Mit einem 1e-Vorsorgeplan den steigenden Ansprüchen nach Individualisierung gerecht werden

1e-Vorsorgepläne bieten nicht nur Arbeitnehmern, sondern auch Unternehmen und Unter­nehmern im Überobligatorium verschiedene Vorteile. Neben der Überführung vom Unterneh­mensvermögen ins Vorsorgevermögen sind die 1e-Pläne auch geeignet für die Entlastung der Unternehmensbilanz.

Funktionsweise 1e-Vorsorgepläne

Der Artikel 1e in der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden­vorsorge (BVV 2) besagt, dass Vorsorgeeinrichtungen für Lohnanteile über CHF 126’900 1e‑Vorsorgepläne anbieten dürfen. Die entsprechenden Lohnanteile müssen in einer separaten Rechtseinheit versichert werden. Neben der ersten Stiftung für Löhne im Obligatorium und Überobligatorium bis zur 1e-Lohngrenze entsteht eine zweite Stiftung, die ausserobligatorische Vorsorge für Löhne oberhalb dieser Grenze abdeckt. Für die Umsetzung der 1e-Vorsorgepläne kann entweder eine dedizierte neue Stiftung gegründet oder Anschluss an eine Sammelstiftung mit 1e-Vorsorgeplänen gesucht werden. Die gewünschte Einflussnahme, Kostenüberlegungen und insbesondere die Erfahrung im Bereich Anlagen von Vorsorgegeldern stellen dabei die wichtigsten Evaluationskriterien aus Sicht des Arbeitgebers dar. Entscheidet sich ein Unterneh­men dazu, 1e-Vorsorgepläne anzubieten, müssen alle Mitarbeitenden, welche die nach Vorsorge­recht definierten Kriterien erreichen, diese Lohnanteile im Rahmen der 1e-Vorsorgelösung versichern. Dabei kann die Grenze für die 1e-Lösung auch höher als CHF 126’900 festgelegt werden.

1e-Pläne bringen für Arbeitgeber vier wesentliche Vorteile mit sich. Erstens fällt das Risiko für die Deckung von Vermögensverlusten oder Sanierungskosten auf einem Teil der Vorsorgever­mögen weg. Zweitens entfallen die langfristigen Rentenverpflichtungen auf den 1e-Vorsorge­vermögen, da diese im Normalfall in Kapitalform ausgezahlt werden. Drittens kann sich diese Entlastung des Eigenkapitals in der Bilanz gerade für Unternehmen, die nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften rapportieren, zusätzlich als vorteilhaft erweisen. Viertens stellen Kaderpläne eine Lösung dar, um im Rahmen der Einkommens- und Vermögensstrukturierung für Unternehmer eine steuerlich optimale Überführung von Unternehmensvermögen ins Privat­vermögen zu erreichen.

Antwort auf steigende Ansprüche nach Individualisierung

Aus Sicht der Versicherten stellen 1e-Vorsorgepläne eine Antwort auf den zunehmenden Wunsch nach einer Individualisierung der Vorsorgelösungen dar, der sich in den letzten Jahren bemerkbar gemacht hat. Die darin versicherten Personen können je nach Risikoprofil aus bis zu zehn Anlagestrategien auswählen, wovon mindestens eine risikoarm sein muss. Versicherte können so von potenziell höheren Renditechancen profitieren. Zudem müssen sie keine systemwidrige Umverteilung zwischen Erwerbstätigen und Rentnern in Kauf nehmen, da das 1e‑Guthaben nicht mehr Teil des Kollektivs aus Obligatorium und Überobligatorium ist. Im Gegensatz zu anderen Vorsorgelösungen trägt der Versicherte das Anlagerisiko aber vollständig selbst und erhält bei Pensionierung das Kapital ausgezahlt. Versicherte müssen sich bewusst sein, dass eine ungünstige Marktentwicklung oder gar ein Börsencrash zu markanten Wert­verlusten führen kann. Ein gewisses Know-how in der Vermögensanlage oder aber eine ent­sprechende Beratung seitens der Vorsorgeeinrichtung hinsichtlich Risiken und Kosten sind in diesem Zusammenhang eine Notwendigkeit. Ein wichtiger Vorteil, der mit 1e-Plänen einhergeht, ist die frühzeitige und detaillierte Analyse sowie Planung der finanziellen Situation im Alter, die bei anderen Vorsorgelösungen oft erst zu spät erfolgt.

1e-Vorsorgepläne im Überblick

Vorteile

Für Arbeitgeber Für versicherte Personen
  • Keine Unterdeckung des ausserobligatorischen Vorsorgewerks möglich, da der Versicherte die Risiken selbst trägt
  • Bei Bilanzierung als Beitragsprimatspläne können die Reserven für die Deckung von Vermögensverlusten in der beruflichen Vorsorge reduziert werden (gemäss IAS 19)
  • Die Vorsorgelösung kann optimal an die Bedürfnisse angepasst werden
  • Schutz vor Umverteilung, da die Vorsorgevermögen im Ausserobligatorium getrennt verwaltet werden
  • Anlagerenditen können durch die angepassten Liquiditäts- und Risikorestriktionen optimiert werden
  • Anlagen können regelmässig gemäss persönlicher Situation und Planung angepasst werden

Nachteile

Für Arbeitgeber Für versicherte Personen
  • Erhöht die Komplexität in der beruflichen Vorsorge
  • Zusätzliche Überprüfung von Überhängen sowie der Basisversicherung nötig
  • Geringere Sanierungsfähigkeit der bestehenden Einrichtung
  • Das Anlagerisiko muss von den Versicherten selbst getragen werden
  • Im Gegensatz zu Kaderplänen sind Einkäufe nur ohne Verzinsung des geplanten Vorsorgevermögens möglich
  • Bei Austritt (Pensionierung, Arbeitgeberwechsel, Arbeitslosigkeit) können im Fall eines ungünstigen Börsenumfelds Verluste entstehen

Ähnliche Pläne sind in den USA weitverbreitet

1e-Vorsorgepläne erinnern stark an die in den USA allseitig bekannten 401(k)-Pläne. Im ameri­kanischen Vorsorgesystem gibt es innerhalb der 2. Säule nur noch vereinzelt Pensions­kassen, die feste Rentenzahlungen («defined benefits») gewähren. Deutlich verbreiteter sind 401(k) Pläne («defined contributions»), bei denen das Anlagerisiko auf die Versicherten über­tragen wird und keinerlei Absicherung des Vorsorgekapitals seitens der Arbeitgeber gewähr­leistet werden muss. Versicherte aller Einkommensklassen können steuerfrei jährlich bis zu USD 18’500 (Stand 2018) einzahlen. Einzahlungen der Arbeitgeber wie in der Schweiz sind in den USA nicht gesetzlich geregelt. Fast alle Unternehmen bieten sie aber als Teil des Kompensationspakets an. Die Wahl der Anlagestrategie der 401(k)-Konten liegt in den Händen der Versicherten. Dabei können sie je nach Risikobereitschaft und verbleibendem Anlagehorizont zumeist aus fünf bis zehn Alternativen wählen.

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