Verkaufsfläche: Einzelhandel braucht weniger Ladenlokale

Aderlass im Schweizer Detailhandel setzt sich fort

Die Konsumenten kaufen zunehmend lieber im Internet ein statt im Ladenlokal. Dies hat Auswirkungen auf die Verkaufsflächen. Das Angebot an leer stehenden Ladenlokalen bleibt hoch, obwohl nur noch wenige neue Verkaufsflächen gebaut werden.

Der Einzelhandel profitiert von der guten Wirtschaftslage

Die Umsätze im Schweizer Detailhandel stiegen 2018 um 0,5 Prozent. Zu verdanken ist dies primär der guten Konjunktur. Denn die Kauflust der Konsumenten ist nicht wesentlich gestiegen. Die allgemeine Teuerung verbunden mit einem relativ geringen Lohnwachstum führte zum zweiten Mal in Folge zu einem leichten Kaufkraftverlust. Auch geopolitische Ereignisse wirkten sich negativ auf die Konsumentenstimmung aus.

Dagegen hat der Einkauf ausserhalb der Landesgrenzen 2018 an Attraktivität verloren. Die Abwertung des Frankens wirkt sich positiv auf den Schweizer Einzelhandel aus. Ebenso die Tatsache, dass die Preise für Konsumgüter im Ausland stärker gestiegen sind als im Inland. Allerdings konnte sich der Schweizer Franken in der zweiten Jahreshälfte wieder aufwerten. 2019 dürfte sich zudem das Wirtschaftswachstum abkühlen.

Segmente entwickelten sich unterschiedlich

Je nach Segment entwickelten sich die Detailhandelsumsätze allerdings sehr unterschiedlich. Beispielsweise profitierte das Freizeit- und Do-it-yourself-Segment vom schönen Frühling und heissen Sommer. Auch die Umsätze mit Heimelektronik, Produkten aus dem Bereich Haushalt und Wohnen sowie Personal Care und Gesundheit sind gestiegen.

Demgegenüber liessen die aussergewöhnlichen Wetterbedingungen die Umsätze im Modedetailhandel dahinschmelzen. Das Minus von 9 Prozent führte dazu, dass der Non-Food-Bereich insgesamt weniger umsetzte als im Vorjahr. Der Food-Bereich dagegen konnte um 1,6 Prozent zulegen.

Umsatz im Schweizer Einzelhandel 2016–2018

Grosse Diskrepanzen bei den Detailhandelsumsätzen

Nominale Detailhandelsumsätze, Wachstum ggü. Vorjahr

Quelle: GfK, Credit Suisse 

Online einkaufen ist attraktiver als im Ladenlokal

Dem Bekleidungsgeschäft machte aber nicht nur das Wetter zu schaffen. Gleichzeitig kommt es zu einer Umsatzverschiebung vom stationären Handel in Richtung Internet. Davon profitieren vor allem ausländische Anbieter wie Zalando. Auch asiatische Onlinehändler sind auf dem Vormarsch. So konnten sich AliExpress und Wish unter den Top 12 der umsatzstärksten Onlinehändler in der Schweiz etablieren.

Dieser Trend dürfte weitergehen. Denn das Einkaufen im Internet ist bequem. Bezahlt wird mit einem Klick. Das digitale Ladenlokal hat immer geöffnet. Wer den Onlinehandel einmal entdeckt hat, wird kaum mehr zum stationären Handel zurückkehren. Und die demografische Entwicklung trägt das Ihrige dazu bei, dass der Onlinehandel kontinuierlich weitere Marktanteile dazugewinnt.

Onlinehandel statt Einkauf im Ladenlokal

Weiteres Wachstum des Onlinehandels ist vorprogrammiert

Prozentualer Anteil der Gesamtbevölkerung, der Onlineeinkäufe tätigt

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Das Angebot an Verkaufsflächen bleibt hoch

Diese Entwicklung fordert ihren Tribut: Im stationären Einzelhandel kommt es zu Restrukturierungen, Ladenschliessungen und Stellenabbau, besonders im Bekleidungs- und Schuhgeschäft. Die Liste der «Opfer» wird immer länger: Bata, Blackout, Charles Vögele, OVS, Schild, Switcher und Yendi – um nur einige zu nennen. Ende des letzten Jahres dürften noch knapp 234’000 Personen für den Detailhandel gearbeitet haben. Das sind 16’000 weniger als noch vor zehn Jahren.

Müssen die Ladenlokale schliessen, hat das natürlich Folgen für die Nachfrage nach Verkaufsflächen. Besonders im Modebereich wird diese geringer, während Anbieter von Dienstleistungen, Bijouterie, Optik sowie Coiffure und Kosmetik expandieren können. Mancherorts führt dies zu einer Anpassung des Mietermix. Doch nicht jede frei werdende Verkaufsfläche kann problemlos neu vermietet werden. Das zeigt ein Blick auf die ausgeschriebenen Angebote. Diese verharren auf hohem Niveau, obwohl nur wenige Verkaufsflächen neu entstehen.