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Wie entwickelt sich die digitale Sicherheit im 21.Jahrhundert?

Cyberattacken bilden eine zunehmende Gefahr für unsere Gesellschaft. Neue Technologien können dazu beitragen die digitale Sicherheit zu erhöhen und bringen deshalb spannende Anlagemöglichkeiten mit sich.

Der Bevölkerungsschutz ist für das Sicherheitsempfinden unserer Gesellschaft von elementarer Bedeutung. Die Technologien zum Schutz der Bevölkerung haben sich zuletzt rasant entwickelt und neue Überwachungsmethoden, wie zum Beispiel Drohnen, hervorgebracht. Die Digitalisierung und Vernetzung von Systemen erlaubt zudem länderübergreifende polizeiliche Karteiabfragen per Mausklick.

Doch jede Medaille hat auch eine Kehrseite: Angriffe auf Computersysteme können von überall auf der Welt erfolgen. Die Cyberkriminalität kennt keine Grenzen und wird zunehmend zur Gefahr für unsere Gesellschaft. Es gilt auch, Fragen des Persönlichkeitsschutzes zu diskutieren.

Technologie als wichtiger Treiber des Bevölkerungsschutzes

Bereits der Sozialpsychologe Abraham Maslow mass dem Sicherheitsbedürfnis des Menschen eine zentrale Bedeutung zu. In seiner Mitte des letzten Jahrhunderts erstellten Bedürfnispyramide positionierte er den Aspekt der Sicherheit direkt nach der Erfüllung physischer Bedürfnisse.1 Dies lässt sich intuitiv nachvollziehen, da unser Körper ohne Nahrung nicht funktionieren könnte und ein Zusammenleben ohne Regeln, Gesetze und Gesetzeshüter schwierig wäre.

Für die zivile Sicherheit wird denn auch seit jeher viel getan. Polizei, Feuerwehr oder Armee stehen für die klassischen staatlichen Institutionen, deren Zweck darin besteht, die Zivilbevölkerung zu schützen. Dabei spielt die Zivilschutztechnologie heute eine zunehmend wichtige Rolle.

Zivilschutztechnologie beinhaltet Sprengstoffdetektion, Schutz der Infrastruktur und Überwachung öffentlicher Plätze sowie auch jene Bereiche, in denen IT-Hardware und Software wie Drohnen, Roboter und künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Das Research der Credit Suisse erwartet bei diesen Technologien ein starkes Wachstum.

Grenze zwischen Überwachung und Persönlichkeitsschutz

Den sich stets ändernden Gefahrenlagen in den öffentlichen Räumen wird mit immer ausgeklügelteren Systemen begegnet. So gehören Körperscanner in vielen Flughäfen bereits zur Standardausrüstung, und mit einem Sprengstoffdetektionsgerät kann innert Sekunden eruiert werden, ob ein Passagier kürzlich mit explosiven Substanzen hantiert hat.

In einzelnen Fällen ist heute technisch sogar mehr möglich als politisch gewollt. Die Videoüberwachung, verbunden mit der Gesichtserkennung in öffentlichen Räumen, trägt zwar zur Sicherheit bei, steht jedoch im Konflikt mit dem Persönlichkeitsschutz. Politische Prozesse und Güterabwägungen entscheiden letztlich, welches Mass an Schutz die Gesellschaft wünscht.

Angesichts der sich mehrenden Angriffe auf die westliche Gesellschaft können solche Diskussionen schnell zu Gunsten verstärkter Überwachung des öffentlichen Raumes tendieren. Allein für den Bereich der Videoüberwachung erwartet die globale Marktforschungs- und Beratungsfirma MarketsandMarkets einen Anstieg des Gesamtmarktwerts von derzeit über USD 30 Mia. auf über USD 75 Mia. bis 2022.2

Aufrüsten gegen digitale Angriffe

Was Abraham Maslow im letzten Jahrhundert noch nicht ahnte, wird mit der zunehmenden Vernetzung und Digitalisierung Realität: Die lokale Sicherheit steht einer neuen globalen Bedrohung gegenüber – der sogenannten Cyberkriminalität. Diese kann von überall auf der Welt ausgehen und alle Geräte mit Internetanbindung auf unterschiedlichste Art betreffen.

