Was ist der Umwandlungssatz?
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Was ist der Umwandlungssatz?

Mit dem Umwandlungssatz wird die jährliche BVG-Rente aus dem vorhandenen Alterskapital berechnet. Wer wissen möchte, welche Rente nach der Pensionierung realistisch ist, muss in Bezug auf die 2. Säule drei Dinge wissen:
1. Der Umwandlungssatz für den obligatorischen Teil des Pensionskassenguthabens beträgt derzeit 6,8 %.
2. Dennoch rechnen die meisten Pensionskassen mit einem niedrigeren Umwandlungssatz, weil sie ihn mit dem Satz des Überobligatoriums kombinieren.
3. Die Umwandlungssätze werden in absehbarer Zeit sinken, weil sie gegenwärtig zu hoch sind.

Wofür steht der Umwandlungssatz?

«Wie hoch wird einst meine Rente ausfallen?» Wer sich diese Frage stellt, muss sich bald mit dem Begriff «Umwandlungssatz» auseinandersetzen.

Der Umwandlungssatz ist jener festgelegte Prozentsatz, der die jährliche Rente aus dem Guthaben bei der Pensionskasse definiert. Für den obligatorischen Teil des BVG wird er auch Mindestumwandlungssatz genannt. Er beträgt derzeit 6,8 % und ist im Gesetz festgelegt. Das bedeutet: Wer ein Alterskapital von 100’000 Franken hat, erhält mit der Pensionierung eine jährliche Rente von 6’800 Franken.

Doch Halt: Ganz so einfach ist es nicht. Das Beispiel ist korrekt, wenn die Pensionskasse Minimalleistungen abdeckt und der durchschnittliche Jahreslohn weniger als 84’600 Franken beträgt. Dieser Lohnbetrag wird vom obligatorischen Teil des BVG (Gesetz über die berufliche Vorsorge) abgedeckt. Lohnanteile darüber werden der überobligatorischen Vorsorge zugeordnet. Hier bestimmt die Pensionskasse den Umwandlungssatz. Dieser variiert von Kasse zu Kasse und kann dem Pensionskassenauszug entnommen werden. Er beträgt meist weniger als die
6,8 %.

BVG-Rentenberechnung mit dem Umwandlungssatz

Berechnung der BVG-Rente mit dem Umwandlungssatz

Quelle: Credit Suiss

Wie kommen die Umwandlungssätze zustande?

Verschiedene Parameter fliessen in die Berechnung der Umwandlungssätze ein. Die wichtigsten sind:

  • Lebenserwartung der aktuellen und künftigen Rentner
    1980 ging man bei einem 65-jährigen Mann von einer verbleibenden Lebenserwartung von 15,3 Jahren aus. 2005 waren es bereits 18,2 Jahre, und die Lebenserwartung der jüngeren Generation ist noch höher.1
  • Technischer Zinssatz
    Dieser basiert auf den Renditeerwartungen für das Pensionskassenkapital an den Kapitalmärkten. Die Pensionskassen schätzen, wie hoch sie das Rentenkapital in der Zeit des Vermögensverzehrs (also während die Renten ausbezahlt werden) voraussichtlich verzinsen können. Der Mindestumwandlungssatz von 6,8 % setzt eigentlich eine Rendite von 4,5 % bzw. einen technischen Zinssatz von 4 % voraus2 – eine Bedingung, die schon seit Längerem nicht mehr gegeben ist.

1, 2 Bundesamt für Sozialversicherungen.

Können sich die Umwandlungssätze ändern?

Obligatorischer Teil

Der Mindestumwandlungssatz von 6,8 % ist gesetzlich im BVG festgelegt. Eine Änderung kann nur durch eine Gesetzesanpassung erfolgen. Sofern das Referendum ergriffen wird, kommt es zur Volksabstimmung. Im September 2017 wurde eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes auf 6 % mit der Ablehnung der beiden Vorlagen zur Reform Altersvorsorge 2020 verworfen.

Überobligatorischer Teil

Dieser Umwandlungssatz wird durch die Pensionskasse festgelegt. Die Kasse kann ihn beliebig ändern. Bei vielen Kassen stehen die Sätze heute bei etwas über 5 %; eine Senkung auf unter 5 % ist jedoch absehbar.

Gesplitteter oder umhüllender Umwandlungssatz: Was ist der Unterschied?

Die Pensionskasse kann bei der Rentenberechnung entweder den gesplitteten oder den umhüllenden Umwandlungssatz anwenden. Je nachdem, wie die Aufteilung zwischen obligatorischem und überobligatorischem Guthaben ist, kann das Resultat für die Rentenempfänger unterschiedlich sein. Zwei Rechenbeispiele veranschaulichen den Unterschied:

300’000 Franken an Pensionskassenguthaben hat ein angehender Rentner angespart.
200’000 Franken davon entfallen auf den obligatorischen Teil.
100’000 Franken davon entfallen auf den überobligatorischen Teil.

Gesplitteter Umwandlungssatz
In diesem Falle wird die Rente mit zwei unterschiedlichen Umwandlungssätzen berechnet:

  • 200’000 Franken mit 6,8 % (obligatorisch nach BVG)
    = 13ֹ’000 Franken Jahresrente
  • 100’000 Franken mit 5,2 % (Beispielsatz von der Pensionskasse bestimmt für den überobligatorischen Teil)
    = 5’200 Franken Jahresrente

Insgesamt ergibt sich eine Jahresrente von 18’200 Franken.

Umhüllender Umwandlungssatz
In diesem Fall wird mit einem kombinierten Umwandlungssatz gerechnet.
Das BVG schreibt allein vor, dass das Endresultat nicht niedriger sein darf als die 6,8 % auf den obligatorischen Teil, in diesem Falle also nicht niedriger als 13’000 Franken.

  • 300’000 Franken mit 5,8 % (In dieser Grössenordnung bewegt sich in der Regel der umhüllende Umwandlungssatz.)
    = 17’400 Franken

Insgesamt ergibt sich eine Jahresrente von 17’400 Franken. Diese ist höher als 13’000, somit ist der umhüllende Umwandlungssatz gemäss BVG in Ordnung.

Ausblick: Entwicklung der Umwandlungssätze

Weil die Lebenserwartung stetig steigt und die Renditeaussichten im Niedrigzinsumfeld voraussichtlich nicht für eine stabile Finanzierung ausreichen, drängen die meisten Pensionskassen auf eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes. Dass die 6,8 % zu hoch sind, darin sind sich Experten einig. Wer nicht kurz vor der Pensionierung steht, wird mit einem niedrigeren Umwand¬lungssatz rechnen müssen.

Es gilt, möglichst bald den BVG-Umwandlungssatz im politischen Prozess der Realität anzupassen, um die aktuell hohe ungewollte Umverteilung von den heutigen Arbeitnehmenden zu den Rentenbezügern zu stoppen. Damit sollen das Solidaritätsprinzip und die Generationengerechtigkeit in der beruflichen Vorsorge wiederhergestellt werden.

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