Das Kompetenzzentrum für gemeinnützige Stiftungen Regenerative Systeme als Motoren für den Wandel – ein gedanklicher Diskurs

Regenerative Systeme als Motoren für den Wandel – ein gedanklicher Diskurs

Neue Herausforderungen rufen nach innovativeren Lösungsansätzen. Eine zentrale Idee ist das Prinzip der Regeneration. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Revitalisierung von Ökosystemen. Die Natur zeigt uns in all ihrer Komplexität, wie oft auf magische Weise Wandel passiert. Die Philanthropie spielt in solchen Regenerationsprozessen eine bedeutende Rolle, wobei Stiftungen zentrale Akteure sein können.

Die Welt ist im Umbruch, und das ist gut so. Dies bietet uns Gelegenheit, konsequent neue, von Grund auf andere Wege zu gestalten. Doch wie nutzen wir das uns gegebene Zeitfenster?

Viele sprechen von Neuanfang. Wir diskutieren weitreichende Parolen wie «The New Normal», «Reset» oder «Building Back Better». Dies wirft Fragen auf: Was ist normal? Wollen wir zurück zum Ursprung? Oder bedeutet besser nochmals schneller, höher, weiter? Eines ist klar: Es braucht für die nächsten Schritte vor allem Mut.

Jeder spricht von Nachhaltigkeit. Doch das Schlüsselwort wurde zum Schlagwort, das an Aussagekraft verloren hat, wird es doch immer verwässerter benutzt und gar im Kontext entsprechend weniger verstanden. Zur Erinnerung: Ursprünglich stammt der Begriff aus der Forstwirtschaft des 17. Jahrhunderts und beschrieb schon damals das Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann. Ein aktueller Referenzpunkt des neueren Verständnisses von Nachhaltigkeit ist der berühmte Brundtland-Bericht von 1987. Hier wird Nachhaltigkeit als eine Entwicklung definiert, die die Bedürfnisse der heutigen Generationen befriedigt, ohne dieselben Möglichkeiten künftigen Generationen zu verwehren. In der Realität verbrauchen wir global weiterhin massiv mehr Ressourcen, als die Erde uns zur Verfügung stellt. Das Konzept des effizienten nachhaltigen Handelns ist damit häufig eine lose Worthülse geblieben.

Regeneration – aus genereller und persönlicher Perspektive

Neu nehmen wir den Begriff «Regeneration» im Sprachgebrauch wahr. Gemeint ist die natürliche Erneuerung. Gerne wird er im Zusammenhang mit Landwirtschaft, Kulturen oder einem entsprechenden Führungsstil kombiniert. Und schon stellen wir fest, dass auch hier die Gefahr besteht, ein neuartig klingendes Schlagwort zu benutzen, um Altes neu zu verpacken.

Der Kern meiner persönlichen Geschichte ist es, mich wieder mehr mit der Natur (zurück) zu verbinden. Dies ist der Beginn einer Abenteuerreise im Rahmen regenerativer (Öko-)Systeme. So lernte ich zum Beispiel, dass es nicht alleine darum geht, Bäume (oft in Monokultur) zu pflanzen, sondern den Zustand der (Bio-)Diversität wiederherzustellen. Und neue Fragen tauchen auf: Wie ernähren wir uns gesund und schützen dabei die Böden? Welche Formen der Landwirtschaft gibt es im Einklang mit der Natur? Was können Wälder zur Nahrungsproduktion beitragen? Wie schützen, renaturieren und nutzen wir Landschaften, Auen, Moore, Flüsse und Meere?

Wenn wir dieses Verständnis von regenerativer Landwirtschaft in unser Tun integrieren und auf zusätzliche Bereiche ausweiten, beginnt eine weitreichende Transformation. Doch das erfordert Geduld, vorrausschauendes Denken und Zusammenarbeit.

Hier kommt mir das Zitat von Albert Einstein in den Sinn, das dieser Tage oft verwendet wird: «Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.» So sollten also auch wir unser Denken neu kalibrieren und mit einer offeneren Geisteshaltung an die Dinge herangehen.

Wie und wo finden wir das Neue?

Doch die Aufmerksamkeit auf Neues zu lenken, ist gar nicht so einfach. Wir sehen das eindrücklich am Beispiel des Hamburgers. Derzeit wird der Fleisch-Burger sinnbildlich durch den veganen Burger ersetzt. Doch sollten wir nicht lieber schauen, wo das kulinarische Erlebnis ausgebaut werden kann? Welche lokalen mehrjährigen essbaren Pflanzen können wir zum Beispiel wieder in unsere Nahrungsversorgung integrieren? Wir alle haben die Möglichkeit, hier zu experimentieren. Diese Entdeckungsreise kann Spass machen, wie viele Hobbyköche in den letzten Monaten dokumentiert haben.

Die Rolle der Philanthropie

Philanthropie spielt in dieser Phase eine essenzielle Rolle. Neben unserem Denkwandel braucht es dringend finanzielle Mittel, um die Transformation zu ermöglichen. Dies braucht Zeit. Wir sehen, dass sich die Dinge nicht linear entwickeln und oft auch nur schwierig quantifizierbar sind. Aber gerade in diesem evolutionären, langfristig ausgerichteten Ansatz liegt das Potenzial für Erfolg. Im Grunde sind wir der Wandel, denn Systeme verändern sich aus sich selbst heraus. Wobei eines hervorgehoben werden sollte: Es kann und sollte Spass machen. «Dancing with Systems» postulierte die Umweltwissenschaftlerin Donella Meadows bereits vor vielen Jahren. Dies trägt zur Magie des Wandels bei.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass ein koordiniertes Vorgehen von gleichgesinnten Stiftern, Stifterinnen und Stiftungen den Erfolg des Engagements erhöht. Zugleich scheint das Potenzial funktionierender Kooperationen noch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Diese Chance erlaubt Stiftungen und uns als Menschen, Position zu beziehen sowie Neues auszuprobieren. Das vorstehende Bild des kulinarischen Erlebens soll Lust machen, auch in anderen Bereichen Neues auszuprobieren. Aufgeweckt, explorativ und mutig zu sein, sich seiner Verantwortung bewusst zu werden und entsprechend zu handeln. Wir haben als Individuen sowie als Institutionen das Privileg der Wahl und die Fähigkeit, bewusst Impulse für Veränderung zu setzen. In meinem kleinen Universum kann ich der Wandel sein. Es fügt sich dann zu Grösserem. Wir haben jetzt eine einmalige Gelegenheit dazu.

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