Fachkräftemangel: Schweizer KMU setzen auf Personalentwicklung

Der Fachkräftemangel ist Realität. Schweizer KMU versuchen Gegensteuer zu geben.

Der Fachkräftemangel ist für viele Schweizer KMU eine harte Realität. Die aktuelle KMU-Studie der Credit Suisse untersucht, wie gross die Rekrutierungsschwierigkeiten für hiesige Unternehmen sind und mit welchen Strategien in der Personalentwicklung sie gegen den Mangel ankämpfen.

Der Fachkräftemangel macht Schweizer KMU zu schaffen

Gute Mitarbeitende sind für Unternehmen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Doch die Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte stellt viele Firmen hierzulande vor Probleme. Zwei Drittel der rekrutierenden KMU hatten in den vergangenen drei Jahren Mühe, offene Stellen mit geeigneten Kandidaten und Kandidatinnen zu besetzen. Das ergab die diesjährige KMU-Studie der Credit Suisse.

Die Umfrage bei 800 KMU zeigt, dass von einer Entspannung auf dem Rekrutierungsmarkt nicht die Rede sein kann. Im Gegenteil: Die Mehrheit der befragten Unternehmen erwartet, dass die Suche nach geeigneten Mitarbeitenden künftig schwieriger wird. Zum einen wird die demografische Entwicklung in den kommenden Jahren zu einem Anstieg bei den Pensionierungen führen, was zusätzliche Personallücken aufreissen dürfte. Zudem schafft die Digitalisierung neue Anforderungsprofile, was die Suche nach passenden Mitarbeitenden erschwert.

Zu guter Letzt dürfte auch die Flexibilisierung der Arbeit die Personalsuche beeinflussen. Neue Arbeitsmodelle setzen sich immer mehr durch, und viele Mitarbeitende erachten sie mittlerweile als Selbstverständlichkeit. Deren Umsetzung ist jedoch nicht überall gleichermassen möglich. KMU, die beispielsweise dem Wunsch nach Homeoffice-Lösungen nicht nachkommen können, dürften daher im Vergleich zur Konkurrenz an Attraktivität verlieren.

Kleine Unternehmen leiden stärker unter dem Fachkräftemangel

Künftiger Fachkräftebedarf: Drei Trends im Fokus

Anteil Antworten auf die Frage, inwiefern den folgenden Aussagen zugestimmt wird, in %

Source : Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2021/2022

Unternehmen setzen auf Weiterbildung

Das Schweizer Bildungssystem mit seinen vielfältigen Bildungswegen geniesst bei einem Grossteil der KMU einen guten Ruf. 76 Prozent sind überzeugt, dass es gut oder sehr gut auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Dennoch muss es sich mit den veränderten Anforderungen an Arbeitskräfte weiterentwickeln. So sind 58 Prozent der Unternehmen der Meinung, dass das Bildungssystem einen stärkeren Fokus auf das Erlernen von allgemeinen Kompetenzen – sogenannten «Soft Skills» - legen sollte, anstatt auf die Vermittlung von reinem Fachwissen. Zudem sind 45 Prozent der KMU der Auffassung, dass die Ausbildungsinhalte dem Wandel der Wirtschaft hinterherhinken.

Viele Unternehmen haben auch bereits selbst Schritte unternommen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Beispielsweise mit Weiterbildungen für Mitarbeitende. 93 Prozent aller KMU bieten ihren Mitarbeitenden mindestens eine Weiterbildungsmöglichkeit an. Die Motive der Unternehmen für das Anbieten von Weiterbildungen sind vielfältig. So gaben 77 Prozent von ihnen an, dass sie Weiterbildung anbieten, weil sie spezifische Fähigkeiten auf dem Markt nicht finden. Neben dem Schliessen unmittelbarer Kenntnislücken erfüllt die Weiterbildung auch viele langfristigere Punkte im Zusammenhang mit Personal- und Rekrutierungsfragen. Jeweils rund 90 Prozent der KMU gaben an, dass die Weiterbildung die Attraktivität des Unternehmens erhöht, die Produktivität der Mitarbeitenden steigert und letztlich auch zur Mitarbeiterbindung beiträgt.

Schweizer KMU sehen viele Vorteile in der betrieblichen Weiterbildung

Schweizer KMU sehen viele Vorteile in der betrieblichen Weiterbildung

Anteil der Antworten* auf die Frage, inwiefern den folgenden Aussagen im Zusammenhang mit den Motiven der betrieblichen Weiterbildung zugestimmt wird, in %

* Nur Unternehmen, die tatsächlich auch Weiterbildung anbieten

Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2021/2022

Hürden der Weiterbildung

Bei der Umsetzung der betrieblichen Weiterbildungsangebote stehen viele KMU jedoch vor gewissen Hürden. Für zwei Drittel der befragten Unternehmen stellt beispielsweise die fehlende Zeit für die Freistellung der Mitarbeitenden zumindest ein gewisses Hindernis dar. Ebenso schränken das mangelnde Interesse der Mitarbeitenden und fehlende interne Kapazitäten für die Organisation der Weiterbildung mehr als die Hälfte der Unternehmen ein.

Hier zeigen sich Grössennachteile für kleinere Unternehmen. So fällt der Zeitmangel für die Planung und die Durchführung von Weiterbildungen bei Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden viel stärker ins Gewicht als bei grösseren KMU. Es ist daher auch nicht überraschend, dass sich unter den KMU, die überhaupt keine Weiterbildung anbieten, überdurchschnittlich viele Mikrounternehmen befinden.
 

Die Hürden der betrieblichen Weiterbildung für Schweizer KMU

Die Hürden der betrieblichen Weiterbildung für Schweizer KMU

Anteil der Antworten auf Frage, inwiefern die nachfolgenden Punkte beim Angebot von Weiterbildungsmassnahmen eine Einschränkung bedeuten, in %

Quelle: Credit Suisse KMU-Umfrage 2021/2022

Talentförderung im Unternehmen hilft gegen den Fachkräftemangel

Neben Weiterbildungsangeboten sind auch die Identifizierung und die Förderung von internen Talenten ein wichtiger Bestandteil der Personalentwicklung. Insbesondere für Unternehmen, in denen viele ältere und erfahrene Mitarbeitende kurz vor der Pensionierung stehen, kann durch die Weitergabe von Wissen an die nächste Generation wichtiges Know-how im Unternehmen erhalten werden.

Mehr als die Hälfte der befragten KMU gaben in diesem Zusammenhang an, dass sie unternehmensinterne Talente bei der Besetzung von Führungspositionen immer bzw. mehrheitlich bevorzugen. Das bringt verschiedene Vorteile mit sich: Neben Kosten- und Zeitersparnis bei der Rekrutierung und einer kürzeren Einarbeitungszeit haben interne Beförderungen auch einen positiven Einfluss auf die Motivation der Mitarbeitenden, da ihnen dadurch Aufstiegschancen signalisiert werden. Insofern kann die Nachwuchsförderung zur Mitarbeiterbindung beitragen und damit ein Instrument gegen den Fachkräftemangel sein.

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