Glossar

A

Abtretungskommission

Die Abtretungskommission ist eine Gebühr, die die abtretende Gesellschaft (d. h. die Versicherungs- oder Rückversicherungsgesellschaft) für die Beschaffung und Verwaltung der zugrunde liegenden Policen verlangt. Sie wird in der Regel bei einer Quota-Share oder Sidecar-Anlage erhoben.

Aggregate Cover

Eine Transaktion, die im Laufe der festgelegten Risikoperiode mehreren Ereignissen ausgesetzt ist (beispielsweise allen Naturgefahren in Australien, die einen Gesamtschaden der Versicherungsbranche von USD 10 Mia. verursachen). Der Betrag der Gesamtschäden ist massgebend dafür, ob die Transaktion ausgelöst wird oder nicht. In der Regel wird eine Mindestschadenhöhe festgelegt, die erreicht sein muss, damit sie für die Aggregate Cover berücksichtigt wird. Sie ist das Gegenteil der Single-Occurrence Cover.

Attachment Point

Bei linearen Auszahlungstransaktionen wird der über den Attachment Point hinausgehende Verlustbetrag ausbezahlt.

B

Binäre versus lineare Auszahlung

Bei gewissen Transaktionsarten, beispielsweise bei Industry Loss Warranties, wird der gesamte vertraglich vereinbarte Geldbetrag ausbezahlt, sobald die Transaktion aufgrund der festgelegten Trigger-Art ausgelöst worden ist. Dies wird als binäre Auszahlung bezeichnet. Im Gegensatz dazu erfolgen lineare Auszahlungen linear zum zugrunde liegenden Schaden, auf dem der Vertrag basiert.

C

Catastrophe Bonds (kurz: Cat Bonds)

Catastrophe Bonds sind besicherte Instrumente, die ein bestimmtes Versicherungsrisiko (vorwiegend Naturkatastrophenrisiken) vom Sponsor (beispielsweise Rückversicherungs-/Versicherungsgesellschaft) auf einen Anleger (beispielsweise ILS-Fonds) übertragen, der im Gegenzug eine Risikoprämie erhält. Für weitere Einzelheiten wird auf den Abschnitt Risikotransferinstrumente verwiesen.

D

E

Excess Mortality Risk (im ILS-Kontext)

Hierbei überträgt der Sponsor das Risiko, dass die Sterblichkeitsraten höher ausfallen als erwartet. Dies geht in der Regel einher mit dem Bedürfnis, das Exposure bei einem schweren Pandemieereignis zu decken.

Exhaustion Point

Der Exhaustion Point bestimmt den maximalen Deckungsbetrag. Der Unterschied zwischen dem Attachment Point und dem Exhaustion Point entspricht der maximalen Verbindlichkeit eines Vertrags. Sobald der Exhaustion Point erreicht worden ist, ist die Transaktion ausgeschöpft, und es besteht keine Verbindlichkeit mehr für weitere Schäden.

Excess of Loss Reinsurance

Excess of Loss Reinsurance ist eine Form der nichtproportionalen Rückversicherung, die Verluste deckt, die über einen festgelegten Selbstbehalt (Attachment Point) bis zu einem bestimmten Höchstbetrag (Exhaustion Point) hinausgehen. Beispielsweise bedeutet USD 10 Mia. Excess USD 5 Mia., dass der Verkäufer der Versicherungsdeckung sämtliche Verluste, die den Selbstbehalt des Zedenten von USD 5 Mia. übersteigen, bis zum Höchstbetrag von USD 15 Mia. decken muss.

Expected Loss (EL)

Der Expected Loss ist eine Durchschnittskennzahl, die den Verlust angibt, der über ein Jahr erwartet werden kann. Er ist ein guter Indikator, mit dem die Anleger das Risiko in einem Portfolio bewerten können. Doch für Anlageklassen mit hohen Tail-Risiken (wie ILS) ist sie nicht die am besten geeignete Kennzahl, da die Verluste in den meisten Jahren deutlich unter dem EL und in Jahren mit schweren Ereignissen deutlich über dem EL liegen können.

F

G

Gewinnkommission

Die Gewinnkommission ist eine Gebühr, die die abtretende Gesellschaft für ein gewinnbringendes Underwriting entschädigt. Sie wird oft zusätzlich zur Abtretungskommission erhoben und soll als Anreiz dienen, um positive Underwritingrenditen zu erzielen. Die Bedingungen (z. B. mit oder ohne Hurdle) richten sich nach der jeweiligen Vereinbarung.

H

Hard Market

Hard-Market-Bedingungen sind in der Regel dann gegeben, wenn die versicherten Schäden höher sind als erwartet (z. B. nach einer Grosskatastrophe) oder wenn andere Ereignisse sich auf die Kapitalstruktur der Rückversicherungs- und Versicherungsbranche auswirken (z. B. eine Finanzkrise oder neue Regulierungsbestimmungen). Infolgedessen ist im Markt weniger Deckung vorhanden, wohingegen die Nachfrage sehr hoch ist. Prämiensätze erhöhen sich entsprechend. Das Gegenteil von Hard Market ist Soft Market.

