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Wie Krisen Werte schaffen. Das schöpferische Potenzial der Corona-Krise.

Wirtschaftskrisen sorgen nicht nur für starke Einbrüche in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, langfristig entfalten sie oft ein grosses schöpferisches Potenzial für Innovationen und neue Lösungen. Auch die Corona-Krise schafft in vielen Bereichen neue Werte. Die Folge ist vielerorts eine beispiellose Wirtschaftserholung.

Wirtschaftskrisen bergen schöpferisches Potenzial

Der Begriff der Krise besass schon in der Antike verschiedene Bedeutungsebenen. Stets ging es dabei um Begrifflichkeiten wie «Scheiden», «Entscheiden», «Kämpfen» oder «Ringen». Obwohl diese Dinge nicht erbaulich klingen, liegt im ewigen Ringen zwischen «dem Guten», «dem Schlechten» und «dem Besseren» auch eine schöpferische Kraft. Manchmal gibt erst eine Krise den Ruck, Bestehendes durch Besseres zu ersetzen.

Die Corona-Krise sorgt für Innovationen

Solche Beispiele gibt es auch in Wirtschaft und Politik: Die Defizite der europäischen Währungsunion lassen sich ohne eine handfeste Krise politisch kaum überwinden. Hierzulande dürfte die überfällige Reform unseres Rentensystems ohne die Dringlichkeit einer Krise noch lange vertagt werden. Die Corona-Krise hat in diesem Sinn bereits mehr Werte geschaffen als frühere Rezessionen. Dies zeigt sich anhand der folgenden fünf Aspekte:

1) Technologisch: Die Digitalisierung fast aller Aspekte unseres Wirtschaftens und Lebens schreitet in hohem Tempo voran. Mehr als zwei Drittel unserer Wirtschaftsleistung dürften bald digitalisiert sein. Der Aufstieg und die Dominanz von Technologie zählen zu den zentralen gesellschaftlichen Trends unserer Zeit. Aus Anlegersicht zeigt sich dies vielleicht am klarsten im seit Jahrzehnten steigenden Anteil der IT-Ausgaben an den Kapitalinvestitionen von Unternehmen. Dieser stieg in den letzten 80 Jahren von 15 auf mehr als 50 Prozent an den gesamten Kapitalinvestitionen. Er dürfte weiterwachsen.

Die Corona-Krise sorgte für starke Investitionen in die Digitalisierung.

Die Corona-Krise sorgte für starke Investitionen in die Digitalisierung.

Anteil von IT-Ausrüstung, Software und Ausgaben für technologische Forschung und Entwicklung an den gesamten Kapitalinvestitionen (in %)
Letzter Datenpunkt: 1.Q.2021
Quelle: Bureau of Economic Analysis, Yardeni Research

2) Soziologisch: Wir erleben in Teilbereichen eine Renaissance von Werten der Stoiker – Resilienz, Mut, Geduld und Wahrhaftigkeit sind wieder gefragt.

3) Gesundheitspolitisch: Auf allen Ebenen werden Anstrengungen zu einem digitaleren und stärker auf Prävention fokussierten Gesundheitswesen unternommen. Gleichzeitig öffnen sich in diesen Fragen auch neue Spannungsfelder zwischen Patienten und Gesundheitsbranche, zwischen Zentralismus und Föderalismus.

4) Wirtschaftspolitisch: In der Zusammenarbeit zwischen akkommodierender Geld- und aktiver Fiskalpolitik wurde ein neues Kapitel der Nachkriegsgeschichte aufgeschlagen. Es dürfte noch lange Bestand haben.

5) Umweltpolitisch: Die Bekenntnisse zum Kampf gegen den Klimawandel führen vielerorts zu Infrastrukturinvestitionen und anderen fiskalpolitischen Ambitionen (Digitalisierung, CO2-Pricing).

Die Wirtschaftserholung nach der Pandemie bricht Rekorde

Das Ergebnis dieser Pandemie ist, dass wir vielerorts eine V-förmige Erholung erleben und die globale Wirtschaftsleistung nie höher war. Dasselbe gilt für die Industrieproduktion, den Warenhandel und den digitalen Datenverkehr. Viele Kapitalanlagen notieren auf Rekordständen: von Aktien und Anleihen über Immobilien und Liebhaberobjekte bis hin zu Rohstoffen. Inflation, Arbeitslosigkeit und Kapitalkosten sind hingegen tief.

US-Aktien zeigten eine V-förmige Erholung aus der Corona-Krise

Letzter Datenpunkt: 5. März 2021
Quellen: Standard & Poor’s, Haver Analytics, Yardeni Research
Historische Wertentwicklungen und Finanzmarktszenarien sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.

Was bedeutet die Erholung von der Corona-Krise für Anleger?

Dies führt uns zur Gretchenfrage: Trägt diese Erholung oder nicht? Die gute Nachricht ist, dass sie wahrscheinlich länger trägt, als viele Kassandra-Stimmen befürchten. Der Wettbewerb hält die Inflation hierzulande in Schach. Die Kapitalkosten dürften länger tief bleiben, und noch sind Realanlagen wie Aktien und Immobilien im Vergleich zu Anleihen nicht euphorisch überbewertet.

Doch es gibt auch Schattenseiten: Die Lösung des Klimawandels bleibt ein Fernziel, gleichzeitig wird die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung überschätzt. Und die Ungleichgewichte zwischen Arm und Reich, Alt und Jung sowie Sparern und Schuldnern nehmen nicht ab. Was ist die Konsequenz für Anleger? Was nun zählt, sind Umsicht, Voraussicht und ein disziplinierter Anlageprozess, der sich nicht durch Tagesaktualitäten verunsichern lässt.

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