volatilitaet-hoher-vix-bietet-anlegern-chancen
Artikel

Hohe Volatilität – wie der Wellenritt gelingt

Volatilität gilt als Angstbarometer an der Börse. Was bedeutet es konkret, wenn der VIX-Index ausschlägt? Erfahrene Investoren lassen sich davon nicht beirren. Im Gegenteil: Hohe Volatilität kann auch eine Anlageopportunität darstellen.

Steigt die Volatilität, werden viele Anleger nervös. Sie haben Angst vor hohen Verlusten, ja gar vor einem Börsencrash. Panikartig verkaufen wäre aber das Falsche. Denn hohe Volatilität zeigt nur, dass die Kursschwankungen hoch sind – nicht aber, ob die Kurse nach oben oder nach unten zeigen. Hohe Volatilität bietet meist mehr Chancen als geringe Volatilität.

Gleichzeitig ist die Angst vor steigender Volatilität jedoch vielfach eine selbsterfüllende Prophezeiung. Denn nicht wenige Anleger neigen dazu, dem Herdentrieb zu folgen und wie alle anderen Aktien zu verkaufen. Dies führt in der Folge dazu, dass die Börsenkurse kurzfristig tatsächlich sinken. Auch aufkeimende Angst vor Inflation, steigende Zentralbanken-Zinsen oder politische Krisen führen in Zeiten hoher Volatilität und Grundunsicherheit schnell zu Börsenkorrekturen, ohne dass sich das wichtigere fundamentale Gesamtbild einer Volkswirtschaft verändert hat.

Trotz steigender Volatilität investiert bleiben

Trotz Unsicherheit ist gut beraten, wer einen kühlen Kopf bewahrt und nicht dem Herdentrieb folgt. Denn eben so schnell wie die Kurse sinken, können sie in Zeiten hoher Volatilität auch wieder steigen. Historisch betrachtet konnten langfristig orientierte Anleger mit Aktien deutlich mehr Rendite erzielen als im gleichen Zeitraum mit Obligationen oder mit dem Sparkonto. Und dies trotz zum Teil grosser Kurseinbrüche.

Werden die Aktien dagegen aufgrund der Volatilität in Panik verkauft, können die Verluste nicht mehr wettgemacht werden. Es zeigt sich einmal mehr, dass das richtige Markttiming, die wohl höchste Kunst zu sein scheint. Langfristig wirkt sie sich auf die Renditeentwicklung eines Portfolios jedoch nur geringfügig aus.

Trotz-volatilitaet-schlagen-aktien-anleihen-langfristig

Kumulierte Rendite von US-Anlagen von 1900-2017 (nominal)

Quelle: Elroy Dimson, Paul Marsh, and Mike Staunton, Triumph of the Optimists, Princeton University Press, 2002, and subsequent research*

When the VIX is high, it’s time to buy

Investiert bleiben ist daher eine Grundregel bei hoher Volatilität. Erst recht zu kaufen eine andere. Im englischsprachigen Umfeld existiert die Redewendung «When the VIX is high, it’s time to buy», die genau das besagt: Kaufen Sie, wenn der VIX-Index hoch ist. Analysen zeigen, dass die Rendite im Durchschnitt tatsächlich höher war, wenn bei Extremwerten des VIX-Index Aktien gekauft wurden, als wenn die Investition bei sehr tiefem VIX erfolgte.

Die von der hohen Volatilität ausgelösten Marktkorrekturen können zudem als Einstiegschance genutzt werden. Zuvor überbewertete Aktien werden wieder erschwinglich und haben erneut Kurssteigerungspotenzial. Anleger mit nicht investiertem Kapital können so zu attraktiv Preisen einsteigen.

Vorsicht vor Spekulation mit der Volatilität

Die Verlockung ist natürlich gross, solche Einstiegschancen aktiv zu suchen. Wieso nicht verkaufen, wenn die Aktienkurse ihren Höchststand erreicht haben und neu einsteigen, sobald die Börse korrigiert hat? Bei hoher Volatilität also alle Gewinne einstreichen, wenn die Kurse nach oben zeigen, aber verkaufen sobald die Vorzeichen wenden.

Das klingt einfacher als es ist: Den perfekten Moment zu erwischen, ist Glücksache und gelingt praktisch nie – selbst mit noch so viel Erfahrung. Im Gegenteil. Wegen Selbstüberschätzung und Spekulationen haben schon viele Anleger viel verloren respektive mögliche Gewinne verpasst. Nur schon wenn Sie an einzelnen besonders guten Tagen nicht investiert waren, wird die Rendite am Jahresende deutlich tiefer ausfallen, als wenn Sie durchgehend investiert gewesen wären.

vergleich-rendite-im-smi-ohne-beste-tage

Durchgehend investiert zu sein zahlt sich aus

Wert einer Investition von 10'000 Franken im Swiss Market Index (SMI) seit 2001 und annualisierte Rendite in Prozent (inklusive Dividenden).*

Quelle: Bloomberg, Credit Suisse

Verlauf der Volatilität lässt sich schwer vorhersagen

Ein weiteres Beispiel aus dem Stoxx Developed Markets 150 Index zeigt einen ähnlichen Effekt. Ein Anleger, der zwischen 2003 und 2016 durchgehend investiert gewesen war, erzielte eine Rendite von 150 Prozent. Hätte er jedoch nur schon die fünf besten Tage verpasst, hätte seine Rendite nur noch 63 Prozent betragen.

Market Timing kann zu einer gefährlichen Angewohnheit werden. Kurseinbrüche sind schwer vorherzusagen und starke Renditen folgen oft auf schlechte Renditen. Häufig denken Anleger, sie könnten cleverer sein als der Markt — oder sie lassen sich von Emotionen wie Angst oder Gier zu Anlageentscheidungen verleiten, die sie später bereuen.