Die neuen BVG-1e-Pläne eröffnen Anlegern interessante neue Optimierungsmöglichkeiten

Die neuen BVG-1e-Pläne eröffnen Anlegern interessante neue Optimierungsmöglichkeiten

Seit Oktober 2017 bestehen für Unternehmer neue Möglichkeiten zum optimierten Vermögensaufbau anhand der sogenannten BVG-1e-Pläne. Diese geben den Anlegern und Unternehmen neue Freiheiten in der Gestaltung ihrer Vorsorge. Andreas Arni, Leiter Entrepreneurs & Executives, im Interview über Vor- und Nachteile der 1e-Pläne.

Bis vor Kurzem waren 1e-Pläne bei der Vermögensplanung für Unternehmer kein relevantes Thema. Nun rücken sie plötzlich ins Zentrum des Interesses. Weshalb?

Das Vorsorgevermögen war schon immer die meist privilegierte Vermögensmasse der Unternehmer – sowohl aus steuerlicher Sicht als auch wegen dem Konkursprivileg. Per 1. Oktober 2017 hat der Gesetzgeber die 1e-Pläne neu geregelt. Im 1e-Bereich ergeben sich damit neue, taktische Vorteile für die Unternehmer.

Andreas Arni

Dr. Andreas Arni, Leiter „Entrepreneurs & Executives“ der Credit Suisse (Schweiz) AG

„Wir betrachten die Situation des Unternehmers ganzheitlich.“

Welches sind denn diese neuen Vorteile?

Ein 1e-Vorsorgevermögen ist vom bestehenden Pensionskassenvermögen vollständig segregiert, das bedeutet, jeder Versicherte spart in seinen eigenen «Topf», ähnlich wie in der 3. Säule. Das hat den Vorteil, dass er die Anlagestrategie selbständig bestimmen kann und keine Umverteilungseffekte in die Basiskasse in Kauf nehmen muss. Die Umverteilungseffekte sind leider heute in der Schweiz eine Tatsache, bedingt durch die demographische Entwicklung und die Zinssituation.

Sie haben jetzt über die Vorteile für die Versicherten gesprochen. Gibt es auch Vorteile für die Unternehmen?

Ja, Firmen, welche gemäss IFRS oder US GAAP rapportieren, müssen für Pensionskassenlösungen in der Schweiz Rückstellungen für Risiken bilden, die das Eigenkapital belasten. 1e ist die einzige Möglichkeit, diese Rückstellungen zu vermeiden, wodurch in der Folge Eigenkapital freigesetzt werden kann. Auch Firmen die nach Swiss GAAP FER rapportieren, sind im Falle einer Unterdeckung von diesem Problem betroffen.

Im Gegensatz zu anderen Vorsorgelösungen trägt der Anleger bei den 1e-Plänen ein Anlagerisiko. Wie gut ist dieses einschätzbar?

Das ist korrekt. Daher ist es sehr wichtig, dass sich jeder Versicherte bei der Wahl der Anlagestrategie beraten lässt und sein Portfolio regelmässig überprüft. Das Interessante aber ist: Durch die Übernahme dieses Risikos entstehen ja auch Chancen. Eine positive Performance wird direkt dem Anleger gutgeschrieben. Ferner lässt sich auch auf die Kosten der Anlage sehr direkt Einfluss nehmen. Und diese sind auf lange Sicht ein entscheidender Faktor beim Vermögensaufbau.

Was passiert, wenn sich jemand für eine eher risikoreiche Strategie entscheidet, sich später aber seine private Vermögenslage ändert. Ist ein Eingreifen noch möglich?

Die Strategien können monatlich gewechselt werden. Auch hier ist wichtig, dass sich der Versicherte regelmässig mit seinem Berater austauscht.

Die 1e-Lösungen richten sich an Unternehmer und Kaderleute mit einem Einkommen über 126'900 Franken. Wem innerhalb dieser Gruppe würden Sie die 1e-Vorsorgepläne besonders empfehlen und wem eher nicht?

Diese Lösung eignet sich vor allem für Unternehmer, welche die Vorsorge als taktisches Instrument der Entnahmestrategie einsetzen. Insbesondere also für Unternehmer, welche auf verschiedenen Stufen nichtbetriebsnotwendige Reserven halten und bisher zögerten, diese ins Privatvermögen zu überführen. Denn vergessen wir nicht: In ungefähr zwei Jahren wird – sofern die Vorlage vom Volk angenommen wird - die Steuervorlage 17 in Kraft treten und dann werden Dividenden höher besteuert, als dies heute der Fall ist. Seit Oktober erhalten wir viele Anfragen zum Thema 1e. Denn mit Einzahlung von Dividenden in die 2. Säule kann der Effekt der erhöhten Besteuerung gemildert werden.