Bärenmarkt: Wie Anleger Chancen an der Börse richtig nutzen
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Wie Anleger Chancen im Bärenmarkt richtig nutzen 

«Sell in May and go away», lautet eine bekannte Weisheit an der Börse. Danach sollte man im Monat Mai Gewinne der ersten vier Monate des Jahres realisieren. Gilt diese Empfehlung auch für den Bärenmarkt 2020? Eine Analyse.

Bärenmarkt: Rally oder langfristige Erholung?

Seit dem 23. März schreitet die Erholung der Aktienmärkte voran – obwohl sich an der wirtschaftlichen Lage kaum etwas verändert hat. Alle gängigen Wirtschaftsindikatoren werden auch in den kommenden Wochen beispiellos fallen. Neu ist das nicht. Historisch betrachtet waren Nachkriegs-Bärenmärkte in den meisten Fällen mit einer Bärenrally verbunden – also lediglich einer kurzen Kurserholung.

Doch dieses Mal mag alles anders sein. Denn wenn eine Krise tatsächlich das Prädikat «präzendenzlos» verdient, so ist es die Corona-Krise. Präzedenzlos im Ausmass, aber ebenso in den geld- und fiskalpolitischen Rettungsmassnahmen. Für Anleger stellt sich die Frage: Sollte man also das Plus aus der Börsenerholung zu Geld machen, bevor die Kurse wieder sinken? Oder war der 23. März der Tiefpunkt, gefolgt von kleineren Korrekturen?

Was für den 23. März als Tiefpunkt des Aktienmarktes spricht

Vieles spricht dafür, dass der Tiefpunkt an der Börse Ende März erreicht wurde – und wir uns möglicherweise am Beginn einer längerfristigen Aufwärtsbewegung befinden.

  • Die beispiellose geld- und fiskalpolitische Reaktion auf die Corona-Krise, die bisher umgerechnet mehr als 8 Billionen Schweizer Franken Nothilfe mobilisiert hat, ist sicherlich einmalig. Alleine die Bilanz der US-Notenbank (Fed) ist in den letzten Wochen um 2,2 Billionen von 4,1 auf 6,3 Billionen US-Dollar angeschwollen. Es ist fast undenkbar, dass solche Massnahmen nicht zu höheren Kursen führen.
  • Die aktuelle US-Geldpolitik folgt einem historischen Vorbild, nämlich dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit. Damals monetisierte die Fed die Fiskaldefizite, indem sie die langfristigen Kapitalmarktrenditen bei 2,5 Prozent deckelte. Mit Erfolg: Der S&P 500 und der Dow Jones Index verdoppelten sich in den Jahren 1941 bis 1951.
  • Wenngleich die Fed und die Europäische Zentralbank nicht direkt in Aktien investieren, so helfen die von ihnen stabilisierten Kreditrisikoprämien und Finanzierungsbedingungen natürlich auch den Aktienmärkten.
  • Die Bewertungen, insbesondere der globalen Aktienmärkte ohne die USA, notieren in vielen Fällen immer noch nahe den Tiefstwerten von 1984 und 2009.
  • Langsam sinkende Zahlen von Neuansteckungen mit dem Coronavirus wecken Hoffnungen, wie der Vergleich mit asiatischen Aktien nach SARS illustriert.
     
Vergleich zur SARS-Krise beflügelt Hoffnung für den Aktienmarkt

Der Vergleich zur SARS-Krise 2003 beflügelt Anlegerhoffnungen

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Angaben weltweit ohne China                             Letzter Datenpunkt: 21. Mai 2003
Letzter Datenpunkt: 20. April 2020                     Quelle: Credit Suisse
Quelle: Credit Suisse

Wie sich Anleger jetzt am besten an der Börse positionieren

Die Aussicht auf eine nachhaltige Gesundung der Börse beschert vielen Anlegern einen Lichtblick. Auch unsere Experten erwarten, dass es keinen weiteren Tiefpunkt wie am 23. März geben wird. Doch das Risiko von Bärenfallen und vorübergehenden Bärenrallys ist nicht gebannt. Anleger sollten umsichtig agieren – und dennoch Chancen nutzen. Sechs Tipps.

  • Rückschläge – die wir erwarten – können Anleger für Zukäufe nutzen.
  • Bärenrallys lassen sich nie perfekt «timen». Anleger sollten sich bei Nach- oder Verkäufen von ihrer Strategie leiten lassen – und nicht von Emotionen.
  • Hochverzinsliche Anleihen hinkten den Aktien bislang hinterher. Falls das Schlimmste bei den Aktien hinter uns liegt, dürften hochverzinsliche Anleihen wie beispielsweise USD-denominierte Anleihen von Schwellenländern attraktiv wirken.
  • Langfristig auf Gewinner zu setzen und Verlierer zu vermeiden ist auch in dieser Krise ausschlaggebend. Die digitale Wirtschaft und die sie ermöglichende Technologie dürften weiterhin die Gewinner der Wirtschaft und Börsen von morgen bleiben.
  • Wenn sich die Wirtschaft erholt, werden auch die Nachfrage nach Erdölprodukten und die Preise wieder steigen. Doch die Branche steht unter enormem Konsolidierungsdruck, den die grossen, integrierten, kapitalstarken Konzerne antreiben werden.
  • In Krisenphasen mit erhöhter Aktienvolatilität erzielt Gold meist positive Wochenrenditen.

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