Überbrückungskredit: steuerliche Aspekte zum COVID-19-Kredit

COVID-19-Kredite für Unternehmen. Acht Antworten zu steuerlichen Fragen.

Durch die Corona-Krise erleiden viele Unternehmen einen akuten Umsatzrückgang und stehen daher vor Liquiditätsproblemen. In der Folge greifen sie auf die vom Bund verordneten Unterstützungsmassnahmen zurück. Was es dabei zu beachten gilt – acht wichtige Fragen im Fokus.

 

Gewährung von Überbrückungskrediten

Gemäss der am 25. März 2020 vom Bundesrat verabschiedeten «Notverordnung zur Gewährung von Krediten mit Solidarbürgschaften» werden Unternehmen, die von den Folgen des Coronavirus betroffen sind, verbürgte Überbrückungskredite von bis zu 10 Prozent ihres Umsatzes, beziehungsweise maximal 20 Millionen Schweizer Franken, zur Verfügung gestellt. Die Credit Suisse hat sich aktiv an dieser Verordnung des Bundes beteiligt und in der Folge zahlreiche Kredite gesprochen, um die Schweizer Wirtschaft effektiv zu unterstützen.

Im Zusammenhang mit den vom Bund verordneten Massnahmen gibt es einiges, was Unternehmerinnen und Unternehmer beachten sollten, wenn sie einen COVID-19-Kredit beantragen oder bereits aufgenommen haben. Dabei sind steuerliche Aspekte sowie der Blick in die Zukunft zentral. Im Folgenden beantworten wir acht Fragen zu steuerlichen und rechtlichen Themen, die uns immer wieder gestellt werden.

1) Gibt es hinsichtlich Steuerforderungen Massnahmen zur Schonung der Liquidität?

Bereits in «normalen» Zeiten konnten Unternehmen bei Zahlungsschwierigkeiten Gesuche um Stundung bzw. Ratenzahlung von Steuerforderungen stellen. Im Zusammenhang mit COVID-19 haben nun diverse kantonale Steuerämter sowie die Eidgenössische Steuerverwaltung (EStV) kommuniziert, dass sie solche Gesuche «wohlwollend» und speditiv behandeln werden. Es empfiehlt sich daher, diese Möglichkeit im Einzelfall zu prüfen und allenfalls entsprechende Gesuche einzureichen. Die Hürde für Steuererlass-Gesuche bleibt unverändert hoch.

2) Welche Entlastungen bieten die Sozialversicherungen?

Im Bereich des BVG hat der Bundesrat beschlossen, dass Unternehmen vorübergehend auch den «Arbeitnehmer»-Beitrag aus der Arbeitgeberbeitragsreserve bezahlen können. Das Unternehmen muss die Pensionskasse schriftlich informieren, falls es von dieser Möglichkeit Gebrauch machen will. Für Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV/EO/ALV) werden Stundungen gewährt. Firmen können zudem die regelmässigen Akontobeiträge reduzieren lassen, wenn die Lohnsumme des Unternehmens wesentlich gesunken ist.

Für die Bezahlung von Sozialversicherungsbeiträgen haften die Organe einer Unternehmung (insbesondere der Verwaltungsrat und die Geschäftsführung) subsidiär persönlich.

3) Darf ich mir von meinem Unternehmen eine Dividende auszahlen oder ein Darlehen gewähren lassen?

Nein. Solange der COVID-19-Kredit besteht, sind weder Dividendenausschüttungen noch die Gewährung eines zusätzlichen Aktionärsdarlehens möglich (Ausnahme siehe unter Ziffer 4). Durch diese Einschränkungen wie auch durch die generellen Herausforderungen im Liquiditätsbereich wird die bisherige «Bezugsstrategie» eines Unternehmers – das Zusammenspiel von Lohn, Dividende und Vorsorge – vielfach in Frage gestellt. Bestehende Planungen sind vor dem Hintergrund der aktuellen Situation und der wirtschaftlichen Möglichkeiten zu überdenken und allenfalls anzupassen.

4) Was bedeutet das Ausschüttungsverbot für kürzlich erfolgte Unternehmensnachfolgen?

Aufgrund der unter Ziffer 3 erwähnten Einschränkung sind auch im Rahmen einer Nachfolgelösung vorgesehene Dividendenausschüttungen an eine Akquisitionsgesellschaft (Muttergesellschaft) nicht zulässig, solange der COVID-19-Kredit besteht. Gemäss einer Ausnahmeregelung kann eine Mittelzuführung immerhin als «Aktivdarlehen» erfolgen. Dies jedoch nur, soweit die Akquisitionsgesellschaft diese Mittel ausschliesslich für vorbestehende Zinszahlungspflichten und (ab 1.1.2021) für vorbestehende Amortisationspflichten verwendet. Ein solches Aktivdarlehen kann allerdings diverse zivil- und steuerrechtliche Fallstricke bergen, die vorgängig zu prüfen sind (insbesondere Praxis zu simulierten Darlehen).

5) Welche Auswirkungen hat das Ausschüttungsverbot auf zukünftige Nachfolgelösungen?

Die oben erwähnte Ausnahme für Aktivdarlehen bezieht sich auf bereits bestehende Finanzierungsstrukturierungen. Für zukünftige steueroptimierte Nachfolgelösungen, die über eine Akquisitionsgesellschaft strukturiert sind, ist daher frühzeitig mit der Bank eine vorgängige Rückführung bzw. Umschuldung des COVID-19-Kredites zu besprechen.

6) Sind aus steuerlicher Sicht Rückstellungen aufgrund der Folgen von COVID-19 möglich?

Hier besteht zurzeit keine schweizweit einheitliche Lösung. Während EXPERTsuisse die COVID-19-Pandemie für den Jahresabschluss per 31.12.2019 als ein nicht buchungspflichtiges Ereignis qualifiziert, haben einzelne kantonale Steuerverwaltungen (z. Zt. Aargau, Thurgau, Wallis und Zug) mitgeteilt, dass von den Folgen der Pandemie betroffene Unternehmen entsprechende Rückstellungen in der Jahresrechnung bzw. in der Steuerbilanz 2019 ausweisen dürfen. Die Ausgestaltung dieser gewinnmildernden «Corona-Rückstellungen» ist nicht einheitlich und muss im Einzelfall geprüft werden.

7) Welche steuerlichen Auswirkungen haben Sanierungsmassnahmen bzw. mögliche zukünftige Forderungsverzichte?

Kann der COVID-19-Kredit innert Frist nicht vollständig zurückgeführt werden, tritt ein Sanierungsfall ein. Dabei sind die einzelnen Sanierungsinstrumente (z. B. Forderungsverzicht, Kapitalherabsetzung) gewinnsteuerlich richtig zu qualifizieren. Grundsätzlich ist zwischen steuerwirksamen und steuerneutralen Erträgen aus Sanierungsleistungen zu unterscheiden. Im Weiteren sieht das Steuerrecht vor, dass echte Sanierungserträge zeitlich unbeschränkt mit Verlusten aus den Vorjahren verrechnet werden dürfen. Die Prüfung im Detail ist rechtzeitig an die Hand zu nehmen.

8) Wie kann mich die Credit Suisse weiter unterstützen?

Ihr Kundenberater kann Sie in den oben genannten Fragestellungen begleiten und bei Bedarf unsere erfahrenen Steuerexperten im Bereich Unternehmenssteuerrecht für den Dialog beiziehen.