Digitalisierung: Nachfrage nach Immobilien analysieren
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Wie die Digitalisierung die Nachfrage nach Immobilien entschlüsselt.

Die Digitalisierung ermöglicht es, zentrale Informationen einfacher zu sammeln und auszuwerten. Dadurch lässt sich die Nachfrage nach Immobilien besser analysieren. Die Immobilienstudie 2021 der Credit Suisse zeigt, welche Trends im Wohnungsmarkt daraus hervorgehen.

Auswirkungen der Corona-Krise durch die Digitalisierung zeitnah sichtbar

Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, möglichst schnell auf Daten als Basis für eine Lageeinschätzung im Immobilienmarkt zurückgreifen zu können. Glücklicherweise erlauben es die heutigen Möglichkeiten der Informationsverarbeitung, Nachfragedaten schnell zu ermitteln. So wertet die Schweizer PropTech-Firma Realmatch360 wöchentlich Such-Abos der grössten Schweizer Onlineportale anonymisiert aus und stellt die Daten ihren Kunden zeitnah zur Verfügung.

Dank der Auswertung von Suchprofilen lassen sich datengestützt wertvolle Aussagen dazu machen, ob und in welcher Form die Corona-Krise die Wohnungsnachfrage verändert hat. Es zeigt sich beispielsweise, dass vermehrt Eigentumswohnungen sowie Einfamilienhäuser und weniger oft Mietwohnungen nachgefragt werden. Innerhalb der Segmente sind vermehrt mittelgrosse und grosse Wohnungen gesucht. Das zeigt: Die Ansprüche an die eigene Wohnsituation sind gestiegen.

Im Wohnungsmarkt werden vermehrt grosse Wohnungen nachgefragt

Grosse Wohnungen werden im Wohnungsmarkt seit COVID-19 stärker nachgefragt

Veränderung der Nachfrageindizes: 02/2020–12/2020

Quelle: Realmatch360

Letzter Datenpunkt: 12/2020

Keine Abkehr von Grosszentren bei der Nachfrage nach Immobilien

Die Wohnungssuchenden interessieren sich seit Ausbruch der Pandemie auch häufiger für dezentralere Gemeinden. Von einer Abkehr von Grosszentren kann trotzdem nicht gesprochen werden. Denn die Attraktivität der Grosszentren ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Viele Suchende bevorzugen daher weiterhin eine Mietwohnung in den Städten.

Beim Wohneigentum fällt die Verschiebung in dezentrale Regionen dagegen stärker aus. Grund dafür sind unter anderem die hohen Immobilienpreise an zentralen Lagen und die vermehrte Möglichkeit des Arbeitens im Homeoffice.

Wie nachhaltig diese Trends sind, wird sich jedoch erst in den kommenden Jahren zeigen. Daher ist es wichtig, die Nachfrage kontinuierlich zu verfolgen und nicht falsche Schlüsse aus einer Momentaufnahme zu ziehen.

Die optimale Miete im Wohnungsmarkt ermitteln

Neben den Nachfragepräferenzen bieten Such-Abos auch lokale Informationen zur Zahlungsbereitschaft von Wohnungsinteressenten. Da bereits wenige Franken mehr oder weniger pro Quadratmeter Jahresmiete darüber entscheiden, wie gut oder schlecht sich ein Objekt vermieten lässt, sind präzise Informationen für Eigentümer, Projektentwickler, Vermarkter oder Makler essenziell.

Werden zusätzliche Informationen zum Vermarktungsobjekt angegeben, wie etwa Alter, Zustand, Fläche, Lage und Ausbaustandard, lässt sich darüber hinaus anhand moder­ner Web-Apps die optimale Miete ermitteln.

Digitalisierung hilft bei der Bestimmung der optimalen Miete

Bestimmung der optimalen Miete

Zahlungsbereitschaft (Bruttomiete in CHF/Monat) für 4-Zimmer-Wohnungen in Biel

Quelle: Realmatch360

Letzter Datenpunkt: 12/2020

Durch die Digitalisierung werden Lücken geschlossen

Zusammenfassend zeigt sich, dass die digitale Analyse des Nachfrageverhaltens nicht nur Angebots- und Marktdaten liefert, sondern auch Wissenslücken bei der Projekt­planung und Vermarktung schliesst. Das ist ein grosser Schritt, zumal es angesichts der zunehmenden Herausforderungen auf dem Büro- und Verkaufsflächenmarkt immer wichtiger wird, mehr über das Nachfrageverhalten auch auf diesen Märkten zu erfahren.

