Standortqualität 2025: Ausblick auf das Ranking nach Steuerreform

Ausblick Standortqualität 2025: Steuerreform führt zu Veränderungen

Die Standortqualität der Schweizer Kantone und Regionen blieb 2018 fast unverändert. In den kommenden Jahren ist jedoch aufgrund der Steuerreform mit Bewegung im Ranking zu rechnen. Der Standortqualitätsindikator der Credit Suisse wirft einen Blick auf das Jahr 2025.

Die Spitzenreiter und Aufsteiger bei der Standortqualität 2018

Das Wirtschaftspotenzial der Schweizer Kantone und Regionen wird insbesondere von den Rahmenbedingungen für Unternehmen geprägt. Attraktive Standorte ziehen neue Firmen an, die Arbeitsplätze schaffen und dadurch Wertschätzung und Wohlstand generieren. Doch welche Kantone und Regionen in der Schweiz sind für Unternehmer attraktiv? Der Standortqualitätsindikator (SQI) der Credit Suisse bietet seit 1997 eine faktenbasierte Bewertung der Standortattraktivität von Schweizer Kantonen und Regionen.

An der Spitze des Kantonsrankings fanden 2018 keine Veränderungen statt. Zug, Zürich und Aargau bleiben die attraktivsten Standorte für Unternehmen. Die drei Kantone weisen die beste Kombination der sieben einfliessenden Attraktivitätsfaktoren auf, zu denen z. B. die Steuerbelastung, die Erreichbarkeit der Beschäftigten oder die Anfahrt und Nähe zu einem Flughafen zählen. Aufsteigen konnten die Kantone Tessin, Neuenburg und Thurgau. In den Regionen heben sich Zentren wie Zürich, Zug, Baden, Luzern, Basel, Bern und deren Agglomerationen durch eine höhere Standortattraktivität von ihrer jeweiligen Peripherie ab.

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Standortqualität der Schweizer Wirtschaftsregionen 2018

Standortqualitätsindikator (SQI), synthetischer Index, CH = 0

Quelle: Credit Suisse, Geostat

Steuerreform geht mit Umbau der Unternehmensbesteuerung einher

Künftig wird mehr Bewegung im Ranking der Standortqualität erwartet. Auslöser ist unter anderem das Reformpaket «Steuervorlage und AHV-Finanzierung» (STAF), das einen Umbau der Unternehmensbesteuerung nach sich zieht. Die neue Steuervorlage fordert die Aufhebung der privilegierten Besteuerung von Holding- und Verwaltungsgesellschaften, deren Umsatz und Kosten meist im Ausland anfallen. Dafür sollen auf Kantonsebene neue Privilegien eingeführt werden. So zum Beispiel Patentboxen oder Förderungen von Forschung und Entwicklung, die im Ausland anerkannt sind. Allerdings dürfte eine Vielzahl an Unternehmen nicht von den geplanten neuen Steuerinstrumenten profitieren – es wird weniger Möglichkeiten geben, die Bemessungsgrundlage zu verringern. Zahlreiche Kantone planen deshalb, die Unternehmenssteuer zu senken.

Die Referendumsabstimmung wird am 19. Mai 2019 stattfinden. Bei einer Zustimmung des Schweizer Stimmvolks dürfte die Umsetzung des Hauptteils im Januar 2020 erfolgen. Bis etwa 2025 sollen auch die von den Kantonsregierungen beabsichtigten Anpassungen schrittweise implementiert werden, wobei diese in der Regel noch von den Stimmbürgerinnen und -bürgern genehmigt werden müssen. Die Steuerreform hätte vielerorts starke Veränderungen der Unternehmenssteuer zur Folge.

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Veränderung der Unternehmenssteuer nach Umsetzung der Steuerreform

Durchschnittliche effektive Belastung durch Gewinn- und Kapitalsteuer für eine Kapitalgesellschaft mit einem Kapital von CHF 2 Mio. und einem Reingewinn zwischen CHF 80’000 und CHF 1’040’000, in Prozent des Reingewinns, 2018 sowie unter Berücksichtigung der von den Kantonsregierungen bereits kommunizierten Anpassungen bei der Unternehmensbesteuerung (Stand: 19. Oktober 2018)

Quelle: TaxWare, Kantone, Credit Suisse

Steuerreform nimmt bis 2025 grossen Einfluss auf die Standortqualität in der Schweiz

Einzelne Kantone werden durch die Reform steuerlich deutlich attraktiver positioniert. Laut hypothetischem Standortqualitätsindikator der Credit Suisse für 2025 dürfte so beispielsweise der Kanton Genf mit einer geplanten Steuerbelastung von 13,79 Prozent im Ranking neun Ränge gutmachen.

Zu den Profiteuren gehören zudem der Kanton Basel-Stadt sowie die Kantone Basel-Landschaft und Solothurn, die neu nur noch eine Gewinnsteuer zwischen 13,0 und 14,0 Prozent fordern. Die heutigen Spitzenreiter bei der Unternehmenssteuer würden hingegen durch den Umbau der Unternehmensbesteuerung an Vorteil einbüssen, da sich die kantonalen Unterschiede verringern. Dies betrifft beispielsweise die Kantone Obwalden, Appenzell Ausserrhoden und Luzern.

Ceneri-Basistunnel verbessert die Erreichbarkeit des Tessins

Zusätzlich zur Steuerreform wird in den nächsten Jahren der Monte-Ceneri-Basistunnel die Standortqualität der Kantone prägen. Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels wird 2020 das letzte Stück der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) fertiggestellt. Dadurch verbessert sich die Erreichbarkeit der Regionen in den Kantonen Tessin und Uri. Ihr Einzugsgebiet wird grösser, während sich die Fahrzeit zu den Zentren verringert.

Dadurch ändern sich die Indikatoren der verkehrstechnischen Erreichbarkeit. Jedoch dürften die Auswirkungen der NEAT-Fertigstellung im Vergleich zu jenen der Steuervorlage geringer sein. Unter dem Strich kommt es im provisorischen Ranking für 2025 zu deutlichen Verschiebungen. Während der Kanton Zug seinen Platz halten würde, käme es bei den Kantonen Basel-Stadt und Genf zu einem Aufstieg in die vorderen Ränge. Zürich und Aargau würden derweil an Attraktivität verlieren.

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Standortqualität der Schweizer Kantone 2018 und 2025 im Vergleich

Standortqualitätsindikator (SQI), synthetischer Index, CH = 0, 2018 und bei Neuberechnung der Teilindikatoren der Erreichbarkeit sowie der Steuerbelastung für juristische Personen

Quelle: Credit Suisse