Bedürfnispyramide des Menschen nach Maslow (1943)

Bedürfnispyramide des Menschen nach Maslow (1943)

Quelle: Abraham Maslow: A Theory of Human Motivation. In Psychological Review, 1943

Globale Cyberattacken der letzten Jahre haben denn auch verdeutlicht, welchen Herausforderungen wir in einer zunehmend digitalisierten, auf Superkonnektivität basierenden Welt gegenüberstehen. Dabei geht es zwar meist nicht um Leib und Leben, doch es betrifft persönliche Daten und Informationen oder, im Falle von Unternehmen, die Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit wie auch der Reputation.

Cyberattacken wie Phishing nehmen weltweit zu und werden immer ausgeklügelter

Die Cyberattacken haben in der Regel ein Ziel: Man will damit an vertrauliche Informationen wie Kreditkarteninformationen, Passwörter oder Kontoinformationen gelangen und sich unrechtmässig bereichern. Sogenannte Phishing-E-Mails, betrügerische E-Mails von vermeintlich bekannten oder vertrauten Absendern, gehören bereits vielerorts zum Alltag.

Besorgniserregend ist die Entwicklung insofern, als dass die Attacken immer raffinierter werden. Waren früher Phishing Mails noch an Rechtschreibefehlern oder offensichtlich falschen Logos zu erkennen, kommen die Mailings heute oft hochprofessionell und unerkennbar daher.

Die eindrücklichen Statistiken erstaunen deshalb kaum: Schätzungen zufolge beläuft sich 2016 der volkswirtschaftliche Schaden weltweit durch Cyberkriminalität auf über USD 650 Milliarden. Innerhalb eines Jahres wurden zudem 4000 Hackerangriffe auf Unternehmen verzeichnet und über 800 Millionen Menschen waren Opfer von Cyberkriminalität.3 Bis anhin blieben glücklicherweise grössere Angriffe auf öffentliche Institutionen wie Spitäler oder Kraftwerke, aber auch auf militärische Einrichtungen, bis auf vereinzelte Ausnahmen weitestgehend erfolglos.

Der Markt für Cybersicherheit wird in nächsten fünf Jahren voraussichtlich um 10% p.a. wachsen.

Der Markt für Cybersicherheit wird in nächsten fünf Jahren voraussichtlich um 10% p.a. wachsen.

Quelle: Credit Suisse Research

Positiver Ausblick für die Cybertechnologie-Branche

Das Credit Suisse Research erwartet, dass die Ausgaben für Internetsicherheit deutlich schneller zunehmen als die IT-Ausgaben insgesamt. Gemäss Statista, einem deutschen Onlineportal für statistische Auswertungen, beliefen sich die weltweiten Ausgaben für IT-Sicherheitsprodukte 2016 auf USD 122,5 Mia. Das entspricht einem Plus von 8,6 % gegenüber dem Vorjahr. Dieser Betrag widerspiegelt indessen nur rund 2,4 % der globalen IT-Ausgaben. Statista schätzt, dass der Markt für Cybersicherheit in den nächsten fünf Jahren um jährlich 10 % expandieren wird.

Die zugrundeliegenden Teilmärkte zeigen sich jedoch stark fragmentiert – auch in Bezug auf das Wachstum. So wird erwartet, dass der Endverbrauchermarkt für Sicherheitsprodukte beispielsweise nur um 5 % wachsen wird, weil im Konsumentensegment dieses Markts viele Lösungen kostenlos angeboten werden.4 Dem steht die individuelle Sicherheitsberatung, -umsetzung und -auslagerung mit prognostizierten Wachstumsraten von jährlich 8 bis 16 % gegenüber.5 Im Markt für Netzwerksicherheit stehen nach wie vor Firewalls im Fokus der Anleger, weil der Markt mit 13 % weiterhin stark expandiert.6

Zivile und digitale Bedrohungen dürften trotz verbesserten und innovativeren Sicherheitsmassnahmen eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen bleiben. Treiber auf der zivilen Seite sind insbesondere das Bevölkerungswachstum und die Migration, aber auch die strengere Regulierung und die erhöhten Ansprüche an die Sicherheit. Auf der digitalen Seite liegt der Fokus auf der zunehmenden Anzahl von Geräten mit Internetanbindung und Vernetzung und den schier unbegrenzten Möglichkeiten, die das Internet für Private und Firmen, aber auch Kriminelle bietet.