Wann soll man Buchgewinne realisieren?
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Wann soll man Buchgewinne realisieren?

Viele Investoren sind unsicher darüber, wann sie Buchgewinne realisieren sollen. Häufig passiert es, dass sie zu schnell oder auch zu langsam handeln. Am besten gehen Anleger deshalb taktisch vor.

Diese Frage stellen Investoren oft - wahrscheinlich, weil die Antwort immer neu gesucht werden muss. Häufig realisieren Investoren Buchgewinne zu rasch und Buchverluste zu spät. Dieses verbreitete Verhaltensmuster ist psychologisch motiviert. Die Gewinnmitnahme folgt der Volksweise „lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“.

Das Festhalten an Buchverlusten entspricht oft der illusorischen Hoffnung, ein Buchverlust sei weniger real als eine mit Verlust liquidierte Anlage. Das grundsätzliche Problem solcher Verhaltensmuster besteht darin, dass sie – bildlich gesprochen – die Trümpfe zu rasch aus der Hand gibt und auf den Nieten zu lange sitzenbleibt.

Beim Mitnehmen von Buchgewinnen taktisch vorgehen

Natürlich sollten Anleger mit ihren Anlagen nicht „verheiratet“ sein. Aber der entscheidende Punkt besteht darin, dass jeder Anlageentscheid von der Zukunft und nicht von der Vergangenheit gedacht sein sollte. Sobald wir unsere Anlageentscheide an Einstiegskursen verankern, begeben wir uns taktisch auf dünnes Eis.

Und noch ein taktischer Grundsatz zu Buchgewinnen: bei Aktien lohnt es sich in der Regel länger als bei Anleihen und Währungen „die Gewinner laufen zu lassen“. Das, erstens, weil bei Aktien das Gewinnpotential – im Unterschied zu Anleihen – unbeschränkt ist. Zweitens profitieren Aktien bei wachsendem Anlagehorizont von der Risikoprämie, welche sie generieren.

Warum fehlende Risikoprämien dafür sprechen Buchgewinne zu realisieren

Währungen offerieren keine Risikoprämie – egal, wie lange sie gehalten werden. Zwar zahlen Währungen unterschiedliche Nominalzinsen, doch verschwindet diese Zinsdifferenz nach Berücksichtigung der Kosten für die Wechselkursabsicherung.

Anleihen generieren hingegen eine geringere Risikoprämie als Aktien, da sie in der Regel zum Buchwert zurückbezahlt werden. Deshalb ist die Realisierung von Buchgewinnen auf Anleihen – auch prospektiv gedacht – naheliegender als bei Aktien.

Selbst bei Wandelanleihen wachsen die Bäume kaum in den Himmel. Mit diesen Abwägungen wurden jüngst erfreuliche Buchgewinne in Wandelanleihen und im englischen Pfund realisiert, während Aktien weiterhin in einem ausgewogenen Mandat, mit einer Quote von 45%, das höchste Gewicht aller Anlageklassen eingeräumt wird.