Andreas Gerber (links) und Markus Bigler in Büren an der Aare.

Bigler AG: Ein Fleischverarbeitungsbetrieb in Familienhand

Die Bigler AG Fleischwaren in Büren an der Aare entwickelte sich in 70 Jahren von einer kleinen Metzgerei zu einem familiären Grossbetrieb und blieb dabei stets in Familienhand. Ein Schlüssel zum Wachstum war die Ausnutzung von Veränderungen in der Branche sowie die Automatisierung der Logistik.

Ein festlich gedeckter Tisch in einem Schweizer Wohnzimmer, das Licht schimmert in den Weingläsern. Die kulinarische Hauptrolle wird an diesem Abend das Fleisch spielen: vielleicht ein Kalbsfilet im Teig, vielleicht zart geschnittene Röllchen für ein Fondue Chinoise oder eine lokale Spezialität. Die Gastgeber haben den Star des Gerichts wenige Stunden vor Ankunft der Gäste bei ihrem Quartiermetzger abgeholt.

Logistik wie am Flughafen

Der Metzger wiederum hat am Abend zuvor bei der Bigler AG Fleischwaren in Büren an der Aare das Rohmaterial für seine Spezialität bestellt. Um 3 Uhr nachts packt ein Logistiker in Büren die Bestellung des Metzgers in eine grüne Plastikkiste. Mit einer codierten Etikette versehen, wird das grüne Gebinde einen komplexen Weg auf einem Förderbandsystem zurücklegen, um am Ende auf einem Trolley in der richtigen Reihenfolge im korrekten Lastwagen anzukommen. Das System erinnert an das Gepäcksortiersystem am Flughafen. Um 5 Uhr morgens startet der Chauffeur den Motor des Camions. Es ist einer von 30 LKWs und 30 Lieferwagen, die für die Bigler AG täglich Metzgereien und Detaillisten in der gesamten Schweiz beliefern.

Eine Erfolgsgeschichte seit mehr als 70 Jahren

Die Bigler AG Fleischwaren ist ein Fleischverarbeitungsbetrieb in Familienhand mit rund 620 Mitarbeitenden. Der angehende CEO Markus Bigler erzählt: «Unser Betrieb wurde 1946 von meinem Grossvater Hans Bigler als einfache Metzgerei in Biel gegründet. Seine Söhne Willi und Otto, mein Vater und mein Onkel, stiegen in den 1950er-Jahren in den Betrieb ein und trieben das Wachstum voran. Sie bauten hier in Büren einen damals modernen Produktionsstandort und begannen mit dem Versand von Frischfleisch in die ganze Schweiz.»

In den 1970er-Jahren übernahm mit dem 14 Jahre älteren Bruder von Markus Bigler, Jürg Bigler, die dritte Generation die Verantwortung für den Betrieb. Im Lebensmittelhandel hatte mit dem Prinzip der Selbstbedienung eine neue Ära begonnen. Die Bigler AG machte sich die Änderung zunutze: Dank neuer Technologien und Maschinen vertrieb sie bald nicht mehr ausschliesslich Frischfleisch, sondern allerlei fertig verpackte, tranchierten Fleischwaren.

Wachstum mit Turbulenzen

«Ich übernahm 1994 den Posten des CFOs, nachdem ich Wirtschaft studiert und einige Jahre in anderen Unternehmen gearbeitet hatte», so Markus Bigler. Nach zwei Jahrzenten moderatem Wachstums legte das Unternehmen nun richtig zu. In Lugano übernahm die Bigler AG 1992 die Orello Carne SA, ein Zulieferbetrieb, der auf Salami und Rohschinken spezialisiert war: «Mit der Übernahme von Orello konnten wir in einem Gebiet wachsen, das wir selber noch nicht abdeckten», erklärt Markus Bigler.

In Büren platzte das Unternehmen derweil aus allen Nähten. Die Geschäfte liefen so gut, dass man sich räumlich und logistisch an den Kapazitätsgrenzen bewegte. Mit dem Bezug neu gebauter Gebäude, 500 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt, verschaffte sich die Bigler AG Raum, um ihr Handwerk weiter auszubauen. Nicht alles lief indes reibungslos: Mit dem Bezug des neuen Standorts 1998 stellte die Bigler AG auch gleich auf digitale Logistik um. Markus Bigler erinnert sich: «Wir hatten diese Umstellung unterschätzt. Die Inbetriebnahme war sehr turbulent und nervenaufreibend.» Kaum aber hatte die Bigler AG die neuen Technologien im Griff und an ihre Bedürfnisse angepasst, stiess das Unternehmen erneut an seine Kapazitätsgrenzen. Der Kauf eines weiteren Standortes in Lyss war die Antwort. Erweiterungsbauten in Büren folgten – erst 2017 ist ein Neubau für die Convenience Food Produktion eröffnet worden, die sich im letzten Jahrzehnt zu einem bedeutenden Standbein entwickelt hat.

Ein umfangreiches Nachfolgeprojekt mit der Credit Suisse

«Bei allen grossen Investitionen über die letzten Jahrzehnte war die Credit Suisse ein wichtiger und zuverlässiger Partner,» sagt Markus Bigler. Zuletzt wurde mit der Credit Suisse ein Projekt umgesetzt, welches für einmal nicht eine Wachstumsfinanzierung zum Inhalt hatte. Es beinhaltete Nachfolgeprozess und Neustrukturierung in einem. Auslöser war die anstehende Pensionierung von CEO Jürg Bigler, die eine interne Rochade zur Folge hatte. Markus Bigler wird demnächst vom CFO zum CEO wechseln. Auf seinen Posten folgt Lukas Bigler, der Sohn von Jürg Bigler und einer der Vertreter der vierten Generation.

Das gesamte Aktionariat blieb mit der Neustrukturierung in Familienhand. Die Mitglieder hatten sich damit ganz bewusst für die Weiterführung ihrer Tradition entschieden. «Während dieses Prozesses lernten wir die Bank von einer uns unbekannten Seite kennen: Für einmal ging es nicht um Investitionen und Wachstum, sondern um ganz Persönliches wie Vorsorge, Erbschaftsplanung und Eheverträge. Themen, die auch für unsere Familie ungewohnt waren», so Markus Bigler. 12 Familienmitglieder der Biglers sind heute im Betrieb tätig, 8 sind Aktionäre – «Die Bedeutung unseres Familiengebildes erkannte auch die Credit Suisse, deshalb hat das Nachfolgeprojekt so gut funktioniert», meint der angehende CEO. Liefern die Biglers mit ihrer Familien- und Firmengeschichte nicht schon fast Stoff für eine Soap? «Nein,» lacht Markus Bigler: «Dafür fehlen die Familienintrigen.»