Die Beschäftigung in der Schweiz steigt wieder

Die Corona-Krise hat den Schweizer Arbeitsmarkt kräftig durchgerüttelt. Im Zuge des ersten Lockdowns sank die Gesamtbeschäftigung im 2. Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 0,9 Prozent. Das war der stärkste Quartalsrückgang seit fast 30 Jahren. Nach einem vorübergehenden, durch den zweiten Lockdown bedingten Rückschlag Anfang 2021 nimmt die Beschäftigung seit dem Frühling wieder zu. Ende September 2021 lag sie bereits rund 0,9 Prozent über dem Vorkrisenniveau.

Schweizer Unternehmen kämpfen mit erschwerter Personalbeschaffung

Die voranschreitende Arbeitsmarkterholung macht sich auch bei der Personalsuche bemerkbar, wie die Arbeitsmarktanspannung zeigt. Letztere bezeichnet das Verhältnis zwischen offenen Stellen und Arbeits- beziehungsweise Erwerbslosen. Die Zahl ist ein Indikator dafür, wie schwierig es aus Arbeitgebersicht ist, vakante Stellen zu besetzen. Liegt der Wert über 1, überwiegt – vereinfachend gesagt – die Nachfrage nach Arbeitskräften. Bei einem Wert unter 1 überwiegt das Angebot an Arbeitskräften.

 

Im 3. Quartal 2021 lag die Anzahl der Vakanzen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt nur noch wenig unter derjenigen der erwerbslosen Personen – das heisst, es ist für Unternehmen in den letzten Quartalen wieder schwieriger geworden, offene Stellen mit geeignetem Personal zu besetzen. Besonders hoch ist die Arbeitsmarktanspannung in der IT-Branche, aber auch in Teilen der Industrie (z. B. Chemie/Pharma, Maschinenbau) oder im Gesundheits- und Sozialwesen sind zurzeit viele Firmen mit Rekrutierungsschwierigkeiten konfrontiert.

Hinweise auf einen «Mismatch» am Schweizer Arbeitsmarkt

Die zunehmende Schwierigkeit für Schweizer Unternehmen, geeignete Arbeitskräfte zu finden, liegt nicht nur am Personalmangel. Es sind vielmehr die Profile der Stellensuchenden, die nicht oder nur beschränkt mit den Anforderungen der ausgeschriebenen Stellen zusammenpassen.

 

Dieser «Mismatch» kann sich auf Branchenzugehörigkeit, Qualifikationen oder Regionen beziehen. Derzeit dürfte der Hauptgrund für das Missverhältnis an divergierenden Entwicklungen in den einzelnen Branchen liegen. Denn die Sektoren, in denen die Anzahl der Vakanzen in den letzten Quartalen am stärksten zugenommen hat, sind nicht unbedingt auch diejenigen, in denen besonders viele Personen auf Stellensuche sind.

 

Hoher «Mismatch» und viele Umorientierungen im Gastgewerbe

Ein solcher «Mismatch» zwischen offenen Stellen und Stellensuchenden war in den letzten Quartalen unter anderem im Gastgewerbe zu beobachten. Neben möglichen Diskrepanzen zwischen den nachgefragten und den angebotenen Berufs- und Qualifikationsprofilen dürften hier auch berufliche Umorientierungen eine besondere Rolle spielen. In der Statistik werden Arbeitslose nämlich der Branche zugeordnet, in der sie zuletzt tätig waren, was aber nicht bedeutet, dass sie auch in dieser Branche eine neue Stelle suchen. Unsere Analyse zeigt, dass es im Jahr 2020 in der Gastronomie und in der Beherbergung überdurchschnittlich viele Branchenwechsel und Arbeitsmarktaustritte (zum Beispiel zur Aufnahme einer Aus- oder Weiterbildung) gab.

Angesichts der steigenden Arbeitsmarktanspannungen verzeichnen Unternehmen in der Schweiz gegenwärtig wieder mehr Rekrutierungsschwierigkeiten als vor einigen Quartalen. Damit erhöht sich für sie auch der Druck, im Wettbewerb um geeignete Arbeitskräfte bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne anzubieten. Für 2022 rechnen wir insgesamt mit einem nominalen Lohnwachstum von 0,8 Prozent.

 

Zudem wird für die Beschäftigung im Jahr 2022 mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum von 1,2 Prozent (in Vollzeitäquivalenten) gerechnet, während dieses Jahr ein Plus von 0,4 Prozent resultieren dürfte.

Monitor Schweiz Q4 2021

Aktuelle Informationen zur Wirtschaftslage in der Schweiz.

23/09/2022

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