Zuwanderung in die Schweiz wird gebremst

Arbeitsmarkt: Pandemie bremst Zuwanderung in die Schweiz.

Die Schweiz gilt schon lange als beliebtes Zuwanderungsland für ausländische Arbeitskräfte. Doch versetzt die Corona-Krise auch den Arbeitsmarkt Schweiz in eine schwierige Situation. Mit sinkendem Beschäftigungswachstum und steigender Arbeitslosigkeit werden derzeit weniger ausländische Arbeitskräfte benötigt und die Zuwanderung sinkt.

Zuwanderung in die Schweiz verzeichnet starken Rückgang

Die COVID-19-Pandemie sorgt für Bewegung am Schweizer Arbeitsmarkt. Die Zuwanderung in die Schweiz erlebte zu Beginn des Jahres 2020 dank einem soliden Beschäftigungswachstum der beiden Vorjahre und der Aufhebung der Ventilklausel gegenüber Rumänien und Bulgarien starken Rückenwind. Im 1. Quartal lag die Nettozuwanderung aus dem Ausland gut 30 Prozent höher als noch im Vorjahresquartal.

Das Blatt wendete sich infolge der Corona-Krise und der damit verbundenen Massnahmen. Mit dem Fortschreiten der Pandemie erfolgte der Lockdown und die Schweiz erliess Einreisebeschränkungen, die bis zu Grenzschliessungen reichten. Diese Massnahmen hatten einen beträchtlichen Einfluss auf die Zuwanderung in die Schweiz. Die Nettozuwanderung reduzierte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um ein Viertel im 2. Quartal. Denn nicht nur der Zuzug zu Erwerbszwecken, sondern auch der Nachzug von Familienangehörigen war durch die geschlossenen Grenzen stark erschwert.

Zuwanderung Schweiz geht wegen Corona-Krise zurück

Zuwanderung Schweiz während Corona-Krise

Wanderungsbewegung gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahrs
Quellen: Staatssekretariat für Migration, Credit Suisse

Branche ist für Zuwanderung in die Schweiz ausschlaggebend

Nicht alle Arbeitskräfte waren von den Grenzschliessungen betroffen. Die Ausnahme galt für Arbeitskräfte aus der Europäischen Union, deren Tätigkeiten der Versorgung mit essenziellen Gütern und Dienstleistungen dienten. Europäische Arbeitskräfte, die beispielsweise in der Pflege-, Lebensmittel- oder IT-Branche tätig sind, waren so auch während des Lockdowns einreiseberechtigt. Anders verhielt sich die Situation bei Branchen wie dem Gastgewerbe, die vom Lockdown direkt betroffen waren: Diese verzeichneten einen starken Rückgang der Zuwanderung.

Zuwanderung in die Schweiz ist im sinkenden Trend

Bis Ende 2020 ist mit einer Nettozuwanderung von rund 50’000 Personen zu rechnen. Das wären nur 3000 Personen weniger als noch im letzten Jahr. Die Schwankung ist deshalb gering, weil die Zuwanderung im 1. Quartal noch deutlich zunahm und sich durch die Pandemie auch die Abwanderung stark reduzierte. Dazu kommt, dass der effektive Rückgang der Zuwanderung aufgrund der Nichtberücksichtigung von Kurzaufenthaltern und Asylsuchenden in den Zahlen noch nicht vollständig erfasst ist.

2021 könnte die Bilanz dann mit 45’000 Migranten aufgrund der Eintrübung des Arbeitsmarktes noch tiefer ausfallen. Das wäre das erste Mal seit der Einführung der vollen Personenfreizügigkeit vor 13 Jahren, dass die Zuwanderung unter die 50’000er-Marke fällt.

Sinkender Trend bei Zuwanderung in die Schweiz

Zuwanderung in Schweiz dürfte in Zukunft noch weiter sinken

Nettozuwanderung: ständige Wohnbevölkerung (inklusive CH-Bürger) und Beschäftigungswachstum
Quellen: Staatssekretariat für Migration, Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Arbeitslosenquote steigt in der Schweiz und der EU

Die Krise hat auf dem Arbeitsmarkt insgesamt tiefe Spuren hinterlassen, nicht nur bei der Zuwanderung. 0,5 Prozent dürfte der Beschäftigungsrückgang für das Jahr 2020 betragen. Für 2021 wird ein Anstieg der Arbeitslosenquote auf rund 3,9 Prozent erwartet – so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Folglich wird die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften abnehmen. Und da sich der Arbeitsmarkt von dieser Krise nur sehr langsam erholt, dürfte das auch einen raschen Anstieg der Migrationsrate verhindern.

Gleichzeitig ist zu befürchten, dass die Schweiz in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts von 4 Prozent verkraften muss. Im Gegensatz zu anderen Ländern in Europa, wo die wirtschaftliche Schrumpfung bis zu 10 Prozent betragen kann, dürfte die Rezession in der Schweiz vergleichsweise weniger heftig ausfallen.

Steigende Arbeitslosenquote in der Schweiz und in Europa

Arbeitslosenquote steigt, BIP bricht ein

Konjunktur und Arbeitsmarkt in der Schweiz und der Eurozone
Quellen: Staatssekretariat für Wirtschaft, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Credit Suisse

Babyboomer-Generation kurbelt Nachfrage nach Zuwanderern auf dem Schweizer Arbeitsmarkt an

Nach Überwindung der Corona-Krise ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften wieder zunehmen wird. Die anrollende Pensionierungswelle in der geburtenstarken Babyboomer-Generation wird eine grosse Lücke im Arbeitsmarkt hinterlassen. Ende der 2020er-Jahre dürften netto bis über 10’000 Personen jährlich aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Diese dürften zumindest teilweise über Rekrutierungen im Ausland ersetzt werden.

Somit ist ein Wiederanstieg der Nettozuwanderung in die Schweiz auf ein Niveau von 60’000 zwischenzeitlich durchaus wieder denkbar. Im Mittel dürfte für die nächsten Jahre jedoch ein Wanderungssaldo von etwas über 50’000 Personen am wahrscheinlichsten sein.