze.

detailhandel in der schweiz leidet unter stagnation

Umsätze im Detailhandel in der Schweiz wuchsen 2019 nicht

Quelle: GfK, Credit Suisse

2019: Schätzung Credit Suisse

Der Online-Handel wächst in der Schweiz weiter

Dementgegen entwickelt sich das Online-Geschäft gut. Hier wachsen die Umsätze weiter. 2018 erwirtschafteten Online-Anbieter in der Schweiz mit 9,5 Milliarden Schweizer Franken fast doppelt so viel wie noch im Jahr 2010. Rund 80 Prozent davon generierten Schweizer Händler. Und die Tendenz bei den Online-Umsätzen zeigt weiter nach oben.

Grund dafür ist, dass ein immer grösserer Teil der Schweizer Bevölkerung das Internet täglich nutzt. Vor allem bei den über 60-Jährigen wächst die Zahl stark. Dementsprechend nimmt auch der Anteil der Bevölkerung zu, der online einkauft. Im Jahr 2017 gaben 72 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer an, in den letzten drei Monaten mindestens einen Online-Kauf getätigt zu haben. Damit hat die Schweiz den zweithöchsten Anteil an Online-Konsumenten in Europa.

E-Commerce hat in der Schweiz auch zukünftig Potenzial

Trotz der Tendenz zum Online-Shopping verzichten weiterhin viele Konsumenten in der Schweiz auf den Einkauf im Netz. Gemäss einer Umfrage von Eurostat bevorzugen 17 Prozent der Schweizer Kunden den Einkauf im stationären Geschäft. Aber auch andere Faktoren, wie beispielsweise lange Lieferzeiten oder Bedenken über die Sicherheit beim Bezahlvorgang, halten einige Konsumenten nach wie vor vom Online-Kauf ab. Für Online-Anbieter besteht somit durchaus noch Luft nach oben, vorausgesetzt jene Störfaktoren würden kundenfreundlicher ausgestaltet.

Der Schweizer Detailhandel steht wieder vor leichtem Wachstum

Für 2020 sind die Aussichten für den Schweizer Detailhandel wieder besser. Gemäss den Experten der Credit Suisse dürften das Bevölkerungswachstum und eine leichte Zunahme der Kaufkraft die Umsätze stützen. Dennoch, ein überdurchschnittliches Wachstum der Detailhandelsbranche ist nicht zu erwarten. Denn Schwächen im verarbeitenden Gewerbe und der starke Wechselkurs gegenüber dem Euro begrenzen weiterhin das Potenzial.

Insbesondere die stationären Händler des Bekleidungs- und Schuhsegments stehen unter starkem Druck. Sie müssen mit einem weiteren Rückgang der nominalen Umsätze um 5,0 Prozent rechnen. Für das gesamte Non-Food-Segment wird in der Summe deshalb ein weiterer Rückgang der nominalen Umsätze um 0,2 Prozent erwartet. Händler im Food- und Near-Food-Segment können optimistischer in die Zukunft blicken, hier dürften die Umsätze um 0,8 Prozent steigen. Zusammenfassend ergibt das für den Detailhandel in der Schweiz ein nominales Umsatz- respektive ein Preiswachstum von 0,4 Prozent und 0,3 Prozent.

non food segment mit umsatzminus 2020

Umsatzminus bei Non-Food belastet den Detailhandel in der Schweiz

Quelle: GfK, BFS, Credit Suisse

2019/2020: Schätzung/Prognose Credit Suisse