I

ILS-Privattransaktionen

ILS-Privattransaktionen ermöglichen nicht bewerteten Gesellschaften wie ILS-Fonds, sich am traditionellen Rückversicherungsmarkt zu beteiligen. Der Rückversicherer bzw. Versicherer überträgt bestimmte Risiken aus seiner Bilanz an den Kapitalmarkt (beispielsweise ILS-Fonds). Für weitere Einzelheiten wird auf den Abschnitt Risikotransferinstrumente verwiesen.

Indemnity Trigger (auch UNL – Ultimate Net Loss)

Der Indemnity Trigger basiert auf dem effektiven Verlust, den der Sponsor (Zedent) erleidet. Sponsoren bevorzugen in der Regel diese Struktur, da sie kein Basisrisiko beinhaltet. Indemnity Trigger werden von den Anlegern jedoch weniger bevorzugt, da es hier schwieriger ist, das Risiko zu berechnen, und der Prozess der Schadenbewertung und -abwicklung langwierig sein kann. Der Indemnity Trigger ist heute die häufigste Trigger-Art im ILS-Markt.

Industry Loss Trigger

Der Industry Loss Trigger basiert auf dem Gesamtschaden der Versicherungsbranche. Diese Daten werden in der Regel von einem unabhängigen Unternehmen bereitgestellt (beispielsweise PCS für die USA oder PERILS für Europa). Das Basisrisiko kann für den Sponsor erheblich sein, da der Anteil des Sponsors am Gesamtschaden der Versicherungsbranche selten seinem eigenen Verlust entspricht. Für den Anleger ist dies jedoch eine sehr attraktive Struktur, denn sie ist transparenter und einfacher zu berechnen, und die endgültigen Schadendaten sind in der Regel rascher verfügbar.

J

K

Kapitalauszahlung

Transaktionen verfügen in der Regel über einen Auszahlungsplan. Dieser bestimmt den Zeitrahmen und den Schwellenwert, die massgebend sind, damit die Sicherheiten nach der Risikoperiode freigegeben werden. Falls nach einem Ereignis Unsicherheiten bestehen, können die gesamten Sicherheiten oder ein Teil davon blockiert werden, bis der Sachverhalt vollständig geklärt und der Schadensbetrag bestätigt worden ist.

L

Longevity Risk (im ILS-Kontext)

Hierbei überträgt der Sponsor das Risiko, dass die allmähliche Verbesserung der Sterblichkeitsraten höher ausfällt als erwartet, wodurch länger Renten an die Policeninhaber bezahlt werden müssen.

M

Modeled Trigger

Der Modeled Trigger basiert auf dem Verlust des Sponsors, der von einem unabhängigen Risikomodellierer berechnet wird. Im Gegensatz zum Indemnity Trigger verringert diese Struktur das Moral-Hazard-Risiko, und die Forderungen werden in der Regel rasch abgewickelt. Der Sponsor ist jedoch einem gewissen Basisrisiko ausgesetzt.

N

O

P

Parametric Trigger

Der Parametric Trigger basiert auf messbaren Parametern wie der Wind- oder Erdbebenstärke. Die Anleger schätzen diese Struktur, weil die Forderungen rasch abgewickelt werden und kaum ein Moral-Hazard-Risiko besteht. Für den Sponsor ist er wegen des hohen Basisrisikos weniger attraktiv.

Private Cat Bonds (auch Cat Bond Lite)

Private Cat Bonds haben in der Regel kleinere Volumen und die Dokumentations- und Offenlegungspflichten sind weniger umfassend (im Gegensatz zu den traditionellen Rule 144a Cat Bonds). Diese Struktur erleichtert kleineren Sponsoren den Markteintritt, da die Strukturierungskosten geringer sind. Sie sind in der Regel jedoch weniger liquide als herkömmliche (144a) Cat Bonds.

Q

R

Reinstatement

Herkömmliche Katastrophen-Rückversicherungstransaktionen können bis zu drei Reinstatements beinhalten. Sobald eine Transaktion während der festgelegten Risikoperiode einen vollständigen Verlust erlitten hat, bezahlt der Rückversicherte die Prämie erneut und erhält im Gegenzug erneut Rückversicherungsdeckung für die verbleibende Risikoperiode. Dies bietet dem Zedenten Schutz gegen eine grosse Häufigkeit schwerer Ereignisse. Diese Strukturen werden in der Regel nicht in der besicherten Rückversicherung verwendet, da die Verbindlichkeiten aus dem Reinstatement ebenfalls von Anfang an besichert werden müssen, obwohl die Reinstatement-Prämie vielleicht nie bezahlt wird, was die Transaktion sehr kapitalintensiv und uninteressant macht.

S

Second, Third or Subsequent Event Cover

Eine Transaktion, die nur einem zweiten oder nachfolgenden Ereignis innerhalb der festgelegten Risikoperiode ausgesetzt ist (beispielsweise ein zweiter US-Hurrikan, der einen Gesamtschaden der Versicherungsbranche von USD 20 Mia. verursacht). Das heisst, dass ein einzelnes Ereignis innerhalb der Risikoperiode die Transaktion nicht auslösen kann, unabhängig von der Schwere des Ereignisses.

