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Zinserhöhung der SNB. Jetzt noch nicht.

Die Schweizer Wirtschaft wächst dynamisch. Dies beweist der Zuwachs des realen BIP. Dennoch bleibt die Schweizerische Nationalbank (SNB) zurückhaltend. Wann ist mit einem ersten Zinsanstieg der SNB zu rechnen?

Solides Wachstum. Das reale BIP legt zu.

Im zweiten Quartal 2018 stieg das reale Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozent. Zudem wurde die BIP-Schätzung von 0,6 Prozent für das erste Quartal auf 1,0 Prozent nach oben revidiert. Die solide Wachstumsdynamik im ersten Vierteljahr hatte somit auch von April bis Juni weiter Bestand. Dies bestätigt die Einschätzung der Credit Suisse, wonach das reale BIP in der Schweiz in diesem Jahr deutlich zulegen wird.

Für 2019 geht die Credit Suisse weiterhin von einer Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität aus. Über den Sommer haben die Daten immer wieder darauf hingedeutet, dass sich das solide Wachstum im dritten Quartal fortsetzen dürfte. Dabei war gleichzeitig ein Anstieg der Teuerung zu beobachten.

Die Credit Suisse rechnet mit einer ersten Zinserhöhung der SNB erst im September 2019.

Maxime Botteron

Unveränderter Leitzins. Die SNB zeigt sich zurückhaltend.

Unterdessen hat sich der Euro jüngst gegenüber dem Schweizer Franken abgewertet. Der Euro-Franken-Wechselkurs sank dabei zeitweise unter die Marke von 1,13, den tiefsten Stand seit Juli 2017. In den kommenden Wochen könnten nun die politischen Risiken in Italien zunehmen, da die Regierung ihren Haushaltsplan vorlegen soll. Dies könnte den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken erhöhen.

Die SNB dürfte sich daher weiter sehr zurückhaltend geben. Vermutlich wird ihre bedingte Inflationsprognose erst für das zweite Halbjahr 2019 eine Beschleunigung der Teuerung zeigen. Das lässt darauf schliessen, dass die SNB ihren Leitzins im ersten Halbjahr 2019 unverändert beibehalten will. Die Credit Suisse rechnet deshalb für 2019 nur noch mit einer einzigen Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte, höchstwahrscheinlich im September.

Devisen sind für die SNB derzeit nicht attraktiv.

Gleichzeitig dürfte die SNB auch von Devisenkäufen absehen, zumindest solange der Schweizer Franken nicht deutlich aufwertet und der Euro-Franken-Kurs dabei unter 1,10 fällt. Denn zum einen ist die Schweizer Wirtschaft in einer deutlich besseren Verfassung als noch vor ein oder zwei Jahren und damit in der Lage, eine gewisse Frankenstärke zu absorbieren. Zum anderen sind die meisten Notenbanken gerade dabei, ihre Geldpolitik zu straffen, oder haben zumindest Andeutungen in diese Richtung gemacht.

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Keine Anzeichen für Fremdwährungskäufe der SNB seit Juli 2017

Letzter Datenpunkt: 31.08.2018.
Quelle: SNB, Credit Suisse

Die SNB würde somit sicherlich nicht die einzige Notenbank sein wollen, die durch den Kauf von Fremdwährungen ihre Geldpolitik lockert. Zudem scheint selbst die jüngste deutliche Aufwertung des Schweizer Frankens zu keinen Devisenkäufen geführt zu haben. Immerhin sind die Sichteinlagen inländischer Banken bei der SNB, die als Indikator für Interventionen am Devisenmarkt gelten, zuletzt stabil geblieben.