Keine Mustervorlage beim Testament
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Warum man für sein Testament keine Mustervorlage verwenden sollte

Heute lässt sich für beinahe alles eine Mustervorlage finden – so auch für ein Testament. Doch Mustervorlagen orientieren sich in der Regel an einer simplen Ausgangslage, was der Situation vieler Erblasser nicht gerecht wird. Und: Das Testament ist nur ein Teil der Nachlassplanung. Vorsorgeansprüche und Versicherungsleistungen, aber auch Zuwendungen zu Lebzeiten und – bei verheirateten Personen – das Ehegüterrecht sollten in die Planung miteinbezogen werden.

Wir nennen Ihnen vier Gründe, warum Sie für Ihr Testament auf Mustervorlagen verzichten sollten:

  1. Jede Ausgangslage ist einzigartig. Jede familiäre Konstellation ist so individuell wie die Familienmitglieder selbst. Sie ist die Ausgangslage für die Nachlassplanung. Patchworkfamilien beispielsweise erfordern ein besonderes Augenmerk, denn hier entspricht die gesetzliche Erbfolge möglicherweise nicht den Wünschen der Erblasserin oder des Erblassers.
  2. Jedes Vermögen setzt sich individuell zusammen. Je komplexer die Vermögensverhältnisse, desto anspruchsvoller die Nachlassplanung. Denn: Immobilien, Firmenbeteiligungen, Wertschriftenanlagen, Vorsorgeansprüche und Versicherungsleistungen wollen massgeschneidert geregelt sein.
  3. Ein Testament verlangt eine bestimmte schriftliche Form. Es muss persönlich von Hand verfasst sein – mit Datum und Unterschrift. Wer sein Testament nicht eigenhändig schreiben kann oder möchte, dem steht die Form der öffentlichen Beurkundung offen. Dabei setzt die Urkundsperson (in den meisten Kantonen der Notar) das Testament auf, das dann nur noch zu unterschreiben ist. Bei dieser Form müssen zwei Zeugen mitwirken, die aber vom Inhalt des Testaments keine Kenntnis erhalten. Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, an welchem Ort das Testament aufzubewahren ist. Wichtig ist die Gewissheit, dass es im Todesfall rasch der zuständigen Behörde zur Eröffnung eingereicht wird.
  4. Das Erbrecht sieht gesetzliche Pflichtteile vor. Nicht jeder Erblasser kann mit dem Testament frei über seinen Nachlass verfügen. Den Eltern, dem Ehegatten und den Nachkommen steht zwingend ein Anteil zu, auf den diese rechtsgültig nur mit einem Erbvertrag verzichten können.

Erbschaftsplanung – besser nicht auf später verschieben

Das sind nur einige der Gründe, weshalb es sich lohnt, so früh wie möglich mit der Nachlassplanung zu beginnen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei jeder persönlichen Veränderung wie Heirat, Familienzuwachs, Scheidung, Eingehen einer Lebenspartnerschaft, Erwerb von Grundeigentum oder beruflicher Neuausrichtung die Nachlassplanung zu überdenken und gegebenenfalls der neuen Lage und/oder den veränderten Bedürfnissen anzupassen.

Wer sich früh genug mit dem eigenen Nachlass beschäftigt, hat den Vorteil, dass er die Familie mit in die Planung einbeziehen kann. Je nach den Bedürfnissen der Beteiligten macht es Sinn, in Form von Schenkungen oder Erbvorbezügen bereits heute Vermögenswerte an die Nachkommen zu übertragen. So kann gerade bei herausfordernden Konstellationen vieles zu Lebzeiten geklärt werden, um eine solide Basis für die einvernehmliche Teilung des Nachlasses zu schaffen.

Eine sorgfältige Nachlassplanung ermöglicht einen grösseren Handlungsspielraum im gesetzlichen Kontext. So lassen sich allenfalls die Erbschafts- und Schenkungssteuern optimieren.