Single-Occurrence Cover

Eine Transaktion, die Forderungen aus einem bestimmten Einzelereignis während der vereinbarten Risikoperiode deckt (beispielsweise ein Erdbeben in Japan, das für die gesamte Versicherungsbranche Schäden von USD 20 Mia. verursacht). Sie ist das Gegenteil der Aggregate Cover.

Soft Market

Soft-Market-Bedingungen sind in der Regel dann gegeben, wenn die versicherten Schäden geringer sind als erwartet und ausreichend Rückversicherungsdeckungen im Markt vorhanden sind. Demzufolge übersteigt das Angebot an Deckung die Nachfrage im Markt, wodurch sich die Prämiensätze verringern. Das Gegenteil von Soft Market ist Hard Market.

T

Tail Value at Risk (TVaR oder Expected Shortfall)

Ausgehend von der Definition des VaR gibt der TVaR den erwarteten Wert des Verlustes im Portfolio an, falls der Verlustschwellenwert überschritten wird.

Beispielsweise bedeutet ein VaR von 99 % von USD 1 Mio. über ein Jahr, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Schaden aus einem Ereignis USD 1 Mio. oder mehr in einem Jahr ausmacht, 1 % beträgt. Wenn der entsprechende TVaR USD 2 Mio. ist, dann beträgt der erwartete Verlust im Portfolio USD 2 Mio., falls dieser Schwellenwert überschritten wird.

Im Gegensatz zum VaR eignet sich der TVaR besser, um das Tail-Risiko zu messen.

Transformer (auch Special-Purpose Reinsurer)

Ein Transformer ist eine Rückversicherungs-Zweckgesellschaft, die für ILS-Privattransaktionen  benötigt wird. Er wandelt einen Rückversicherungsvertrag in einen Finanzkontrakt um. Der Transformer schliesst einen Rückversicherungsvertrag mit dem Sponsor und gleichzeitig einen Finanzkontrakt mit dem ILS-Fonds ab, da ILS-Fonds nicht über eine Rückversicherungslizenz verfügen und somit nicht direkt einen Rückversicherungsvertrag abschliessen können.

Trigger-Art

Die Trigger-Art bestimmt, unter welchen Umständen eine Transaktion einen Verlust erleidet. Es gibt vier häufige Trigger-Arten: Indemnity Trigger, Industry Loss Trigger, Parametric Trigger und Modeled Trigger. Gemischte Trigger sind eine Kombination verschiedener Trigger-Arten, beispielsweise ein Indemnity Trigger kombiniert mit einem Industry Loss Trigger oder einem Modeled Trigger.

Trigger-Level

Der Trigger-Level bestimmt den Schwellenwert, der erreicht werden muss, bevor eine Transaktion einen Verlust erleidet. Bei Verträgen mit binärer Auszahlung wird der gesamte vertraglich vereinbarte Geldbetrag ausbezahlt, sobald der Trigger-Level erreicht worden ist.

U

V

Value at Risk (VaR)

VaR ist eine Kennzahl, welche das Risiko in einem Portfolio misst. Sie bestimmt den Verlustschwellenwert in einem Portfolio, welcher bei einer bestimmten Wahrscheinlichkeit über einen bestimmten Zeitraum überschritten wird. Beispielsweise bedeutet ein VaR von 99 % von USD 1 Mio. über ein Jahr, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Schaden gleich oder mehr als USD 1 Mio. in einem Jahr ausmacht, 1 % beträgt. Im Gegensatz zum Expected Loss (EL) ist der VaR ein besserer Indikator für die Diversifikation und das Drawdown-Potenzial eines Portfolios.

Value-in-Force (ViF) oder Embedded Value Monetization Transactions

Der Sponsor monetarisiert die künftig zu erwartenden Erträge aus einem Lebensversicherungsportfolio. Solche Transaktionen können dem Sponsor helfen, Liquidität freizusetzen, die verwendet wird, um die Weiterentwicklung des Geschäfts zu finanzieren. Je nach Höhe des jeweiligen Risikotransfers kann sie auch Vorteile in Bezug auf das Eigenkapital und das Rating bieten. Die durch die Transaktion generierte Finanzierung wird mit den künftigen Erträgen aus dem zugrunde liegenden Portfolio (beispielsweise Prämien abzüglich Forderungen) zurückgezahlt. Das übertragene Risiko besteht darin, dass sich eine deutliche Reduktion der gültigen «in-Force»-Policen, sei dies durch Sterblichkeit oder Verfall, negativ auf die künftigen Cashflow-Erträge auswirken kann, die zur Rückzahlung der Finanzierung benötigt werden. Der Wert der Erträge im Vergleich zum Finanzierungsbetrag bietet in der Regel einen grossen Puffer, um das Risiko tief zu halten.

W

X

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Z