Wer früher geht, zahlt viel Geld
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NZZ Serie: Wer früher geht, zahlt viel Geld

Zwei von drei Beschäftigten in der Schweiz würden gerne vorzeitig aus dem Erwerbsleben aussteigen. Doch um sich die Frühpensionierung leisten zu können, ist vorausschauende Planung nötig. 

Es ist noch gar nicht lange her, da schickten Grossunternehmen wie Swisscom, Siemens oder die Post ihre Mitarbeiter zu Tausenden bereits mit 55 Jahren und mit voller Rente in die Pension. Dank grosszügigen Beiträgen, die zumeist vom Arbeitgeber kamen, ergriffen die Betroffenen die Gelegenheit.

So feudal wie im Jahr 2000 erfolgt die frühe Pensionierung heute nur noch selten. Immerhin: Bei grossen Firmen, Grossverteilern, Versicherungen und Banken geht immer noch über die Hälfte der Angestellten vorzeitig in den Ruhestand. Bei Novartis sind es derzeit fast 90%. Insgesamt werden heute etwa 40% Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz pensioniert, bevor sie das ordentliche Pensionsalter erreicht haben. Den Wunsch, dies zu tun, hätten sogar zwei von drei Angestellten. 

Ausstieg bewusst planen

Allerdings: Von jenen, die dann tatsächlich frühpensioniert werden, scheiden sehr viele unfreiwillig aus der Berufswelt aus. Sie werden wenige Jahre vor der Pensionierung entlassen und finden dann keinen Job mehr. Sie werden somit effektiv zwangsfrühpensioniert. Glücklich also, wer seinen vorzeitigen Abgang aus der Arbeitswelt bewusst planen kann. Auf dem Papier steht einem solchen Vorhaben nichts im Weg. Viele Pensionskassen lassen eine vorzeitige Pensionierung schon ab 58 Jahren zu. «Doch wer an eine Frühpensionierung denkt, sollte sich bereits ab 50 darauf vorbereiten», raten Vorsorgeberater.

Ein guter Rat: Eine vorzeitige Pensionierung geht nämlich rasch einmal ins gute Geld. Ein Altersrücktritt ein Jahr vor der ordentlichen Pensionierung kostet nach einer Überschlagsrechnung rund ein Jahresgehalt. Wer sich bereits mit 60 vom Erwerbsleben zurückziehen will, muss zuvor also rund eine halbe Million oder mehr beiseitegelegt haben.

Wer angesichts dieser Kosten dennoch eine Frühpensionierung anstrebt, muss also eine umfassende Finanz- und Budgetplanung vornehmen. Was kostet eine Frühpensionierung genau? Kann ich mir mit der Rente aus einer Frühpensionierung die gewünschte Lebenshaltung leisten? Wähle ich besser die Rente oder das Kapital? Das sind einige der wichtigsten Fragen, die im Rahmen einer weitsichtigen Finanzplanung geklärt werden müssen.

Etwa 40% aller Angestellten gehen früher in Pension: Bei Grossfirmen wie der Post sind es zum Teil deutlich mehr. 

In Anbetracht der komplexen Fragestellung ist der Beizug eines Vorsorgeexperten ratsam. Denn es gibt noch eine ganze Reihe von zusätzlichen Aspekten, die es zu beachten gilt:

  • Frühpensionierte müssen weiterhin AHV-Beiträge bezahlen, und zwar die Ansätze für Nichterwerbstätige, und das bis zur ordentlichen Pensionierung. Die Beiträge richten sich nach Vermögen und Renteneinkommen.
  • Bei der Krankenkasse muss die Unfallversicherung wieder eingeschlossen werden. Genau wie auch nach der ordentlichen Pensionierung. Während des Erwerbslebens ist man dagegen obligatorisch durch den Arbeitnehmer versichert.
  • Bei der Steuerplanung gilt es abzuwägen, ob sich noch PK-Einkäufe lohnen. Auch der Entscheid Rente oder Kapital hat unterschiedliche steuerliche Folgen. Säule-3a-Guthaben soll man – in Abstimmung mit einem allfälligen PK-Bezug – auf jeden Fall gestaffelt beziehen.
  • Steuern sind ein häufiger Stolperstein. Viele gehen davon aus, dass man nach der Pensionierung weniger Steuern zahlen muss. Dem ist aber nicht immer so: Man verdient dann zwar weniger, kann aber auch weniger abziehen, etwa den Zweitverdienerabzug, Berufsauslagen, 3a-Beiträge oder PK-Einkäufe.

Die Lücken schliessen

Ein valables Instrument, um die grosse Einkommenslücke einer Frühpensionierung abzudecken, ist die gebundene Vorsorge der Säule 3a. Wer regelmässig den möglichen Höchstbetrag einbezahlt hat, kann innert 20 oder 30 Jahren 100 000 oder 200 000 Franken zurücklegen. Mit diesem Polster wäre es möglich, sich ein oder zwei Jahre früher pensionieren zu lassen.