Goldene Zeiten

Gold ist der Inbegriff von Reichtum und lässt auch heute noch viele träumen. Eine Investition in das Edelmetall ist, wie bei allen Anlagen, nicht ohne Risiko. Aber sie hat gewisse Vorteile.

Vor 2000 Jahren konnte man für eine Unze Gold eine bessere römische Tunika kaufen. Heute bekäme man für dasselbe Goldstück einen guten Anzug. Auch wenn sich die Welt seit Cäsar und Co. komplett verändert hat: Der Wert von Gold hat Bestand, was man von zahlreichen Währungen, Aktien oder Geldmarktpapieren nicht behaupten kann. Die Zeiten, in denen Gold als Zahlungsmittel genutzt wurde, liegen zwar weit in der Vergangenheit – für Investoren, Währungshüter und Spekulanten ist das Edelmetall aber weiterhin interessant.

Bleibende Nachfrage

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges ist die globale Sicherheitslage wieder instabiler. Das Verlangen nach Sicherheit ist stärker geworden. Edelmetalle bieten diese in den Augen vieler. «Im Bereich Edelmetalle interessieren sich Investoren primär für Gold», sagt Stefan Graber, Leiter Rohstoffstrategie bei der Credit Suisse.

Ein Aspekt, der für die anhaltende Nachfrage nach dem Metall verantwortlich ist, ist seine Schönheit: Der grösste Teil des Goldes wird von der Schmuckindustrie verarbeitet, so Graber. Die industrielle Verwendung hat in den letzten Jahren zwar abgenommen, sei aber immer noch ein grosser Treiber. Auch die Zentralbanken, vor allem in Schwellenländern, kaufen immer noch Gold und diversifizieren damit ihre Währungsreserven. Schliesslich helfen auch private Investoren, die Nachfrage und somit den Preis hochzuhalten.

Mit Rohstoffen das Portfolio diversifizieren

Bei der Credit Suisse ist Gold Teil der so genannten alternativen Anlagen in einem Investitionsportfolio. Je nach Risikoprofil werden rund 5 Prozent des investierten Vermögens in einem Standardportfolio in breit diversifizierten Rohstoffinvestments gehalten. Einen Teil davon macht Gold aus. «Rohstoffpreise bewegen sich über einen langen Zyklus hinweg», sagt Graber. «Dadurch ergänzen sie traditionellere Anlagen gut.»

Im Gegensatz zu klassischen Investments wie Aktien und Anleihen wirft Gold weder Zinsen noch Dividenden ab. Gewinn macht man damit nur, wenn der Preis steigt. Für manche Anleger wird Gold dadurch interessant, dass der Preis auf viele Faktoren reagiert und sich deshalb relativ häufig bewegt – eine Chance, kurzfristig Gewinne zu machen. Für Stefan Graber hingegen sind gerade diese kurzfristigen Preisschwankungen der Grund, weshalb bei der Investition in Gold ein langer Anlagehorizont wichtig ist.

Rohstoffpreise bewegen sich über einen langen Zyklus hinweg. Dadurch ergänzen sie traditionellere Anlagen gut.

Stefan Graber, Leiter Rohstoffstrategie bei der Credit Suisse

Sinkt der Realzins, steigt der Goldpreis

In der historischen Betrachtung steigt der in Dollar ausgedrückte Goldpreis dann, wenn die amerikanische Währung gegenüber anderen an Wert verliert. Dabei sind vor allem auch die Realzinsen von Bedeutung, also die Renditeveränderung unter Berücksichtigung der Inflation: Steigen Inflationserwartungen schneller als der Zinsertrag in einer Währung, fallen die Realzinsen. Das schwächt tendenziell die Währung und unterstützt den Goldpreis. Umgekehrt belasten anziehende Realzinsen die Goldpreise in der Regel. Der Zusammenhang zwischen dem Realzins und dem Preis des Metalls ist auch eine Erklärung für dessen Höhenflug seit der Finanzkrise. Er hat sich in den letzten Jahren zwar wieder abgeschwächt, die Zinsen sind aber immer noch sehr tief. Das macht Gold für Investoren attraktiv.

Ebenso wie bei Aktien ist es bei Gold allerdings praktisch unmöglich, tägliche Änderungen des Preises vorherzusehen. Entsprechend sollten Investoren beachten, dass die Funktion von Gold als Schutz gegen Inflation und die Risiken der Wirtschaft insgesamt nur langfristig zum Tragen kommt.

Verkauf kann schwierig sein

Der grosse Vorteil von Gold ist: Wer physisches Gold hält – Barren oder Münzen –, muss nicht befürchten, plötzlich zum Gläubiger eines bankrottgegangenen Unternehmens zu werden. Dabei ist es nicht unbedingt nötig, einen teuren Tresor anzuschaffen. Man kann das Gold auch bei einer Bank lagern. Unabhängig davon, ob man sich auf die Sicherheit der eigenen Matratze oder des Tresorraums einer Bank verlassen will: Grossbanken beschäftigen Händler, die für die Kunden physisches Gold in der gewünschten Stückelung kaufen können. Das hat den Vorteil, dass der Käufer über die Herkunft des Rohstoffs Bescheid weiss. Denn nicht alles Gold wird nach ethischen Standards gewonnen, Minen liegen zum Teil in Krisengebieten. Sowohl bei Barrengold als auch bei Schmuck legen die Konsumenten immer mehr Wert darauf, zu wissen, woher das Metall kommt.

