Achterbahnfahrt für den Schweizer Detailhandel. Onlinebereich boomt.

Der durch den Bundesrat verordnete Lockdown im Frühjahr bringt die Wirtschaft in der Schweiz quasi zum Erliegen. Wie wird es weitergehen? Der Retail Outlook 2021 zeigt, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf den Schweizer Detailhandel hat und inwie­fern der Onlinehandel profitiert.

Schweizer Detailhandel erlebt historischen Umsatzeinbruch

Für den Detailhandel in der Schweiz gleicht das Jahr 2020 einer Achterbahnfahrt. Nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie haben sich die Detailhandelsumsätze der verschiedenen Segmente unterschiedlich entwickelt. Das zeigt der Retail Outlook der Credit Suisse deutlich auf. So profitierte insbesondere der Food-Bereich während des Lockdowns vom temporären Wegfall der Konkurrenz durch Bars, Restaurants und den Einkauftourismus.

Während der Food-Detailhandel also in den Monaten März, April und Mai im Vergleich zu den Vorjahresmonaten ein Umsatzplus verbuchen konnte, litten die meisten Non-Food-Segmente stark unter dem vorübergehenden Stillstand des gesellschaftlichen Lebens. Die zwangsläufigen Schliessungen führten im Non-Food-Handel im März (minus 20 Prozent) und April (minus 40 Prozent) zu einem historischen Einbruch der Umsätze.

Umsatzentwicklung im Schweizer Detailhandel während der Corona-Krise

Umsätze brechen während Lockdown komplett ein

Nominale Detailhandelsumsätze, indexiert (Jan. 2012 = 100) und saisonbedingt
Quellen: GfK, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: Sept. 2020

Lockdown verändert das Mobilverhalten der Bevölkerung

Dass die Situation im Frühjahr nicht nur für Non-Food-Detailhändler herausfordernd war, ist unter anderem auf das veränderte Mobilverhalten der Schweizer Bevölkerung zurückzuführen. Je nach Lage waren davon auch Lebensmittelhändler betroffen. Durch die Zunahme von Home-Office und den zeitweise geschlossenen Ausbildungsstätten ging die Fussgängerfrequenz in städtischen Gebieten bis zu 80 Prozent zurück. Auch im ländlichen Bereich verringerte sich die Mobilität um knapp 60 Prozent.

Die Arbeit im Home-Office dürfte auch zukünftig verbreitet bleiben und weiter Einfluss auf das Mobilitätsverhalten der Konsumenten nehmen. Grob ist damit zu rechnen, dass beispielsweise die Fussgängerfrequenzen langfristig um 5 bis 30 Prozent abnehmen werden. Diese generelle Verhaltensänderung der Konsumenten tangiert vor allem den stationären Detailhandel. Denn regelmässige Besorgungen im dem Büro nächst­ge­legenen Supermarkt oder beim Non-Food-Händler auf dem Heimweg von der Arbeit fallen somit weg.

Schweizer Detailhandel forciert den Onlinebereich

Um auf die rückgehenden Frequenzen während des Lockdowns zu reagieren, ergriffen die Stationärhändler im Corona-Jahr 2020 verschiedene Massnahmen. So fokussierten sich Detailhändler auf Service und Dienstleistungen und führten kontaktlose Pick-up-Lösungen ein. Auch ein kontaktloser Bezahlprozess war wichtiger denn je. Ausserdem intensivierten Händler ihre Aktivitäten im Bereich Online- und Omnichannel. Dadurch sollen Konsumenten auch digital in den hauseigenen Onlineshops begleitet und an diese gebunden werden.

Wie wichtig der Fokus auf eine starke Onlinepräsenz in der Pandemie ist, zeigt die Entwicklung des Onlinehandels. Dieser hat von der Corona-Krise stark profitiert und konnte gemäss Schätzungen einen Umsatzsprung von 55 Prozent verzeichnen. Treiber dieser Entwicklung war neben den Schliessungen von stationären Non-Food-Geschäften auch die Tatsache, dass viele Neukunden im Frühjahr positive Erfahrungen mit Onlineshopping gemacht haben.

Der Onlinehandel erlebt einen weiteren Aufschwung

Onlinehandel erlebt einen starken Boom

Die Entwicklung des Onlinehandels in den letzten zehn Jahren
Quellen: GfK, Credit Suisse

Lockdown löst starken Nachholkonsum aus

Es kristallisieren sich also zwei Auswirkungen des Lockdowns heraus: Während das Food-Segment durch wegfallende Konkurrenz die Umsätze steigern kann, kämpft der Non-Food-Bereich mit Einbussen. Und gewinnt der Onlinehandel immer mehr dazu, büsst der stationäre Handel ein.

Trotz dieser Gegensätzlichkeit verrät der Blick auf die ganze Entwicklung allerdings: Durch die verstärkte Ausrichtung auf den Onlinebereich und den durch den Lockdown ausgelösten Nachholkonsum weist der Schweizer Detailhandel in diesem Jahr insge­samt eine positive Umsatzbilanz auf. Der Nachholeffekt nach der Wiedereröffnung im Mai hat vor allem im Non-Food-Segment einen Boom mit rekordhohen Umsatz­zu­nahmen ausgelöst. Auch der erstarkte Inlandtourismus im Sommer und Herbst trug seinen Teil dazu bei.

Die Umsatzentwicklungen der verschiedenen Branchen im Vergleich

DIY / Garten und Freizeit realisierten im Mai Rekord-Umsatzsprünge

Nominale Detailhandelsumsätze, saisonbereinigt gegenüber dem Vorjahr
Quellen: GfK, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: Sept. 2020

Langzeitfolgen dürften dem Schweizer Detailhandel zusetzen

Ein Wiedererreichen der positiven Umsatzwerte scheint im Jahr 2021 unter normalen Umständen jedoch nicht wahrscheinlich. Gemäss der Umfrage von Fuhrer & Hotz glaubt fast die Hälfte der Befragten nicht an ein Umsatzwachstum. Denn Lang­zeit­folgen der COVID-19-Pandemie drohen den Detailhandel über die Arbeitsmarktlage, Kaufkraft und Zuwanderung zu beeinträchtigen. Mit einer unmittelbaren Normalisierung der coronabedingten Umstände ist in nächster Zeit somit nicht zu rechnen.