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Welche Bedeutung hat die 2. Säule für die finanzielle Lage im Alter?

Eine Analyse der Ökonomen der Credit Suisse zeigt, dass die Abdeckung der Schweizer Bevölkerung durch die berufliche Vorsorge zwar von Generation zu Generation gestiegen ist. Die 2. Säule stellt jedoch auch bei der jüngeren Rentnergeneration erst bei höheren Einkommensklassen einen zentralen Einkommenspfeiler dar.

Im Rahmen der jüngst veröffentlichten Pensionskassenstudie der Credit Suisse wurde unter anderem untersucht, welchen Stellenwert die 2. Säule für die finanzielle Lage der Schweizerinnen und Schweizer im Alter hat. Wie viel die Renten aus der Pensionskasse zum Einkommen der Rentnerhaushalte beitragen, hängt einerseits stark vom Geburtsjahrgang der Rentner ab. Die obligatorische berufliche Vorsorge wurde erst 1985 mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) eingeführt. Ältere Generationen hatten daher oft nicht die Möglichkeit, eine vollumfängliche Vorsorge aufzubauen. Selbst Leute, die heute das gesetzliche Rentenalter von 65 erreichen, waren bereits über 30 Jahre alt, als sie mit dem Einzahlen in die obligatorische 2. Säule begannen. Eine kurze Beitragsdauer oder gar fehlende Beiträge schmälern demnach für diese Generationen die Altersleistungen, die über die 1. Säule (AHV) hinausgehen.

Reichweite der 2. Säule im Zeitverlauf verbessert

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat sich die Reichweite der beruflichen Vorsorge erwartungsgemäss verbessert. Bei der ältesten Rentnergeneration (80-Jährige und älter) tragen Renten aus der Pensionskasse im Durchschnitt zu rund 31 % zum Bruttoeinkommen bei. Bei den jüngeren Pensionierten (zwischen 65 und 75) erhöht sich dieser Wert auf 37 %. Verringert hat sich auch der Anteil der Rentner, die lediglich eine AHV-Rente beziehen: von 36 % bei der ältesten auf 20 % bei der jüngeren Generation.

Abdeckung primär vom Einkommensniveau abhängig

Die Bedeutung der einzelnen Säulen für die finanzielle Absicherung im Rentenalter hängt aber nicht in erster Linie vom Jahrgang der Versicherten, sondern vielmehr von ihrem Einkommensniveau ab. Eigentlich tragen Renten aus der beruflichen Vorsorge erst in den höheren Einkommensklassen massgeblich zum Einkommen der Rentnerhaushalte bei mit einem durchschnittlichen Anteil von 43 %. Im untersten Einkommensquintil (das heisst bei den 20 % ärmsten Rentnerhaushalten) beträgt diese Quote nur 9 %. In absoluten Zahlen ausgedrückt, entspricht dies im Durchschnitt einer Pensionskassenrente von gerade rund CHF 230 bei einem Bruttoeinkommen von CHF 2’600 im Monat (vgl. Abb.). Den überwiegenden Anteil ihrer Einkünfte beziehen die einkommensschwächsten Rentner aus der AHV (rund CHF 2’080). Diese Erkenntnis ist über alle Generationen hinweg gültig: Obwohl sich die Reichweite der 2. Säule in den letzten Jahrzehnten laufend erhöht hat, gibt es auch unter den jüngeren Rentnern weiterhin Leute, die kaum Zugang zur beruflichen Vorsorge haben oder nur beschränkte Leistungen daraus beziehen.

Monatliches Bruttoeinkommen der Rentnerhaushalte

2. Säule erst für obere Einkommensklassen von Relevanz

Monatliches Bruttoeinkommen der Rentnerhaushalte nach Quintilen der Einkommensverteilung in CHF, 2012–2014
Quelle: Bundesamt für Statistik (HABE), Credit Suisse;
* Inkl. Kapitalauszahlungen aus der 2. und 3. Säule.

Aufbau der beruflichen Vorsorge auch in Zukunft nicht für alle gleich stark

Die Abdeckung durch die einzelnen Säulen der Altersvorsorge sollte sich in Zukunft zwar weiter verbessern. So zahlen im Durchschnitt nur rund 5 % der heutigen Erwerbstätigen lediglich Beiträge an die 1. Säule (vgl. Abb.). Die Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen dürften aber nach wie vor bedeutend bleiben: In der tiefsten Einkommensklasse kann knapp ein Viertel der erwerbstätigen Haushalte einzig Beiträge an die AHV leisten, und nur 12 % zahlen in alle drei Säulen ein. Selbst im mittleren Einkommensbereich leistet lediglich die Hälfte der Erwerbstätigen Beiträge an alle drei Säulen. Gesellschaftliche Veränderungen wie etwa die zunehmende Verbreitung von Teilzeitarbeit drohen, die Unterschiede zwischen den Einkommensklassen aus vorsorglicher Sicht zusätzlich zu verschärfen. Aufgrund der Eintrittsschwelle in die obligatorische berufliche Vorsorge und des Koordinationsabzugs werden Personen mit kleinen Arbeitspensen und tiefen Löhnen im heutigen System benachteiligt und riskieren, nicht genug für das Alter ansparen zu können [vgl. Beitrag Teilzeitarbeit].

Vorsorgeanteil an der Gesamtheit der erwerbstätigen Haushalte

In der untersten Einkommensklasse leistet knapp ein Viertel der Erwerbstätigen nur Beiträge an die 1. Säule

Vorsorgekombinationen, Anteil an der Gesamtheit der erwerbstätigen Haushalte in %, 2012–2014
Quelle: Bundesamt für Statistik (HABE), Credit Suisse

Private Vorsorge wird wichtiger

In diesem Kontext wird es – gerade auch für Personen mit tiefem Einkommen – umso wichtiger, zusätzlich zur 1. und 2. Säule rechtzeitig die private Vorsorge (3. Säule) aufzubauen, um sich einen angemessenen Lebensstandard im Alter zu sichern. Selbst die Einzahlung von kleinen Beträgen kann sich dabei lohnen. Dies umso mehr, als die demografische Alterung die beiden ersten Säulen des Alterssicherungssystems zunehmend unter Druck setzt.