Grosse Barren und Münzen haben allerdings auch Nachteile. Es kann schwierig sein, das Gold schnell wieder zu verkaufen, wenn man Geld braucht – und wenn, dann ist das nur in relativ grossen Einheiten möglich. Dasselbe gilt auch für Altgold wie Schmuck oder alte, unbekannte Goldmünzen. Hier gilt es zudem, genau abzuklären, wie viel das Gold wert ist, und sorgfältig einen seriösen Abnehmer auszuwählen. Fabio Luraschi von der Münzhandlung Erwin Dietrich AG in Zürich empfiehlt, alte Schmuckstücke zuerst bei einem Auktionshaus zu zeigen. Es ist möglich, dass alter Schmuck für Sammler interessant ist und deshalb bei einer Auktion mehr einbringt als den blossen Materialwert. Ist dies nicht der Fall, ist ein professioneller Gold- oder Münzhändler die richtige Anlaufstelle.

Bei Altgold wie Schmuck oder alten, unbekannten Goldmünzen gilt es, genau abzuklären, wie viel das Gold wert ist, und sorgfältig einen seriösen Abnehmer auszuwählen.

Fabio Luraschi, Münzhandlung Erwin Dietrich AG

Zuwarten lohnt sich selten

Wer Gold verkaufen will, sollte im Internet recherchieren: Viele Händler, die zum Teil auch über Broschüren im Briefkasten Werbung machen, bezahlen viel zu wenig. Verkäufer, die bereits eine Offerte eines dubiosen Händlers eingeholt haben, sind gelegentlich von Luraschis viel höheren Angeboten überrascht.

In der Regel lohnt es sich nicht, mit dem Verkauf von Schmuck zuzuwarten. Bei einzelnen Schmuckstücken machen die Schwankungen im Goldpreis ohnehin nur wenige Franken aus. Anders verhält es sich mit grösseren Mengen von mehreren Hundert Gramm. Dort kann man mehr herausholen, wenn man den richtigen Moment aussitzt. So grosse Mengen sind jedoch selten. Luraschi: «In meinem Geschäft in der Zürcher Innenstadt verkaufen die Leute insgesamt lediglich ein paar Hundert Gramm Gold pro Woche.»

Verkaufspreis ist nicht gleich Handelspreis

600 %

Marge ist oft im Kaufpreis von Goldschmuck einberechnet.

Anders als Barrengold oder an einer Börse gehandeltes Edelmetall ist Schmuck niemals eine gute Geldanlage. Der Kaufpreis beinhaltet oft eine Marge von bis zu 600 Prozent, so Luraschi. «Das ist wie bei Kleidern.» Wenn man Gold kaufen will und nicht das Geld für grössere Mengen hat, sind bekannte Münzen wie zum Beispiel Vreneli zu empfehlen, sagt er. Diese seien nicht zu gross, und man kann sie in der Schweiz auch gut wieder verkaufen. In jedem Fall verrechnet der Händler aber eine Marge. Der Verkaufspreis wird immer höher sein als der Handelspreis von reinem Gold. Gerade Schmuck wird ausserdem meist aus Legierungen hergestellt. Gold mit 18 Karat ist zu 75 Prozent rein – entsprechend sinkt der Wert des im Schmuck eingesetzten Goldes um 25 Prozent.

Wenn man Gold kaufen will und nicht das Geld für grössere Mengen hat, sind bekannte Münzen wie zum Beispiel Vreneli zu empfehlen.

Fabio Luraschi, Münzhandlung Erwin Dietrich AG

Papiergold und Fonds als Alternative

Um mit Gold schneller und in kleineren Einheiten handeln zu können, gibt es verschiedene Alternativen zu Barren, Münzen oder Schmuck, erklärt Stefan Graber. So kann man sogenanntes Papiergold kaufen, das gehandelt wird wie Fremdwährungen und in einem entsprechenden Metallkonto verbucht wird. Dabei handelt es sich um Gold, das nicht in physischer Form vorhanden und hinterlegt ist. Ausserdem gibt es börsengehandelte Fonds, die entweder durch direkte Investitionen oder über Zertifikate den Goldpreis nachbilden. Diese Produkte haben den Vorteil, dass ein Anleger sie im Normalfall jederzeit leicht verkaufen kann. Wie bei anderen Finanzprodukten besteht allerdings immerhin die entfernte Möglichkeit, dass durch einen Konkurs das Investment verloren geht. Denn einen direkten Anspruch auf das so gekaufte Gold hat man nicht. Lässt man sein Vermögen von einem gut geführten Institut verwalten und nutzt Gold als Teil einer durchdachten Investitionsstrategie, ist es aber wohl einfacher, dies über Fonds oder eben Papiergold zu tun.

Wer sich das Leben leicht machen will, kann das Gespräch mit der Bank suchen und das Investieren Experten wie Stefan Graber überlassen. Die Chancen sind hoch, dass in diesem Fall ein kleiner Teil des Ersparten in Gold angelegt wird. Und wer gern selbst über jede Investition entscheiden möchte, sollte auf jeden Fall auch Edelmetalle in die Überlegungen miteinbeziehen.