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Wahlen in Italien – Bella Italia, wach auf!

Im März wählt Italien ein neues Parlament. Was bedeuten die Wahlen in Italien für Anleger? Wie steht es um die Banken in Italien? Erfahren Sie, wieso die italienische Wirtschaft nicht vom Fleck kommt und wieso sich dies auch nach den Wahlen kaum ändern wird.

Am 4. März wählt Italien. Doch im Unterschied zum vergangenen Jahr scheint die Parlamentswahl die Märkte aktuell kaum zu bewegen. Es ist zwar positiv, dass die populistische 5-Sterne-Bewegung nicht mehr den Austritt Italiens aus der Währungsunion fordert. Doch damit endet vermutlich schon die (sehr kurze) Liste der hoffnungsvollen Entwicklungen.

Obwohl das Land im europäischen Vergleich systematisch zurückfällt, lassen alle Wahlprogramme eine Fortsetzung des Reformstaus erkennen. Seit zwanzig Jahren beträgt Italiens durchschnittliche Wachstumsrate magere 0,4 Prozent. Sie liegt damit tiefer als in jedem anderen vergleichbaren Land Europas.

Doch statt auf Reformen setzt der Staat auf Schulden. Weltweit wird Italien darin nur noch von Japan, Griechenland und Libanon übertroffen. Doch damit nicht genug: Aus vermeintlich «makroprudenziellen» Gründen müssen diese Staatsschulden seit Jahr und Tag von italienischen Finanzinstituten und Vorsorgewerken gekauft werden – che collegamento pericoloso! Sogar bei der Fussballweltmeisterschaft 2018 spielt das gedemütigte Land nicht mit. Wie soll das nur weitergehen?

Banken in Italien profitieren von Abkehr vom Euroaustritt

Trotz einer Erleichterungsrally italienischer Bankaktien, dank der politischen Absage an einen Euroaustritt, haben sich Italiens strukturelle Defizite weiter systematisch verschlechtert. Der Länderbericht des World Economic Forums legt die Fakten schonungslos auf den Tisch. Im Vergleich zu den 30 entwickelten Volkswirtschaften ist Italien – immerhin die drittgrösste Wirtschaft der Eurozone – mittlerweile auf 27 Platz gesunken. Nur Portugal und Griechenland liegen noch dahinter. Zehn der zwölf gemessenen Kriterien haben dazu beigetragen:

Italien fällt systematisch zurück

Nationale Schlüsselindikatoren

Wert

Rang Trend

1) Wachstum & Entwicklung (1-7)

4.24

23 / 30

-1.6%

       - BIP/Kopf ($)

33'705

21 / 30

-1.2%

       - Arbeitsproduktivität ($)

87'013

12 / 30

-0.6%

       - Lebenserwartung (Jahre)

72.8

5 / 30

+1.1%

       - Beschäftigung (%)

43.1%

29 / 30

-1.1%

2) Inklusion 1-7 (bester Wert)

4.36

21 / 30

-7.1%

       - Einkommensungleichheit (Gini-Koeffizient)

32.7

21 / 30

+0.2

       - Armutsrate (%)

13.3%

21 / 30

+1.3%

       - Vermögensungleichheit (Gini)

68.7

9 / 30

+3.5

       - Median-Einkommen ($/Tag/PPP)/Kopf

34.1

19 / 30

-3

3) Generationen-Ausgleich 1-7 (bester Wert)

3.94

28 / 30

-5.7

       - Ersparnisse in % des Nationaleinkommen

3.7%

26 / 30

+0.2

       - CO2-Intensität (KtCO2/Mia$ BIP)

24

28 / 30

-4.8

       - Staatschulden in % des BIP

133%

28 / 30

+16.2

       - Abhängigkeitsquotient (in % der Arbeitsbevölkerung)

56.5%

25 / 30

+3.2%

Gesamtranking 1-7 (bester Wert)

4.18

27 / 30

-4.9%

Quelle: World Economic Forum (Der gesamte Länderbericht).

Drei miteinander verknüpfte Aspekte haben zur Misere beigetragen: das enorme Nord-Süd-Gefalle, die Vernachlässigung der Jugend und ihrer Ausbildung, die Schwäche des Staatsapparats.

In Italien sind fehlende Steuereinnahmen ein grosses Problem für die Wirtschaft

Italiens öffentlicher Sektor ist vor allem eines: ineffizient. Ein wichtiges Beispiel: Weil die Steuererhebung schlecht funktioniert, zahlen vor allem Unternehmen – und nur wenige Privathaushalte – Steuern. Am stärksten trifft es die kleinen und mittleren Betriebe. Sie liefern in guten Jahren knapp zwei Drittel ihrer Gewinne an Steuern und Abgaben ab. In schlechten Jahren können sie wegen hoher Kündigungsfristen ihre Kosten kaum senken.

Bei der normalerweise sehr erhebungseffizienten Mehrwertsteuer kann die Guardia di Finanza nach eigenen Angaben nur etwa 35 Prozent(!) der effektiv geschuldeten Mehrwertsteuern eintreiben – 65 Prozent der Mehrwertsteuern gehen dem Staat verloren. Wenn Italien diesen Effizienzverlust nur auf den OECD-Durchschnitt von 30 Prozent senken könnte, so erhielte es automatisch 45 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen – genug, um alle italienischen Banken ausreichend zu kapitalisieren.

Wahlen in Italien werden keine Reformen bringen

Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben. Aber ich muss offen gestehen: Meine Erwartungen an Italien sind gering. Reformen erfordern ein klares Programm und den nötigen politischen Willen. Für beides gilt derzeit: Fehlanzeige. In unserer Anlagestrategie meiden wir daher aktuell italienische Anlagen. Eigentlich schade.