Globale CO2-Steuer: Was heisst das für die Schweizer Konsumentennachfrage?

Der Klimawandel schreitet unaufhaltsam voran. Um dem entgegenzuwirken, steht in der Schweiz und weltweit die höhere Besteuerung von CO2-Emissionen zur Debatte. Führen höhere CO2-Preise zu einer Inflation, der sogenannten Greenflation? Die Fachleute der Credit Suisse evaluieren in vier Szenarien, welche Folgen die Verteuerung von CO2-Emissionen auf das hiesige Preisniveau haben könnte.

Franziska Fischer, Ökonomin und Fiskalpolitikexpertin
Meret Mügeli, Ökonomin und Nachhaltigkeitsexpertin

Eine CO2-Steuer würde indirekte Emissionen betreffen

Heizen oder Autofahren verursachen direkte Emissionen. Sie machen jedoch nur 27 Prozent des gesamten CO2-Ausstosses von Schweizer Haushalten aus. Der Rest entsteht im Verlauf der Güterproduktion – hier handelt es sich also um indirekte Emissionen.
CO2-Steuern werden auf diese indirekten Emissionen erhoben. Weil fast alle Wirtschafts- und Produktionsaktivitäten mit einem CO2-Ausstoss verbunden sind, würde eine CO2-Steuer das allgemeine Preisniveau anheben.

Dabei zeigt sich, dass die durchschnittliche indirekte CO2-Intensität des Schweizer Konsums im internationalen Vergleich tief ist. Denn hiesige Haushalte geben verhältnismässig wenig Geld in CO2-intensiven Sektoren aus. Pro konsumierten Franken werden lediglich 0,15 Kilogramm CO2 freigesetzt. Zum Vergleich: In China ist der Wert mit 0,67 Kilogramm CO2 pro konsumierten Franken mehr als viermal so hoch, in Deutschland beträgt er mit 0,30 Kilogramm CO2 das Doppelte. Dies spricht dafür, dass die Schweizer Haushalte gegenüber einem globalen CO2-Preisanstieg weniger stark exponiert wären als diejenigen anderer Länder.

 

Und auch in den bisherigen Monaten des zweiten Lockdowns hat die Schweizer Bevölkerung mit 880 Schweizer Franken pro Haushalt wieder fleissig Geld zurückgelegt. Weil die Konsummöglichkeiten in der zweiten Welle deutlich weniger eingeschränkt waren, fällt das «Übersparen» diesmal aber nur noch ein Drittel so hoch aus wie im vergangenen Frühling.

Verschiedene Szenarien einer CO2-Steuer

Die Fachleute der Credit Suisse evaluieren vier verschiedene Szenarien für eine CO2 Steuer – mit dem Ziel, die Wirkungsrichtungen entlang der globalen Wertschöpfungsströme deutlich zu machen. Aus diesem Grund wurden bewusst gegensätzliche und teils extreme Szenarien gewählt.

 

Und auch in den bisherigen Monaten des zweiten Lockdowns hat die Schweizer Bevölkerung mit 880 Schweizer Franken pro Haushalt wieder fleissig Geld zurückgelegt. Weil die Konsummöglichkeiten in der zweiten Welle deutlich weniger eingeschränkt waren, fällt das «Übersparen» diesmal aber nur noch ein Drittel so hoch aus wie im vergangenen Frühling.

Monitor Schweiz Q1 2022

Lesen Sie in unserer neuen Studie, was die Greenflation für die Schweizer Unternehmen und Konsumenten bedeuten würde.

08/11/2022

Einführung einer CO2-Steuer: vier Szenarien

Welt

Die Weltgemeinschaft entscheidet sich, mittelfristig den Preis von 75 US-Dollar pro Tonne CO2 zu erreichen, den der Internationale Währungsfonds (IWF) zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens empfiehlt. Der neue Preis beträgt zunächst 30 US-Dollar pro Tonne CO2. Die Besteuerung erstreckt sich auf 100 Prozent der globalen Emissionen. Erwartungsgemäss bringt dieses Szenario die grössten Kostensteigerungen sowohl für Wirtschaft als auch für Haushalte mit sich.

 

G7

Analog zum Szenario «Welt» beschliessen die grössten Industrienationen, einen universalen CO2-Preis von 30 US-Dollar pro Tonne umzusetzen. In diesem Szenario sind rund 27 Prozent der globalen Emissionen abgedeckt. Die Schweiz beteiligt sich nicht. Deshalb verteuert sich Energie in der Schweiz um lediglich 0,55 Prozent.

 

Preisanstieg EU-EHS

Der Preis für Emissionszertifikate im Emissionshandelssystem der EU (EU-EHS) steigt marktgetrieben in kurzer Zeit von 80 Euro pro Tonne CO2 (Stand Anfang 2022) auf 107 Euro pro Tonne CO2. Dieses Szenario deckt 6 Prozent der globalen Emissionen ab. Die Kostensteigerungen in der Schweiz betreffen erwartungsgemäss Sektoren, die dem Emissionshandel unterliegen. Doch auch in nachgelagerten Industrien, wie der Landwirtschaft, dem Baugewerbe oder dem Transport, machen sich die Preiserhöhungen bemerkbar.

 

Schweizer Alleingang

Während die Welt bei der Emissionsbepreisung nur langsam Fortschritte macht, beschliesst das Schweizer Stimmvolk eine revidierte Fassung des CO2-Gesetzes, das eine unilaterale Erhöhung und Ausweitung der CO2-Abgabe vorsieht. Neu wird die Abgabe auf alle CO2-Emissionen erhoben und der Betrag steigt auf 148 Franken pro Tonne CO2. Trotz der recht radikalen Massnahme betrifft dieses Szenario nur 0,08 Prozent der globalen Emissionen.

 

Handelsverflechtungen spielen hier keine Rolle, entscheidend sind allein die indirekten Emissionen der heimischen Wertschöpfung, die gemäss unserer Analyse eher tief sind. Die Kostenanstiege manifestieren sich vor allem in der Landwirtschaft, manchen Industriezweigen und der Baubranche. In der Gesamtbetrachtung ist der «Schweizer Alleingang» das günstigste der vier Szenarien – sowohl für die heimische Wertschöpfung als auch für den Konsum der Schweizer Haushalte und das Staatsbudget.

Vorteile einer CO2-Steuer im «Schweizer Alleingang»

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Preissteigerungen in allen vier Szenarien überschaubar bleiben. Der «Schweizer Alleingang» kann hierzulande effektive Anreize zur Emissionsreduktion setzen – und zwar mit relativ geringen Kosten für die Haushalte, wie unsere Analyse zeigt. Einen nennenswerten Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels würde dieses Szenario zwar nicht leisten. Die Schweizer Wirtschaft würde damit jedoch schonend auf eine Erhöhung der globalen CO2-Preise vorbereitet, die früher oder später kommen dürfte.

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