Codec: hochpräzise Drehmaschinen im Val-de-Ruz

Was haben ein Scheibenwischer und ein Hörgerät gemein? In beiden können sich winzige Metallteile befinden, die von der Gesellschaft Codec SA im Val-de-Ruz produziert wurden. CEO Michel di Bernardo, erklärt den Erfolg des Unternehmens mit zwei Schlüsselwörtern: Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen.

Die Codec SA produziert Metallteile im Mikrobereich, das heisst, mit Abmessungen von weniger als 6 Millimetern. Was fasziniert Sie an diesen kleinen Teilen?

Ich erinnere mich gut an den Tag vor 30 Jahren, an dem ich zum ersten Mal die Fabrikhalle betrat: Ich sah, wie diese winzigen Teile aus Messing oder Stahl mithilfe von Öl endlos aus den Maschinen gespült wurden. Das fasziniert mich noch heute. Es ist eine enorme Herausforderung, bei Produktionszahlen von 1200 Millionen Teilen jährlich die Toleranzen einzuhalten und stets eine einwandfreie Qualität sicherzustellen.

Michel Di Bernardo, CEO, Codec AG

«Unternehmer zu sein bedeutet auch, Erfolge mit anderen teilen zu können.» Im Gegenzug ist Michel Di Bernardo die individuelle Verantwortung seiner Mitarbeitenden sehr wichtig.

In welchen Alltagsprodukten finden sich von Codec produzierte Teile?

Sie sind Bestandteile von Hörgeräten, man findet sie in der Luftfahrt, in Haushaltsgeräten wie elektrischen Zahnbürsten oder Rasierapparaten, aber auch in Kettensägen oder in Autos, genauer gesagt u. a. in Scheibenwischern oder der Lenkung.

Die Codec SA feiert ihr 50-jähriges Bestehen, Sie selbst sind seit zehn Jahren an der Unternehmensspitze. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Wir blicken auf eine aussergewöhnliche Unternehmensgeschichte zurück – von der Firmengründung durch Francis Jeanneret bis zur heutigen Zeit, in der mein Geschäftspartner Jean-Daniel Costantini und ich dieses Unternehmen seit nunmehr zehn Jahren gemeinsam leiten. Wir haben Wendepunkte zur rechten Zeit erkannt und erfolgreich von Mechanik auf Elektronik umgestellt. Das hochpräzise Mikro-Automatendrehen mit Escomatic-Maschinen ist ein Nischenmarkt, in dem wir heute zu den fünf Weltmarktführern zählen.

Was war die grösste Herausforderung, die Sie bis jetzt als Unternehmer zu meistern hatten?

Das war die Übernahme des Unternehmens gemeinsam mit Jean-Daniel Costantini. Heute sind wir stolz, unsere Ziele so erfolgreich umgesetzt zu haben. Entscheidend war dabei das Vertrauen unserer Mitarbeitenden, ebenso der Kunden und der Banken, insbesondere der Credit Suisse.

Welche Kriterien sind Ihnen bei der Auswahl eines Bankpartners wichtig?

Die Chemie muss stimmen und die Bank muss echtes Interesse an unseren Tätigkeiten zeigen. Dass das so ist, stellten wir bei der Credit Suisse schon bei der Unternehmensübernahme durch das Management fest. Und unser Berater kennt sich nicht nur in der Industrie gut aus, sondern ist auch mit den Prozessen vertraut und weiss, was für uns wichtig ist.

Wie zeigt sich das? Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Jahr 2015 machte uns unser Berater auf ein grossartiges Produkt aufmerksam, um die Probleme infolge des Kurseinbruches abzufangen und unsere Währungsrisiken abzusichern. Ausserdem schätze ich es sehr, einen einzigen Bankpartner für geschäftliche wie auch private Belange zu haben. Dies mag vielleicht riskant klingen, doch für mich ist es ein enormer Zeitgewinn. Auf diese Weise kann ich den Cashflow leichter lenken und Steuer- und Anlageprobleme besser beurteilen. Die Voraussetzung dafür ist natürlich ein gutes Vertrauensverhältnis.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie von Vertrauen sprechen ...

Seinen Partnern vertrauen zu können, ist als Unternehmer essentiell. Bei der Credit Suisse stellte sich das Gefühl von Vertrauen quasi sofort ein. Das hängt zum einen mit den persönlichen Beziehungen zusammen, aber auch mit der Unternehmenskultur und schliesslich mit den getroffenen Entscheidungen, die sich ausgezahlt haben.

Vertrauen geht oftmals mit Verantwortung einher, gerade als Arbeitgeber. Welchen Stellenwert hat die Codec SA für die Region?

Die Codec SA war schon immer im Val-de-Ruz ansässig, und unsere Beschäftigten wohnen hauptsächlich in dieser Region. Ausserdem verwenden wir Maschinen, die ebenfalls in der Gegend produziert werden, nämlich in der Escomatic-Fabrik in Les Geneveys-sur-Coffrane. Wir tragen also natürlich Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden wie auch gegenüber dem regionalen Industriesektor. Allerdings sehe ich die Verantwortung nicht als Einbahnstrasse. Wir können auf ein grossartiges Team von 125 Mitarbeitenden zählen; die meisten sind seit vielen Jahren bei uns. Mir fällt immer wieder das grosse Verantwortungsbewusstsein auf, das unsere Mitarbeitenden auszeichnet. Es ist der Schlüssel für uns, um wettbewerbsfähig zu produzieren. Durch diese ständige Wachsamkeit gelingt es uns, den aktuellen Entwicklungen immer einen Schritt voraus zu sein und einen Blick für die Dynamik von Morgen zu haben.

Zeichnen sich zurzeit wichtige Entwicklungen ab?

Kürzlich haben wir eine grundlegende Entscheidung im Bezug auf eine wichtige Entwicklung getroffen. Wir werden im unteren Teil des Dorfes einen neuen Industriekomplex errichten, der für unsere Zukunft von Bedeutung sein wird. Die Kosten waren für uns enorm, aber wir haben eine Finanzierungslösung gefunden, die sich aus Eigenkapital und einer langfristigen Unterstützung seitens der Credit Suisse zusammensetzt. Es beginnt ein neues Abenteuer, und die gesamte Belegschaft ist sehr motiviert, sich den Herausforderungen zu stellen.