Fachkräftemangel Schweiz: demografische Entwicklung verschärft Lage

Babyboomer gehen in Rente. Das verstärkt den Fachkräftemangel.

Die Generation der Babyboomer geht in Rente. Weil gleichzeitig weniger junge Erwerbstätige nachrücken, wird sich der Fachkräftemangel in der Schweiz verstärken. Eine Branche ist von dieser demografischen Entwicklung besonders stark betroffen.

In der Schweiz rollt eine Pensionierungswelle an

Die Zahl der Pensionierungen nimmt in der Schweiz in den nächsten Jahren stark zu. Von jährlich zwischen 70’000 und 90’000 Personen wird die Zahl der Neurentner auf deutlich über 100’000 pro Jahr ansteigen. Insgesamt kommen in den nächsten zehn Jahren rund 1,1 Millionen Menschen ins Rentenalter, wobei die Welle ihren Höhepunkt im Jahr 2029 mit knapp 125’000 Neurentnern erreichen wird.

Grund dafür ist die Babyboomer-Generation. Dazu zählen in der Schweiz die Jahrgänge von 1946 bis 1964. In diesen Jahren wurden besonders viele Babys geboren. Der Zweite Weltkrieg war gerade vorbei, die Wirtschaft florierte. Die Geburtenrate stieg auf 2,7 Kinder pro Frau. Weiter gefasst waren sogar die Jahre von 1941 bis 1974 besonders geburtenstark. Demgegenüber verharrt die durchschnittliche Kinderzahl seit Ende der 70er-Jahre bei rund 1,5 Kindern je Frau.

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Das Geburtenwunder der Nachkriegszeit

Lebendgeburten und zusammengefasste Geburtenziffer, in Anzahl Kinder je Frau

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Demografische Entwicklung verschärft Fachkräftemangel in der Schweiz

Diese Pensionierungswelle der Generation der Babyboomer wird den Schweizer Arbeitsmarkt prägen. Denn auch wenn nicht all jene Personen, die das Pensionsalter erreichen, derzeit im Arbeitsmarkt aktiv sind, wird dennoch angenommen, dass in den nächsten zehn Jahren knapp 800’000 derzeit Erwerbstätige aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Demgegenüber treten deutlich weniger Junge neu in den Arbeitsmarkt ein. Im Spitzenjahr 2029 dürften rund 18’500 mehr Erwerbstätige den Arbeitsmarkt verlassen als neue nachrücken. Dies könnte zu Personalengpässen führen.

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Die Pensionierungswelle der Babyboomer rollt an

Anzahl Personen, die das offizielle Rentenalter (64/65 Jahre) erreichen

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Demografische Entwicklung trifft Branchen unterschiedlich stark

Allerdings sind nicht alle Branchen gleichermassen davon betroffen. Zu besonders vielen Pensionierungen wird es in der Land- und Forstwirtschaft kommen. In diesem Sektor stammen knapp 35 Prozent der Erwerbstätigen aus der Generation der Babyboomer. Werden alle geburtenstarken Jahrgänge berücksichtigt, sind es sogar 61,8 Prozent.

Auch in den administrativen und sozialen Diensten, in der traditionellen Industrie sowie in der Verkehrs- und Transportbranche sind die älteren Arbeitskräfte deutlich übervertreten: Jeder Vierte stammt in diesen Branchen aus der Generation der Babyboomer und gar jeder Zweite zählt zu den geburtenstarken Jahrgängen. Dagegen sind die Erwerbstätigen in den Sektoren Finanzdienstleistungen sowie Information, Kommunikation und IT im Schnitt deutlich jünger.

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Nicht alle Branchen sind gleich stark von den Babyboomern abhängig

Anteil an den Erwerbstätigen ab 15 Jahren in Prozent, 2018

Quelle: Bundesamt für Statistik (SAKE), Credit Suisse

Fachkräftemangel ist in der Gesundheitsbranche besonders gross

Wie stark sich der Fachkräftemangel jeweils akzentuiert, hängt allerdings von weiteren Faktoren ab, insbesondere von den Wachstumsaussichten der Branche sowie dem Spielraum für Effizienzsteigerung und Automatisierung. Schlechte Voraussetzungen weist der Sektor für administrative und soziale Dienste auf, wozu auch das Gesundheitswesen zählt. Neben der starken Abhängigkeit von der Generation der Babyboomer verzeichnet diese Branche eine ebenfalls demografisch bedingte starke Wachstumsdynamik. Das Automatisierungspotenzial ist zudem im Vergleich zu anderen Sektoren geringer, zumindest beim heutigen Stand der Technik.

Entsprechend stellt sich die Frage, wie Unternehmen dem Fachkräftemangel entgegenwirken können. Eine Möglichkeit wäre es, ältere Arbeitnehmer über das Rentenalter hinaus zu beschäftigen. Nur geschieht das in der Realität kaum. Einerseits ist nur eine Minderheit der Schweizer Firmen dazu bereit. Andererseits ist auch das Interesse der Senioren daran eher gering. Immerhin setzen aber jene Firmen, die bereits heute mit einem hohen Personalbedarf infolge der Pensionierungswelle rechnen, gemäss einer Umfrage stärker auf eine Weiterbeschäftigung als der Durchschnitt.

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