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Zinsen in Diskussion: Die US-Renditekurve verflacht sich

Die Verflachung der US-Renditekurve hat erhebliche Diskussionen ausgelöst, denn in der Vergangenheit ging eine Inversion der Kurve mit einer wirtschaftlichen Verlangsamung einher. Die Ursachen der Verflachung und ein Ausblick auf die Entwicklung der US-Wirtschaft.

Entwicklung der US-Zinsstrukturkurve

Seit Anfang 2017 hat sich die US-Renditekurve, auch Zinsstrukturkurve genannt, deutlich verflacht. Der Spread zwischen den 10-Jahres- und den 2-Jahres-US-Treasury-Renditen hat sich von über 135 Basispunkten auf nur noch 30 reduziert. Gleichzeitig hat sich die Differenz zwischen den 30-Jahres- und den 10-Jahres-Renditen auf lediglich 15 Basispunkte verringert. In der Vergangenheit ging eine Verflachung der Zinsstrukturkurve mit einer Verlangsamung der Wirtschaft und eine Inversion der Kurve mit einer Rezession einher. Es überrascht daher nicht, dass die beschriebene Entwicklung für intensive Diskussionen sorgt.

Gründe für die Verflachung der Zinsstrukturkurve

Einerseits wird argumentiert, dass die US-Geldpolitik zu restriktiv sei. Dies könnte der Grund dafür sein, dass die Anleihenmärkte allmählich eine konjunkturelle Abkühlung einpreisen. Allerdings liegt die Real Federal Funds Rate, einer der wichtigsten amerikanischen Leitzinsen, immer noch mindestens 100 Basispunkte unter den meisten Schätzungen für das Gleichgewichtsniveau. Darüber hinaus werden starke positive Wachstumstreiber wie fiskalpolitische Anreize, steigende Investitionsausgaben und eine anhaltende Kreditexpansion in den USA die viel diskutierten Wachstumsrisiken zumindest auf kurze Sicht ausgleichen.

100

Basispunkte liegt die Real Federal Funds Rate unter den Schätzungen für das Gleichgewichtsniveau.

Niedrige Risikoprämien bei Anleihen

Als alternative Erklärung für die flachere Kurvenstruktur wird angeführt, dass die Risikoprämie beziehungsweise die Laufzeitenprämie bei Anleihen durch Sonderfaktoren niedrig gehalten wird. Dies erstens durch die anhaltend hohe Nachfrage nach Staatsanleihen, aufgrund der umfangreichen und immer noch wachsenden Bilanzen der Zentralbanken, des anhaltenden Bedarfs des Bankensystems an Qualitätsaktiva und der allgemein starken Sparneigung. Zweitens durch die proaktive und glaubwürdige Geldpolitik der US-Notenbank (Fed), die zu einem Rückgang der Inflationsrisikoprämie geführt hat. Trifft dies zu, könnte die Expansion der Weltwirtschaft auch dann anhalten, wenn sich die Renditekurve weiter verflacht oder sogar zu einer inversen Struktur übergeht.

Mögliche Abkühlung der US-Wirtschaft

Tatsächlich ist aber davon auszugehen, dass die politischen Entscheidungsträger die zusätzlichen Informationen berücksichtigen werden. Dies insbesondere bei einer Inversion der Kurve, also einer Umkehrung des Renditekurvenverlaufs. Die US-Notenbank könnte in diesem Fall durchaus 2019 ihre Zinsstraffung verlangsamen oder vorübergehend stoppen, um dem Markt keine übertrieben restriktive Geldpolitik zu signalisieren. Bei einer langsameren Zinsstraffung durch die US-Notenbank würde das Risiko einer Abkühlung der US-Wirtschaft abnehmen. Allerdings könnte die Inflationsrisikoprämie ansteigen, was wiederum eine Versteilung der Kurve auslösen würde.

Versteilung der Zinsstrukturkurven denkbar

Dies ist jedoch nicht der einzige Grund, warum derzeit bei den meisten Hauptwährungen eine kurze Duration zu bevorzugen ist. Bei einer Eskalation der globalen Handelsspannungen könnte ebenfalls eine Versteilung der Zinsstrukturkurven einsetzen. Und zwar, weil die Märkte in diesem Fall eine Verschiebung der geldpolitischen Straffung einpreisen und davon ausgehen, dass die Notenbanken das Wachstum nicht zusätzlich beeinträchtigen wollen und gleichzeitig einen gewissen Inflationsanstieg tolerieren. Hinzu kommt, dass die Anleihenmärkte kein Szenario einpreisen, in dem die Zentralbanken hinter der Inflationskurve zurückbleiben. Allerdings ist eine solche Entwicklung nicht von der Hand zu weisen, da die Konsumentenpreisinflation in den USA derzeit sowohl bei der Gesamt- als auch bei der Kernrate über 2 Prozent liegt.