Schweizer Wirtschaft: durchzogene Konjunkturprognose für 2020

Die Schweizer Wirtschaft gewinnt auch 2020 kaum an Schwung

Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft dürfte 2020 mit 1,4 Prozent höher ausfallen als im Vorjahr. Das liegt auch am stabilen Arbeitsmarkt in der Schweiz. Doch die positive Konjunkturprognose wird durch sportliche Grossereignisse beeinflusst, welche die Entwicklung überzeichnen.

Schweizer Wirtschaft wächst 2020 stärker als im Vorjahr

Die Schweizer Wirtschaft ist im dritten Quartal 2019 überraschend stark gewachsen. Gegenüber dem Vorquartal betrug das Plus 0,4 Prozent. Das Wachstum war aber ungleich verteilt, denn für das positive Resultat sorgten fast ausschliesslich die boomende Pharmaindustrie sowie rekordhohe Stromexporte. Ansonsten expandierte die hiesige Wirtschaft nur schwach, die Investitions-güterindustrie schrumpfte sogar. Vor diesem Hintergrund muss die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) im Gesamtjahr 2019 auf 0,9 Prozent gesenkt werden.

Für 2020 präsentiert sich die Lage leicht besser. Die BIP-Wachstumsrate für das Gesamtjahr dürfte auf 1,4 Prozent steigen. Auch für die Investitionsgüterindustrie sieht es im nächsten Jahr wieder positiver aus. Ihre Lage dürfte sich stabilisieren. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Schweizer Industrie notiert mittlerweile nur noch knapp unterhalb der Wachstumsschwelle. Zudem gibt es Anzeichen für eine Stabilisierung der ausländischen Nachfrage. 

die industrieexporte duerften vom wachstum der schweizer wirtschaft profitieren

Die Industrieexporte dürften vom Wachstum der Schweizer Wirtschaft profitieren

Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Arbeitsmarkt in der Schweiz entwickelt sich solide

Getragen wird das Wachstum der Schweizer Wirtschaft auch weiterhin in erster Linie vom Privatkonsum. Denn die Arbeitnehmer schätzen ihre Arbeitsplatzsicherheit nach wie vor recht optimistisch ein. Und das nicht zu Unrecht, präsentiert sich die Arbeitsmarktlage hierzulande doch noch immer vergleichsweise robust.

So lag die Beschäftigung im dritten Quartal 2019 um 1,1 Prozent über dem Vorjahresniveau und damit auf einem Rekordstand. Zudem wurden gleichzeitig rund 10 Prozent mehr offene Stellen registriert als im Vorjahr. Das Wachstum beschränkt sich allerdings fast ausschliesslich auf den Dienstleistungs-sektor. Für die Industriebeschäftigung sind die Aussichten hingegen eher verhalten.

der schweizer arbeitsmarkt entwickelt sich solide

Der Schweizer Arbeitsmarkt entwickelt sich solide

Anzahl offener Stellen und Beschäftigung in Vollzeitäquivalenten, Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

Konjunkturprognose 2020 wird von Sport-Grossereignissen beeinflusst

Die Inflationsrate bleibt weiterhin sehr tief und dürfte 2020 auf 0,3 Prozent sinken. Im Gesundheitswesen und in der Kommunikation dürften die Preise sogar sinken. Hingegen sind in den Bereichen Verkehr, Freizeit und Kultur sowie Erziehung und Unterricht moderate Preisanstiege zu erwarten.

Der insgesamt leicht positive Ausblick für die Schweizer Wirtschaft ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Denn die Beschleunigung des zugrunde liegenden Wirtschaftswachstums dürfte im nächsten Jahr schwächer ausfallen, als es die Prognose suggeriert.

2020 finden nämlich die Olympischen Sommerspiele und die Fussball-Europameisterschaft statt. Da die für diese Ereignisse verantwortlichen Sportverbände IOC und UEFA ihren Sitz in der Schweiz haben, werden auch deren Einnahmen dem Schweizer BIP zugerechnet. Zwar dürften die beiden Grossereignisse alleine das Schweizer BIP-Wachstum um gut 0,3 Prozentpunkte gegenüber 2019 erhöhen. Doch die Wertschöpfung aus diesen Grossereignissen wird zum überwiegenden Teil ausserhalb der Schweiz generiert. Deshalb wirkt sich dieser Effekt nur marginal auf die hiesige Wirtschaft aus.