Klaus Ackerstaff, CEO von Datamars SA und Sura Fini Di Pietro, Kundenberaterin bei der Credit Suisse in Lugano im Gespräch.

Datamars SA: Komplexe Finanzierungen klug geplant

Das Tessiner Unternehmen Datamars SA ermöglicht mit der RFID-Technologie (radio-frequency identification) die Identifikation von Haustieren, Wäscherei-Textilien und Nutztieren. Der neue Bereich «Nutztiere» ist derzeit in raschem Wachstum begriffen. Dessen Finanzierung ist selbst für die erfahrene Credit Suisse Kundenberaterin Sura Fini Di Pietro nicht alltäglich, wie sie im Doppelinterview mit Datamars CEO Klaus Ackerstaff aufzeigt.

Datamars und die Credit Suisse pflegen seit 30 Jahren eine Geschäftsbeziehung. Vor etwa 10 Jahren wurde diese Beziehung hart auf die Probe gestellt, obwohl Datamars schon damals unangefochtener Weltmarktführer in den Bereichen Haustiere und Textilien war. Worum ging es genau, Herr Ackerstaff?

Klaus Ackerstaff (KA): Sie sprechen auf das Patent-Verfahren an, das wir 2006 in den USA durchstehen mussten. Ich hatte in dieser Zeit gerade bei Datamars angefangen. Technisch gesehen waren wir pleite, weil die Anwaltsrechnungen in den USA unendlich hoch waren. Die Bank hätte uns ohne Probleme fallen lassen können. Die Credit Suisse hat uns in dieser Situation aber sehr unterstützt.

Auf welche Weise tat sie das?

KA: Indem sie uns beispielsweise im Tagesgeschäft über die Runden half. Ohne die gewährte Flexibilität auf unserem Kontokorrent hätten wir bei den Lohnzahlungen mehr als einmal Mühe gehabt...

Frau Fini Di Pietro, Sie waren damals schon Kundenberaterin bei der Credit Suisse und betreuten damals Datamars. Wie erlebten Sie diese Phase?

Sura Fini Di Pietro (SF): Ich bin seit 17 Jahren Kundenberaterin bei der Credit Suisse und habe von Anfang an auch Datamars betreut. Ich kannte das Unternehmen also schon länger. Als dann diese Forderungen aus den USA kamen, analysierten wir gemeinsam mit Datamars die Situation und es war klar: Das Geschäft lief sehr gut, die Produkte hatten eine Zukunft, Datamars besass ein gutes Management und Ideen für die Zukunft – deshalb machte es absolut Sinn, dieses Unternehmen zu unterstützen und die nötige Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Verantwortlichen waren ja sehr bestrebt, eine Lösung zu finden.

Wie sah diese Lösung aus und wie schaffte Datamars es schliesslich wieder, schwarzen Zahlen zu schreiben?

KA: Dafür waren ganz unterschiedliche Massnahmen verantwortlich. Zuerst einmal benötigten wir Kapital, um zu überleben. Dieses kam von einem externen Schweizer Investor. Anschliessend holten wir neue Shareholder an Bord, es gab eine Neuorganisation.
SF: Wie sich dieses Unternehmen in den letzten Jahren gemausert hat, finde ich beeindruckend: Als ich bei der Credit Suisse anfing, war Datamars eine kleinere Firma und die Bankbeziehung noch nicht sehr eng. Die Bedeutung unserer Beziehung wuchs parallel mit der Grösse des Unternehmens. Datamars hat heute zehnmal mehr Mitarbeiter als damals und Standorte auf jedem Kontinent. Als Kundenberaterin habe ich mit Datamars immer wieder in verschiedenen Bereichen dazugelernt; das war auch für mich aussergewöhnlich.

Welche Bereiche waren das? Was lernten Sie von diesem Unternehmen?

SF: Erst einmal lernte ich über Datamars mit der RFID-Technologie Produkte und einen Markt kenne, die mir bis dato unbekannt waren. Aber auch auf Bankseite sah ich viel Neues, denn Datamars benötigte manchmal sehr spezielle Banklösungen, die wir im Tessin nicht jeden Tag anbieten. Es ging grösstenteils um umfassende Finanzierungen: Datamars hat im letzten Jahrzehnt zehn Akquisitionen getätigt. Erst waren es kleinere Firmen und dann immer grössere. Solche Themen sind komplex, das wickle ich natürlich nicht ohne Hilfe ab. Da kommen unsere Fachleute aus Zürich hinzu, beispielsweise von Structured Finance. Das Volumen der letzten Transaktion war so umfangreich, dass es selbst die Credit Suisse nicht mehr alleine finanzieren konnte. Deshalb haben wir einen Syndication Loan vorgeschlagen, auf deutsch ein Konsortialkredit. Damit wird ein Kredit auf mehrere Geldinstitute verteilt. Die Federführung lag aber bei uns.
KA: Es geht ja nicht darum, dass die Credit Suisse für eine solche Finanzierung zu wenig Kapital hätte, aber das Klumpenrisiko wäre zu hoch gewesen, deshalb der Syndication Loan. Auch für Datamars war es mehr als eine Finanzierung. Sie ging einher mit einer weiteren Neustrukturierung des Unternehmens mit neuen Shareholdern. Unsere Aktionäre davor waren kleiner, es bestand das Risiko, dass ihnen bei einer grösseren Akquisition die Luft ausgegangen wäre. Wir benötigten einen Teilhaber, der mehr Power hat und langfristig dabei bleiben kann. Diesen fanden wir in einer kanadischen Pensionskasse. Gleichzeitig haben sich viele der alten Investoren auch wieder beteiligt. Im Rahmen dieser Finanzierung haben wir entschieden, auch bei der Bank einen gewissen Verschuldungsgrad einzugehen – mit der Credit Suisse als Partner.
SF: Datamars hat sich damit auf ein weiteres, umfangreicheres Wachstum ausgerichtet und vorbereitet.

Ist dieses Wachstum schon konkret geplant?

KA: In dem Vertrag, den wir mit der Credit Suisse abgeschlossen haben, sind kommende Akquisitionen im Grunde mit inbegriffen. Es sieht so aus, dass unsere nächste Übernahme ungleich grösser sein wird als alles Bisherige. Und möglicherweise muss es dann sehr schnell gehen; da wollen wir gut vorbereitet sein. Deswegen haben wir mit verschiedenen Banken gesprochen, uns aber erneut für die Credit Suisse entschieden, weil das Angebot gut war und unser Management mit der Bank zufrieden ist. Wenn wir morgen also eine Akquisition machen, haben wir übermorgen das Geld auf dem Tisch (lacht mit Blick zu Sura Fini Di Pietro).
SF: (lacht und wird gleich wieder ernst) Das stimmt schon in etwa so. Die Konditionen sind festgelegt. Auch diese Lösung finde ich recht unkonventionell und typisch für Datamars: Bei der nächsten Akquisition werden wir nicht bei Null beginnen. Der Prozess ist bereits aufgegleist mit den Bedingungen und allem, was dazu gehört. Ich bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung.
KA: Mit jährlichen 25 Prozent mehr Umsatz und 30 Prozent höherem Profit befinden wir uns natürlich in einer komfortablen Verhandlungssituation. Aber wir wissen alle: Es werden auch wieder andere Zeiten kommen und dann zeigt sich, wie dauerhaft eine Bankbeziehung ist. Die Credit Suisse hat uns in dieser Hinsicht aber schon einmal ihre Konstanz bewiesen.