«Die Suche auf dem Wohnungsmarkt ist einfacher und effizienter geworden.»

Thomas Rieder, Immobilienexperte bei der Credit Suisse und Mitautor der Immobilien­studie 2021, spricht im Interview über die fortschreitende Digitalisierung im Schweizer Immobilienmarkt.

Herr Rieder, in der Immobilienstudie 2021 wird das Thema Digitalisierung der Immo­bi­lienbranche und dessen Facetten in mehreren Kapiteln beleuchtet. Wie sind Mieter und Wohneigentümer davon betroffen?

Thomas Rieder: Das fängt heute bereits bei der Wohnungssuche an. Vor 20 Jahren waren Inserate für Wohnungen praktisch nur in Zeitungen zu finden. Heute werden Immobilien dagegen in erster Linie über die grossen Onlineportale inseriert.

In den letzten Jahren hat die Digitalisierung für Mieter und Eigentümer weitere Verän­derungen gebracht: So können etwa Hypotheken online abgeschlossen werden oder die Kommunikation mit dem Bewirtschafter erfolgt über eine App.

Was hat sich dadurch für Wohnungssuchende geändert?

Die Wohnungssuche ist einfacher und effizienter geworden. Ich kann viel wirksamer nach passenden Wohnungen suchen. Und dank der Möglichkeit, meine Suchen als Such-Abonnement zu speichern, werde ich schnell und einfach über neue passende Objekte informiert. Interessiert mich ein konkretes Objekt, ist teilweise eine virtuelle Besichtigung möglich, die den Entscheidungsprozess nochmals verkürzt.

Gibt es auch Nachteile?

Durch die beschränkte Reichweite war es in analogen Zeiten eher möglich, mal ein Schnäppchen zu ergattern. Wird heute etwas günstig inseriert, erfährt das in Windeseile eine grosse Anzahl Wohnungssuchender. Das steigert die Konkurrenz und macht die Wohnungssuche trotz schneller verfügbarer Informationen nicht einfacher.

Auf den Online-Immobilienportalen werden enorme Datenmengen generiert. Welche Erkenntnisse lassen sich aus diesen Daten ziehen?

Dank Fortschritten in der Datenanalyse können die auf den Online-Plattformen verfügbaren Daten zeitnah analysiert werden. Damit lassen sich wertvolle Erkenntnisse zur regionalen Marktsituation gewinnen. Mit diesen Daten konnten wir somit schnell herausfinden, welche Folgen die Corona-Krise auf die Nachfrage nach Mietwohnungen und Wohneigentum hat.

Sie haben sich in der Studie auch den Themenbereich Internet of Things (IoT) in Bezug auf Büroflächen genauer angeschaut. Gibt es Vergleichbares im Wohnbereich?

Ja, gerade in modernen Gebäuden wird IoT ebenfalls zunehmend genutzt, um die Woh­nung intelligenter zu machen. Das geht von der Bedienung der Storen und Heizung bis hin zu Raumbeleuchtung, Alarm- und Schliesssystem. Auch Roboterstaubsauger und Rasenmäher, die ihre Aufgaben automatisch erledigen, sind in immer mehr Haushalten zu finden.

Zudem ist IoT in der Stadtentwicklung die Grundlage für Smart Cities. Anwendungs­beispiele hierbei sind intelligente Parkierungssysteme, smarte Energiezählsysteme oder die Überwachung von Luftqualität und Pegelständen im Freien.

Von welchen weiteren Entwicklungen ist zukünftig hinsichtlich der Digitalisierung in der Immobilienbranche auszugehen?

Wir erwarten in den kommenden Jahren eine stark steigende Nutzung der bereits bestehenden innovativen Produkte und Prozesse. So werden unsere Wohnungen zukünftig noch stärker digital vernetzt. Aber auch im Bau wird die Digitalisierung enorm an Einfluss dazugewinnen. Bereits heute verlangen beispielsweise institutionelle Investoren bei Ausschreibungen von Bauprojekten immer öfter die Digitalisierung der Planung und des Bauprozesses mittels Building Information Modeling (BIM).

Die Digitalisierung wird auch in der Finanzierung von Immobilien immer wichtiger, weil dadurch die bankinternen Prozesse effizienter und schneller werden. Und die beste­hen­de Hypothek kann heute schnell und einfach via Online Banking verlängert werden. Trotzdem wünscht sich der Ersterwerber immer noch sehr häufig eine persönliche Beratung bei der Finanzierung von Wohneigentum.

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