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Wie lange klettern die Aktienkurse noch nach oben?

Anleger beschäftigt global dieselbe Frage: Wie lange kann die derzeitige Aktienhausse noch andauern? Zwei Faktoren sind dafür relevant: Wie lange kann das Wachstum noch anhalten, ohne dass die Inflation einsetzt? Und wann wird vonseiten der Geldpolitik das anlegerfreundliche Umfeld unterbrochen?

Manche Investoren sind besorgt, dass die starke Konjunktur die Inflation wecken könnte. Gemessen am starken Konjunkturzyklus sollte eigentlich die Lohninflation längst angezogen haben. Doch in den Statisten findet man sie kaum. Ist möglicherweise der traditionelle Zusammenhang der «Phillips-Kurve», also das Konzept, dass steigende Beschäftigung auch die Inflation fördert, nicht mehr zeitgemäss? Vielleicht.

Mehre Faktoren scheinen aktuell ein breite Lohninflation zu verhindern: Erstens sind die Arbeitsmarktreserven höher als der erste Blick auf die Arbeitslosigkeit suggeriert. Das liegt sowohl an der steigenden Anzahl am Arbeitsmarkt Ausgesteuerter (=sinkende «Partizipationsrate») als auch an den besseren Ausweichmöglichkeiten der Unternehmen auf alternative Arbeitsmärkte. Zweitens ist die Kaufkraft der meisten Arbeitnehmer trotz stabiler Löhne mehrheitlich gestiegen. Drittens ist der Einfluss von Gewerkschaften in allen OECD-Ländern deutlich gesunken. Viertens bedrohen neue Technologien manche Arbeitsplätze, was Lohnforderungen zusätzlich dämpft.

Wird das Konzept der Phillips-Kurve obsolet?

Wird das Konzept der Phillips-Kurve obsolet?

Abweichung der Arbeitslosenquote von der inflationsstabilen Arbeitslosenquote.

Kein Ende der geldpolitischen Unterstützung in Sicht

Viele Anleger sorgen sich über ein Ende der geldpolitischen Unterstützung. Doch angesichts fehlender Inflation, geopolitischer Unsicherheiten und der natürlichen Eigendynamik einer expansiven Geldpolitik – die Johann Wolfgang von Goethe in seinem zeitlosen Gedicht vom Zauberlehrling (der eine Metapher auf die damals entstandene Notenbank der französischen Monarchie darstellte) beschrieb – scheint ein überraschender geldpolitischer Liquiditätsentzug durch die US-Notenbank Fed oder die Europäische Zentralbank höchst unwahrscheinlich.

Kurzum: Investieren ist eine der anspruchsvollen Aufgaben der Welt. Ein ganzheitlich diversifizierter Ansatz der Vermögensverwaltung bleibt Königsweg bei der Navigation durch unsichere Zeiten.