Insurance Linked Strategies Risikotransferinstrumente

Risikotransferinstrumente
ILS Risikotransferinstrumente

Catastrophe Bonds (kurz: Cat Bonds) sind besicherte Instrumente, die ein bestimmtes Versicherungsrisiko (vorwiegend Naturkatastrophenrisiken) vom Sponsor (beispielsweise Versicherungsgesellschaft) auf den Kapitalmarkt (beispielsweise ILS-Fonds) übertragen, der im Gegenzug eine Risikoprämie erhält.

Der Cat-Bond-Investor (beispielsweise ILS-Fonds) muss die Verbindlichkeiten vollständig besichern. Die Sicherheiten werden meistens in einem Treuhandkonto gehalten und in Geldmarktinstrumente investiert. Wenn während der Risikoperiode ein versichertes Ereignis eintritt, muss der Cat-Bond-Investor mit einem teilweisen oder vollständigen Verlust seines investierten Kapitals rechnen.

Cat Bonds können verschiedene Strukturen aufweisen. Sie können als Single Occurrence Cover strukturiert sein, was bedeutet, dass ein einzelnes Ereignis einen Verlust auslösen kann. Oder sie können als Multiple oder Aggregate Cover strukturiert sein, was bedeutet, dass innerhalb der festgelegten Risikoperiode mehrere Ereignisse eintreten müssen, bevor der Investor einen Verlust erleidet.

Die Trigger-Art ist ein weiteres wichtiges Element einer Cat-Bond-Transaktion. Die Sponsoren bevorzugen in der Regel Indemnity Triggers, da sie auf dem effektiven Schaden basieren und somit das Basisrisiko eliminieren. Anleger hingegen bevorzugen meistens andere Trigger-Strukturen wie Industry Loss oder Parametric Triggers, da sie transparenter sind und das moralische Risiko minimiert.

Im Gegensatz zu ILS Privattransaktionen bieten Cat Bonds gewisse Liquidität aufgrund des bestehenden Sekundärmarkts. Ihr Nachteil liegt aber darin, dass der Cat-Bond-Markt mit rund USD 24,3 Mia. (per September 2017, ohne Life und Private Cat Bonds, Quelle: Credit Suisse) vergleichsweise klein ist und deshalb der Fondsmanager eingeschränkt ist in der Auswahl der Risiken und im Aufbau eines diversifizierten Portfolios. Zudem ist der Markt stark konzentriert: ungefähr 65 % des ausstehenden Cat-Bond-Volumens beziehen sich auf US-Hurrikan-Risiken1.

Der Preis von Cat Bonds wird in der Regel von saisonalen Faktoren (beispielsweise der US-Hurrikan-Saison), Katastrophenereignissen sowie dem Angebot und der Nachfrage im Markt bestimmt. 

Eine ILS-Privattransaktion ermöglicht nicht bewerteten Gesellschaften wie ILS-Fonds, sich am traditionellen Rückversicherungsmarkt zu beteiligen. Sie sind ähnlich aufgebaut wie Cat Bonds. Der Rückversicherer bzw. Versicherer überträgt bestimmte Risiken aus seiner Bilanz an den Kapitalmarkt (beispielsweise ILS-Fonds).

Die Transaktionen sind normalerweise vollständig besichert, sodass die Gesamtverbindlichkeiten nicht höher sind als der Wert der hinterlegten Sicherheiten. Für jede Transaktion ist ein Special-Purpose Reinsurer oder Transformer erforderlich, um das Rückversicherungs- bzw. Versicherungsrisiko im Kapitalmarkt verfügbar zu machen. Die Gesamtrendite aus ILS-Privattransaktionen setzt sich aus der Rendite der Sicherheiten und der Rückversicherungs-Risikoprämie zusammen. Die Prämie wird im Voraus geleistet, und die Sicherheiten werden in der Regel in einem separat geführten Konto gehalten und in Geldmarktanlagen investiert. Wenn das versicherte Ereignis nicht eintritt, wird das eingesetzte Kapital nach der Risikoperiode wieder freigegeben.

ILS-Privattransaktionen weisen verschiedene Strukturen in Bezug auf Trigger-Levels und Trigger-Arten auf.

Im Gegensatz zu Cat Bonds haben ILS-Privattransaktionen eine viel höhere Einstiegsbarriere, da fundierte Kenntnisse des Rückversicherungsgeschäfts, langjährige Beziehungen und eine umfassende Infrastruktur erforderlich sind, um in diesem Segment des ILS-Marktes tätig zu sein. Der enorme Vorteil dieser Transaktionen ist das grosse Anlageuniversum von rund USD 400 Mia., das ein viel höheres Diversifikationspotenzial bietet.

Diese Transaktionen sind nicht handelbar und haben in der Regel eine Laufzeit von bis zu einem Jahr.

