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Im Interview: André Schneider

Der Vizepräsident für Planung und Logistik an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) im Gespräch über die Erfolgsfaktoren der Kaderschmiede in der Westschweiz.

EPFL, HRS, die beiden Immobilienfonds Credit Suisse Real Estate Fund Hospitality und Credit Suisse Real Estate Fund LivingPlus sowie der Bund haben auf dem Campus in Lausanne das neue SwissTech Convention Center im Rahmen einer Private Public Partnership (PPP) realisiert. Herr Schneider, hat sich aus Sicht der EPFL das Zusammengehen von öffentlicher Hand und privaten Investoren gelohnt?

Die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren lohnt sich für uns. Sie hat es der EPFL erlaubt, dieses Kongresszentrum zu bauen, das ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Strategie ist, um besser über unsere Forschungsinitiativen und -resultate zu kommunizieren. Damit helfen wir einer breiteren Bevölkerung zu verstehen, wie wichtig Forschung ist und wie die Resultate unser Leben verbessern und verändern. Wir bieten damit eine Plattform des internationalen Austausches zwischen Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern. Dies ist gerade heute für eine führende Forschungsuniversität wie die EPFL unheimlich wichtig.

Was hat die EPFL bewogen, das Projekt nicht allein, sondern gemeinsam mit zwei Immobilienfonds der Credit Suisse zu realisieren?

Die EPFL steht häufig vor Anforderungen strategischer Projekte, die für die Weiterentwicklung der Schule sehr wichtig sind, die aber nicht auf eine Finanzierung des Bundes zählen können. Da wir nur sehr limitiert Reserven bilden dürfen, sind solche Projekte am Ende oft nur mit Hilfe von Immobilienfonds als PPP-Projekte zu realisieren. Diese Möglichkeit ist für uns sehr wichtig, um unsere Entwicklung zeitgerecht unterstützen zu können. Deshalb sind wir Immobilienfonds, die uns in solchen strategischen Projekten unterstützen, wie die zwei der Credit Suisse, sehr dankbar.

Sie selber sind Musiker, Doktor in IT-Wissenschaften, Wirtschaftsexperte, haben Ihre eigene Beratungsfirma gegründet und sitzen auch in Verwaltungsräten diverser Unternehmen. Haben Sie keine Angst vor Interessenskonflikten?

Nein, es ist ganz klar wichtig die Grenzen klar zu setzen und auch klar zu vermeiden dass man in Situationen ist, die einen Interessenkonflikt nicht verhindern lässt. Auf der anderen Seite tragen meine anderen Aktivitäten, die sich alle im Umfeld der nachhaltigen Entwicklung befinden, meiner Erfahrungen in diesem Umfeld zu und gerade diese Erfahrungen sind wichtig für meine Arbeit an der EPFL und tragen auch unserem neuen Institut für Technologie und Public Policy bei. Ich glaube auch dass es wichtig ist, dass wir, Vertreter einer Institution wie der EPFL, uns für eine nachhaltigere Entwicklung in dieser Welt einsetzen, sei dies im Bereich des Klimawandels, der grünen Ökonomie, der nachhaltigen Infrastrukturen und auch der nachhaltigen Mobilität.

Das SwissTech Convention Center und die dazugehörigen Wohngebäude für die Studierenden sind nun fertig gebaut und Anfang April 2014 mit einem grossen Fest eröffnet worden. Ihr Eindruck vom neuen EPFL-Campus?

Das SwissTech Convention Center und auch die Wohngebäude für Studierende erfüllen wichtige Anforderungen und sind hervorragende Erweiterungen des EPFL-Campus. Auf der einen Seite ist die EPFL mit ihrer ausgezeichneten Stellung im Vergleich zu anderen internationalen Universitäten ein starker Magnet für internationale Studenten und Doktoranden. Hier sind die neuen Studentenwohnungen von höchster Bedeutung in einem sehr gespannten Wohnungsumfeld in der Region. Auf der anderen Seite braucht eine führende Institution wie die EPFL ein solches Convention Center als Plattform für die internationale Kommunikation und den Ideenaustausch zwischen Wissenschaftlern und der Wirtschaft.

Welche Bedeutung hat das topmoderne SwissTech Convention Center für die EPFL? Welche Möglichkeiten eröffnet es, die Sie zuvor in dieser Art noch nicht hatten?

Es eröffnet der EPFL eine Plattform auf höchstem technologischen Niveau die den Austausch zwischen Wissenschaftlern und der Wirtschaft international direkt auf unserem Campus wesentlich erleichtert.

Die Wissenschaft muss sich heute mit ihren Resultaten professionell präsentieren. In diesem Sinne ist das SwissTech Convention Center ein Fenster zur Welt. Würden Sie dem zustimmen?

Ja, absolut und heute ist dies noch wichtiger denn je.

Noch nie hat eine Schweizer Hochschule von der EU 500 Mio. EUR an Forschungsgeldern für ein einziges grosses Projekt erhalten. Die EPFL hat es mit dem Human Brain Project geschafft und die anderen Hochschulen Europas ausgestochen. Was macht Lausanne besser?

