Mit künstlicher Intelligenz den Atem analysieren

Vorhersagen, ob Patienten auf ein Medikament ansprechen – in Echtzeit und ohne invasive Untersuchung: Die digitale Plattform von Deep Breath Intelligence soll dies ermöglichen.

Evelyn Reusser

Christian Zwicky, als CEO treffen Sie viele Entscheide. Welche sind besonders schwierig?

Christian Zwicky Opportunitäten abzulehnen. Im letzten Jahr bekamen wir bis zu 20 Anfragen pro Woche zur Covid-Diagnostik. Dies zeigt, wie viel Potenzial in unserer Lösung steckt. Doch gerade als Start-up ist es besonders wichtig, dass ein Entscheid der eigenen Strategie entspricht, um sich nicht zu verzetteln.

 

Was genau macht Deep Breath Intelligence?

Zwicky Wir haben eine digitale Plattform auf Basis künstlicher Intelligenz für die molekulare Atemanalyse entwickelt. Mit dieser nicht invasiven Untersuchung möchten wir künftig Krankheiten frühzeitig diagnostizieren oder den Wirkungsgrad von Medikamenten für jeden Patienten individuell vorhersagen können.

Ist das so ähnlich wie die Atemprobe beim Alkoholtest?

Zwicky Sehr trivial gesagt, ja. Wir suchen aber nach Molekülen, sogenannten Biomarkern, die in der Atemluft in viel kleineren Konzentrationen auftreten als beim Alkoholtest – wir messen im Verhältnis von eins zu einer Billion. Das entspricht etwa dem Anteil eines Tropfens an der Wassermenge in 20 olympischen Schwimmbecken.

 

Wo liegen die grössten Herausforderungen des Start-ups?

Zwicky Molekulare Atemanalyse wird heute in der Medizin kaum angewandt, trotz den vielen Vorteilen für Patienten und Ärzte. Der Fokus liegt derzeit noch auf Blut- und Gewebeproben, also invasiven Methoden mit beträchtlichem Zeitbedarf und hohen Kosten.

07/10/2022

Wie überzeugen Sie die Kunden?

Zwicky Mit Studien und wissenschaftlichen Publikationen, die beweisen, dass unsere Technologie funktioniert. So haben wir in den Bereichen Epilepsie und Schlafapnoe gezeigt, dass wir Medikamentenkonzentrationen und spezifische Biomarker in Echtzeit im Atem analysieren können.

 

Wieso gerade diese Bereiche?

Zwicky Weil unsere validierten Studien hier am weitesten fortgeschritten sind und wir diese zeitnah in der klinischen Routine einsetzen wollen. Als Start-up sind wir sehr pragmatisch sowie fokussiert und wissen, dass unsere Lösung später ein viel breiteres Anwendungsgebiet zulässt, wie die Diagnose von Lungenkrankheiten oder die frühzeitige Krebserkennung.

 

Wie bleiben Sie fokussiert?

Zwicky Indem wir unsere Prioritätenliste klar vor Augen haben und wie ein Mantra wiederholen: «Das ist unsere Strategie. Das wollen wir umsetzen. Dabei bleiben wir.» Denn für alle anderen Themen braucht es zusätzliche Ressourcen.

Zum Unternehmen

Anzahl Mitarbeitende: 6
Gründungsjahr: 2018
Firmensitz: Rotkreuz
Tätigkeitsbereich: Molekulare Atemanalyse im Medtech-Bereich
Aufgefallen: Die fortschrittliche künstliche Intelligenz der digitalen Plattform birgt grosses Potenzial für ein breites Anwendungsgebiet in der Forschung sowie für personalisierte Medizin.