Eine Industry Loss Warranty (ILW) ist eine mögliche Struktur einer ILS-Privattransaktion. Sie ist eine Form von Derivat- oder Rückversicherungsvertrag, dessen Trigger auf den Schäden der gesamten Versicherungsbranche statt einer spezifischen Versicherungsgesellschaft basiert.

Mit diesen Instrumenten können sich Rückversicherer und Versicherer gegen spezifische Risiken (beispielsweise US-Stürme) in der Höhe ihres Portfolio-Exposures absichern, ohne das zugrunde liegende Portfolio offenlegen zu müssen. Anders als Transaktionen, die auf dem effektiven Schaden basieren (genannt Indemnity Trigger), ist der Käufer einer ILW in der Regel einem gewissen Basisrisiko ausgesetzt, da der Gesamtschaden der Versicherungsbranche stark von seinem eigenen Verlust abweichen kann.

Durch ihre standardisierten Strukturen sind ILW einfach abzuwickeln und bieten wenig Spielraum für Unstimmigkeiten, da die Indexdaten auf unabhängigen Informationen basieren.

Property Claim Services (PCS) werden hauptsächlich als Indexanbieter für US-bezogene Transaktionen genutzt. PERILS dient in der Regel als Index für europäische Transaktionen, während andere Regionen sich auf Sigma (Swiss Re) oder MRNC (Munich Re) beziehen.

Der ILW-Markt ist mit rund USD 5 Mia. eher klein und wird von Kapitalmarktteilnehmern (beispielsweise ILS- und Hedgefonds Managern) dominiert.

Quota Share (QS) ist eine weitere mögliche Struktur einer ILS-Privattransaktion. Sie ist eine Form der proportionalen Rückversicherung, bei der der Risikoübernehmer (z. B. ILS-Fonds) einen Pro-rata-Anteil des Bestands des Zedenten (z. B. Versicherer) für eine spezifische Region oder Risikoklasse übernimmt. Die beiden Parteien teilen sich die Verbindlichkeiten, die Prämien und die Verluste gemäss dem vereinbarten Prozentsatz, wodurch sich ihre Interessen vollumfänglich decken. Der Risikoübernehmer bezahlt dem Zedenten in der Regel eine Abtretungs- und/oder Gewinnkommission, um dessen Kosten für das Underwriting des Portfolios auszugleichen.

Dieses Instrument hat den Vorteil, dass seine Struktur relativ einfach ist und eine effiziente Nutzung des Kapitals ermöglicht. Zudem kann es z. B. einem ILS-Fonds Zugang zu attraktiven und diversifizierten Risiken in Bereichen bieten, in denen er weniger Erfahrung hat oder zu denen für ihn kein direkter Zugang besteht. Für den Zedenten ist dies ein effizienter Weg, um die Volatilität in seinem eigenen Portfolio zu begrenzen und zusätzliche risikofreie Erträge in Form einer Abtretungskommission zu generieren.

Retrozession ist eine weitere Form von ILS-Privattransaktionen. Es ist als  Rückversicherung der Rückversicherung zu verstehen, oder anders gesagt tritt eine Rückversicherungsgesellschaft einen Teil ihres zugrunde liegenden Portfolios an eine andere Rückversicherungsgesellschaft ab, um ihr eigenes Risiko zu begrenzen und zusätzliche Kapazität zu schaffen. Die Transaktionsstrukturen und Trigger-Arten können je nach Transaktion unterschiedlich sein.

In der Regel ist nur eine bestimmte Gruppe von Risiken Teil der Transaktion, diese kann aber auch den gesamten Bestand des Zedenten umfassen.

Der Retrozessionsmarkt wird von ILS-Managern dominiert und ist mit rund USD 15 Mia. recht klein. Deshalb können die Preise je nach Angebot und Nachfrage im Markt stark variieren.

Ein Reinsurance Sidecar ist eine Zweckgesellschaft, mit der die Anleger sich während eines bestimmten Zeitraums am Rendite-Risiko-Potenzial eines begrenzten Portfolios von Versicherungspolicen beteiligen können. Reinsurance Sidecars sind für die Anleger attraktiv, da sie von den unkorrelierten Renditen der Versicherungsprämien profitieren können, ohne mit dem langfristigen Risiko eines Versicherungsportfolios verbunden zu sein. Für den Zedenten ist dies ein effizienter Weg, um seine Risikotragfähigkeit zu erhöhen, da Sidecars in der Regel unabhängige, bilanzunwirksame Gesellschaften sind.

Reinsurance Sidecars sind in der Regel vollständig besichert und unterliegen einer Abtretungs- und/oder Gewinnkommission. Anders als bei Quota Shares kann der beschaffende Versicherer sich am Reinsurance Sidecar beteiligen, muss dies aber nicht. Somit decken sich die Interessen der beiden involvierten Parteien nicht zwangsläufig.