Ich denke, dies hat mit mehreren Faktoren zu tun. Zuallererst hat die Direktion der EPFL dieses Projekt schon sehr früh gefördert, und dies als viele anderen Institutionen noch nicht daran geglaubt haben. Dann hat die EPFL dieses Projekt auch sehr stark personell und finanziell unterstützt und somit dem Projekt geholfen, von Anfang an die richtigen Topforscher anzuziehen und auf höchstem Niveau dabei zu sein. Und letztendlich haben die Forscher dieses Projekts und auch die Direktion der EPFL verstanden, dass ein solches Projekt mit mehreren Institutionen aufgebaut werden muss – sei es im Raum des Arc lémanique oder international. Diese Vorgehensweise hat es erlaubt, in dieser vernetzten Welt ein globales Projekt aufzubauen, das die besten Forscher vieler Institutionen involviert und diese grosse Herausforderung gemeinsam angehen lässt.

Beim Human Brain Project geht es darum, auf einem Supercomputer ein menschliches Hirn nachzubilden. Was erwarten Sie sich davon, Herr Schneider?

Hier gibt es sehr viele Erwartungen und mögliche Resultate, aber dabei geht es nicht um die Nachbildung, sondern um die Simulierung des Hirns. Lassen Sie mich eine wichtige Erwartung speziell erwähnen. In den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden, Medikamente für wichtige Hirnkrankheiten zu entwickeln. Dies wohl auch deswegen, weil es sehr schwer ist, die Interaktion von neuen Molekülen mit dem Hirn zu analysieren und zu verstehen. Eine solche Simulation könnte es unglaublich erleichtern zu verstehen, welche Typen von neuen Molekülen gebraucht werden und auch ihre Interaktion mit dem Hirn zu analysieren. Und dies bevor Tests mit Menschen stattfinden müssen.

EPFL und die Uni Lausanne bilden zusammen eine „Stadt“ von 28 000 Menschen – gewissermassen die zweitgrösste Stadt des Kantons Waadt. Ist damit eine optimale Grösse erreicht oder ist mit weiterem Wachstum zu rechnen?

Die „richtige“ Grösse und das „richtige“ Wachstum sind wichtige Themen und werden auch kontinuierlich diskutiert. Man muss aber auch verstehen, dass wir keinen Numerus Clausus für Studenten an der EPFL haben und auch dank unserer guten Stellung im internationalen Universitätswettbewerb weiterhin sehr gute Studenten anziehen. Wir haben über die letzten Jahre mit ungefähr 10% Wachstum gelebt. Dazu kommt, dass Wachstum wichtig bleibt, wenn wir weiterhin in den Topuniversitäten bleiben wollen, dies auch um die neuen besten Talente auf allen Niveaus anziehen zu können. Aber ein solches Wachstum muss auch durch die richtigen Infrastrukturen unterstützt werden, und deshalb die Diskussion über das „richtige“ Wachstum.

Sie stehen neuen Formen der Bildungsvermittlung positiv gegenüber, vor allem den Online-Angeboten, welche Kurse von Spitzenhochschulen bis in die letzten Winkel der Welt verbreiten können. Freie Bildung für alle – ist das Ihr Motiv?

Ich würde es eher so formulieren, offener Zugang zu den besten Professoren und den besten Ausbildungen und dies für alle Studenten in der ganzen Welt. Ja, diese online Angebote (meist auch Massive Open Online Courses, oder MOOC genannt) können diesen Traum erfüllen, müssen aber mit lokalen Angeboten zu Gebieten wie praktische Arbeiten und Laboratorien komplettiert werden.

Aus welchen Forschungsbereichen erwarten Sie in den nächsten zehn Jahren die bahnbrechendsten Ergebnisse?

Es wird sehr viele geben. Hier nur ein paar Bespiele: Human Brain mit seiner Simulation des Gehirns, und Advanced Manufacturing mit den fast unbegrenzten Möglichkeiten des 3D-Druckens. Als letzte Beispiele das Zusammenkommen von Informatik und Big Data sowie die personalisierte Medizin.

Letzte Frage: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für die EPFL, was würden Sie sich wünschen?

Weiter auf dem Pfad des Erfolgs und der Bedeutung zu wachsen und dies auch mit den neuen Herausforderungen nach der Abstimmung zur Immigration.

André Schneider, Vizepräsident für Planung und Logistik

André Schneider, Vizepräsident für Planung und Logistik

Seit August 2013 ist Schneider bei der EPFL als Mitglied der Schulleitung tätig. Die EPFL hat sieben Fakultäten mit 13 Studiengängen und beschäftigt rund 240 Professoren sowie über 1 600 Doktoranden. Rund 9 000 Studenten sind eingeschrieben. www.epfl.ch

Mehr Informationen über das SwissTech Convention Center erhalten Sie hier: tstcc.ch

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