gesundheits-apps-und-ehealth-fuer-therapie-und-pflege
Artikel

Digital Health: Wie Technologien die Therapie und Pflege verändern

Neuartige Digital Health-Lösungen bringen grundlegende Veränderungen mit sich, sodass in wenigen Jahren Therapie und Pflege vollkommen anders aussehen könnten als heute. Gerade bei Gesundheitstechnologien bringt das grosse Wachstumschancen.

Weltweit schiessen die Kosten im Gesundheitswesen steil in die Höhe. Das liegt nicht nur am zunehmenden Wohlstand und Durchschnittsalter der Gesellschaft. Wir geben auch mehr aus, weil die Gesundheit auf der Prioritätenliste des Einzelnen nach oben gerückt ist. Digital Health, auch eHealth genannt, spielt eine entscheidende Rolle im Streben nach besseren Therapieerfolgen für die Patienten und Kostenoptimierungen.

Digital Health-Lösungen bieten viele Möglichkeiten in der Therapie

Die Ausgangslage ist erfreulich. Erstens ist bei der Entwicklung von Arzneimitteln und Therapien ein Wendepunkt erreicht. Dank völlig neuer Therapieformen können Krankheiten gezielter und mit weniger Nebenwirkungen behandelt werden.

Zweitens ist die Digitaltechnologie inzwischen in zahlreiche Bereiche des Gesundheitssystems vorgedrungen. Ihr Einfluss auf Diagnose, Überwachung und Behandlung ist deutlich spürbar.

Drittens vollzieht sich in der Bevölkerung ein tiefgreifender Wandel im Hinblick auf die Altersstruktur. Im Zuge der Alterung der Gesellschaften nehmen ihre gesundheitlichen Bedürfnisse und Ausgaben erheblich zu. Zusammen sind diese drei grundlegenden Trends ein eindeutiges Indiz für die Wachstumschancen in dieser Branche.

Der Pflege mit digitalen Technologien gehört die Zukunft

Gesundheits-Apps, Gesundheitsportale und tragbare Sensoren, beispielsweise zur Blutdruckmessung, revolutionieren die Pflegestandards. Mit diesen neuen Hilfsmitteln übernehmen die Menschen immer mehr Verantwortung für ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und die Krankheitsbewältigung.

Zudem werden innovative Digital Health-Lösungen zur Erzielung besserer Behandlungs- ergebnisse entwickelt. Dabei sticht eine sensorbasierte Lösung hervor, welche die Lebensqualität der Patienten drastisch verbessert. Dank einem kleinen, tragbaren Sensor, der mit einem intelligenten Gerät verbunden ist, können Diabetespatienten ihren Blutzuckerspiegel nun rund um die Uhr dauerhaft überwachen.

Der Hauptvorteil für Patienten: Sie erkennen dadurch frühzeitig mögliche Gefahrensituationen und können Sofortmassnahmen einleiten. Diese Technologie führt nicht nur zu hohen Kosteneinsparungen, sondern hat auch bereits Leben gerettet.

Besonders effektiv ist Digital Healthcare bei der Fernüberwachung

Angesichts des breiten Spektrums digitaler Gesundheitsprodukte scheint das Telemonitoring den grössten Mehrwert zu bieten, da es insbesondere bei der Betreuung chronisch erkrankter Patienten von Nutzen ist, deren Behandlung eine hohe Belastung für die Krankenkassen darstellt.

So konnten in einem Pilotprojekt von Vivify Health mit Patienten, die an Herzinsuffizienz leiden, durch den Einsatz von Telemonitoring die Anzahl der monatlichen stationären Aufenthalte pro Patient von über drei auf unter 0.4 gesenkt werden. Dazu reduzierten sich teure Besuche in der Notaufnahme sogar um über 70%.

Patienten gewinnen durch eHealth an Lebensqualität

Im Vergleich zu herkömmlichen Behandlungsmethoden führen so Digital Health-Lösungen zu einem deutlichen Rückgang gefährlicher Situationen. Gleichzeitig verbessern sie die Lebensqualität der Patienten spürbar.

Prinzipiell können somit alle Glieder der Wertschöpfungskette im Gesundheitswesen – Patienten, Ärzte, Pflegepersonal, Krankenhäuser und Versicherungsunternehmen – durch Digital-Health-Lösungen gewinnen. Der Einsatz von digitalen Gesundheitslösungen sollte jedoch im Rahmen einer gleichzeitigen Behandlung und nach Beratung durch einen Arzt erfolgen.

Der demografische Wandel kurbelt die Nachfrage an

Zurzeit sind etwas mehr als 900 Millionen Menschen weltweit mindestens 65 Jahre alt. Gegenüber 1960 ist diese Zahl um das Vierfache angestiegen. Für die Zukunft gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass bis 2050 eine weitere Milliarde Senioren hinzukommt.

Viele chronische Erkrankungen wie Arthritis, Herzleiden und Alzheimer nehmen mit dem Alter zu. Daleuchtet es ein, dass ein Anstieg des Anteils älterer Menschen mit einem unverhältnismässig starken Anstieg der Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen einhergehen wird.

Zum Beispiel schätzt das Schweizer Bundesamt für Statistik, dass sich die durchschnittlichen jährlichen Gesundheitskosten für eine Person von 86 Jahren oder älter auf rund CHF 48’000 belaufen. Das ist dreimal so hoch wie die durchschnittlichen Kosten von CHF 16’000 für eine Person der Altersgruppe 66–85.

Gesundheitskosten in der Schweiz pro Kopf und Altersgruppe

Gesundheitskosten in der Schweiz pro Kopf und Altersgruppe

in CHF (2014). Quelle: Schweizer Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Positiver Ausblick für Gesundheitstechnologien trotz Preisdruck

Es ist davon auszugehen, dass der politische Druck auf die Medikamentenpreise und die regulatorischen Auflagen bestehen bleibt, die Wachstumsaussichten der Branche aber kaum dämpfen werden. Denn die einschneidenden Trends werden die Nachfrage nach Gesundheitslösungen und -dienstleistungen unweigerlich weiter ansteigen lassen. Allerdings ist bei der Einzeltitelauswahl ein selektiver Ansatz entscheidend, da die Gesundheitsunternehmen echte Innovationsfähigkeit an den Tag legen müssen, um ihre Preissetzungsmacht zu bewahren und langfristig erfolgreich zu sein.

Die Transformation der Gesundheitsbranche mithilfe von eHealth bietet interessante Chancen für Investoren. Die grössten Gewinner sind allerdings nach wie vor die Patienten, aber auch diejenigen, die dank der Innovationen im Gesundheitsbereich diesem Schicksal von vornherein entgehen.