Wie weit kann der CHF fallen?

Der CHF/EUR-Kurs scheint nur noch wenig Potenzial für ein weiteres Absinken zu haben. Wo wahrscheinliche Ziele für den Frankenkurs liegen und welche Faktoren positive Prognosen stützen. 

Der EUR/CHF-Kurs nähert sich bereits seiner neutralen Bewertungsspanne. Die Prognosen stehen gut dafür, dass eine weitere Frankenschwäche durch positive Schweizer Fundamentaldaten und kaum vorhandene Gründe für Kapitalabflüsse begrenzt wird.

Der Rückgang der wahrgenommenen Risikoprämie für die Eurozone trug zur Stärke des EUR während der letzten Monate bei. Da der CHF nach den meisten Massstäben hoch bewertet ist, hat sich dies besonders deutlich in der EUR/CHF-Stärke niedergeschlagen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist dadurch in der Lage, ihre Interventionen zu verringern, da sich die CHF-Schwäche aus privaten Kapitalströmen ergab, die EUR-Käufe durch die Zentralbank ersetzten.

Die Auflösung von Sicherungsgeschäften beeinflusst den Frankenkurs

Zwar ist die positive Entwicklung des Frankens ermutigend. Es ist aber nicht klar, ob die Schweizer Anleger nun nachhaltig auf ungesicherte Anlagen im Euro übergehen. Es ist zu vermuten, dass die jüngsten Kursbewegungen zu einem Grossteil mit der Auflösung von Absicherungen vor politischen und sonstigen Risiken zusammenhängen, die zuvor möglicherweise eine CHF-Stärke (oder vielmehr eine EUR-Schwäche) bewirkt hatten.

In der Tat kann man nur schwer argumentieren, dass sich die fundamentale Attraktivität von EUR-Vermögenswerten stark zugunsten des EUR verändert hat, weil die wirtschaftlichen Frühindikatoren sowohl in der Schweiz als auch der Eurozone stark nach oben ausgeschlagen sind. Während die Rendite deutscher Bundesanleihen von einem Tiefstwert von -0.17% auf rund +0.40% gestiegen ist, bewegten sich die Renditen Schweizer Anleihen von -0.60% auf fast 0%.

Prognosen zeigen ein mögliches Dilemma der SNB

Wenn die kurzfristigen Kapitalflüsse nachlassen, könnte die SNB vor einem Dilemma stehen. Ist es ratsam, dass sie die Interventionen zum nun höheren EUR/CHF-Kassakurs wieder aufnimmt und einen erneuten Anstieg ihrer Bilanzsumme riskiert? Oder empfiehlt es sich, den EUR/CHF-Kurs wieder auf einen niedrigeren Stand sinken zu lassen, auf dem private Kapitalflüsse möglicherweise ein Gleichgewicht ohne bzw. nur mit einer geringeren Unterstützung der Zentralbank herstellen?

Sicherlich würde die SNB fortgesetzt höhere EUR/CHF-Kurse vorziehen. Angesichts der starken Konjunktur ist es aber nicht klar, ob sie für dieses Ergebnis eine Bilanzverlängerung in Kauf nimmt. In diesem Sinne könnte man sich vorstellen, dass die SNB, wie alle anderen führenden Zentralbanken auch und unabhängig vom gegenwärtigen Wechselkurs, eher auf eine konzeptionelle Drosselung ihrer Liquiditätsausweitung übergeht.

Erschwert wird dieses Dilemma dadurch, dass der Frankenkurs ein begrenztes Abwärtspotenzial aufweist, solange sich die grundlegenden fundamentalen Gründe der Kapitalflüsse nicht wesentlich ändern. Durch den diesjährigen EUR/CHF-Anstieg hat sich der Wechselkurs bereits der unteren Grenze der geschätzten neutralen Bewertungsspanne von rund CHF 1.16 pro EUR genähert (vgl. Abbildung). Eine nachhaltige Rückkehr auf eine faire CHF-Bewertung wird wahrscheinlich von einem längerfristigen Anstieg der globalen Renditen und der globalen Risikobereitschaft abhängen.

CHF-Schwäche hat nur noch begrenztes Potenzial

Der jüngste EUR/CHF-Anstieg kann eher als das Ergebnis einer gross angelegten Positionsanpassung betrachtet werden statt als eine fundamental verursachte Änderung. Daher liegt die Prognose nahe, dass der voraussichtliche Widerstand bei 1.1500 – im Extremfall auch bei 1.1800 – diese Bewegung ausbremsen wird. Das gilt insbesondere da die CHF-Bewertung über einem Stand von 1.16 gegenüber dem EUR neutral wird.

Es ist zu erwarten, dass die breite Handelsspanne unterhalb dieser Widerstände bis zum Jahresende fortbesteht und das derzeitige Momentum Korrekturen weichen dürfte, solange die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank äusserst locker bleibt. Für eine CHF-Schwäche lässt sich daher nur ein begrenzter Spielraum erkennen. Die SNB wird aber wahrscheinlich äusserst wachsam bleiben und bei einer raschen CHF-Aufwertung zum Handeln bereit sein.

Fair Value des EUR/CHF

Fair Value des EUR/CHF 

Letzter Datenpunkt: 09.08.2017. Historische Performance-Angaben oder Finanzmarktprognosen sind keine verlässlichen Indikatoren für die aktuelle oder künftige Wertentwicklung. Quelle: Bloomberg, Credit Suisse/IDC